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    Lohr

    Ex-Minister Eberhard Sinner bleibt auf Achse

    Eberhard Sinner feiert 75. Geburtstag. Foto: Günter Weislogel

    Sein Alter sieht man dem bekennenden Europäer, Jägersmann und Kulturfreund nicht an. Heute wird der immer noch stark engagierte Lohrer Politiker und Forstmann Eberhard Sinner 75. Gefeiert wird in der Familie ohne großen Aufwand.

    Mit seiner Frau Uta beging der Jubilar im Mai die goldene Hochzeit und 2020 werden die beiden zusammen 150. Da gibt es wieder ein größeres Fest und dann können alle sechs Enkel mit dabei sein, die beiden von Sohn Florian in Lohr und die vier von Tochter Constanze aus Oldenburg.

    Im Kreistag ist Schluss

    Mit seiner Frau Uta genießt Sinner an seinem Zweitwohnsitz nicht nur den Kissinger Sommer. Im Main-Spessart führt er immer noch den Kreisverband des Roten Kreuzes, aber er denkt an einen Übergang. Als CSU-Kreisrat mischt er in der Kommunalpolitik mit, kandidiert jedoch im Frühjahr 2020 nicht mehr. Er sitzt seit 1978 im Kreistag und findet "Das war lang genug".

    Mit Wastl auf Wildschweinjagd

    Den Vorsitz im Medien-Club in München hat er 2018 nach einem Jahrzehnt abgegeben. Er jagt mit seinem Hund Wastl weiter Wildschweine und fotografiert gern Vögel, unterstützt Projekte wie "Eiche und Spessart", pflegt Kontakte, bekämpft Fake News und wehrt sich vor allem gegen Rechtspopulisten.

    Sinner bewährte sich als Alrounder in der Landespolitik in vielen Bereichen zwischen Abfallwirtschaft und Weinbau. Bekannt geworden ist der einstige politische Querdenker vor allem auch als Wegbereiter moderner Technik in der Parlamentsarbeit. So führte er gegen erhebliche Widerstände das Tablet am Rednerpult des Landtags ein. Und als "bavarianrebel" breitete er sich im Netz aus, bespielte einige Kanäle.

    Friedenskapelle Stalingrad

    Verbunden bleiben wird Sinners Name unter anderem mit dem Bau der deutsch-russischen Friedenskapelle Rossoschka auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Stalingrad. Für sie hat er sich als Präsident des Ost-West-WirtschaftsForums Bayern jahrelang engagiert. Aus diesem "faszinierenden Projekt" sind bereits Schulpartnerschaften hervorgegangen, eine gemeinsame Erinnerungskultur soll entstehen. Sein Motto "Aus Barrieren Brücken bauen" und die Kooperation mit Nachbarländern hält er für so aktuell wie nie zuvor. Die friedliche Wiedervereinigung hat ihn am meisten gefreut. Er ist glücklich, dass er das europäische Zusammenwachsen miterleben und teilweise mitgestalten durfte.

    Lahme Digitalisierung wurmt ihn

    Am meisten wurmt ihn, dass die Digitalisierung in der Verwaltung noch längst nicht so schnell vorangekommen ist wie erhofft. So hatte er bereits 2006/07 die elektronische Akte angestoßen. "Aber alles ist viel zu langsam gegangen", ärgert sich Sinner.

    Viel unterwegs ist er heute noch, auch mit seiner Frau Uta. Seit 1974 fahren die Sinners alljährlich ins Elsaß. Bevorzugte Ziele liegen im Baltikum und in Schottland, wo die nächste fünfwöchige Reise hinführen soll. Außerdem will der Europapolitiker seine schottischen Freunde über den Brexit hinwegtrösten.

    Der sportliche Ex-Minister joggt nach wie vor, aber nicht mehr auf Steilstrecken. Statt hoch hinaus will er nun möglichst lange gesund bleiben.

    Ein Sohn des Spessarts und einige seiner Stationen
    Eberhard Sinner war Minister in den Kabinetten Edmund Stoiber und Günther Beckstein, saß von 1986 bis 2013 für die CSU im Bayerischen Landtag.
    Der ehemalige Staatskanzleichef war auch medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion und Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks.
    Am 20. November 1944 in einem Würzburger Krankenhaus geboren, ist Sinner kein Würzburger, sondern ein Sohn des Spessarts – aufgewachsen in den Forsthäusern Hain, Waldaschaff und Lohr, wo sein Vater als Forstamtsleiter wirkte. Er besuchte die die humanistischen Gymnasien in Aschaffenburg und Lohr. Hier bestand er 1963 sein Abitur.
    Sein halbjähriges Praktikum im Forstrevier Frammersbach bildete die Voraussetzung für das Studium der Forstwissenschaften.
    Als Diplom-Forstwirt arbeitete Sinner an den Oberforstdirektionen München und Würzburg.
    Von 1970 bis 1974 war er zunächst persönlicher Referent und dann Büroleiter bei Land- und Forstwirtschaftsminister Hans Eisenmann. Vier stürmische Jahre verbrachte er anschließend in der bayerischen Landesvertretung in Bonn.
    Das staatliche Forstamt in Gemünden leitete Forstdirektor Sinner bis zur Wahl in den Landtag 1986 . Am 30. Januar 2001 musste Sinner in der Krise des Rinderwahnsinns über Nacht den Aufbau des neuen Ministeriums für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz übernehmen. 2003 wurde Sinner Minister für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen.
    Die Staatskanzlei in München leitet Sinner von 2005 bis 2008, bis Horst Seehofer die »Alten« abmeierte.
    Bereits 1970 war Eberhard Sinner in die CSU eingetreten, der er bis 2013 als stellvertretender Bezirksvorsitzender diente. Im heimischen Lohr saß er von 1978 bis 1996 im Stadtrat und seit 1978 sitzt er im Main-Spessart-Kreistag.
    Der Träger des bayerischen Verdienstordens, der Verfassungsmedaille in Gold und des Bundesverdienstkreuzes am Bande bekam in diesem Jahr die Ehrensenator-Würde der Universität Würzburg verliehen. ()

    Bearbeitet von Günter Weislogel

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