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    Marktheidenfeld

    Expertentip zur Erziehung: Schulnoten nicht mit Handyzeit gegenrechnen

    Achim Schad berichtete auch über eigene Erfahrungen aus seiner Praxis und mit seinen Kindern. Foto: Susanne Feistle

    Rund 70 Interessierte kamen ins Evangelische Gemeindehaus in Marktheidenfeld, um dem Vortrag von Achim Schad "Mama, chill mal – Kinder in der Pubertät" zu folgen.

    Es war eine gemeinsame Veranstaltung vom Landkreis Main-Spessart, dem Familienstützpunkt der Stadt Marktheidenfeld und der Evangelischen Kirchengemeinde.

    Achim Schad, der selbst drei Kinder durch die Pubertät begleitet hat und nun, wie er sagt, den Großvaterstatus erreicht hat, machte bereits zu Beginn darauf aufmerksam, dass die Weichen für das Verhalten in der Pubertät nicht in der Pubertät gestellt werden, sondern lange vorher.  

    Während seines Vortrages brachte der Sozial-Pädagoge aus Wuppertal auch immer Beispiele, die er in seiner Praxis erlebt. "Wenn ich die Tochter morgens dreimal wecke,  ihr die Brote mache und auch noch zur Schule fahre, weil sie den Bus verpasst, lernt sie: je langsamer ich bin, desto größer wird der Service".

    Eltern müssen auch nicht die Hausaufgaben ihrer Kinder können. Sie können nicht in drei Minuten das erklären, was der Lehrer in einer Schulstunde nicht geschafft hat. Wenn das Kind höflich um Hilfe bittet, kann man versuchen zu helfen, wenn es pampig wird, geht man aus dem Raum. Zur Not auch öfters. Die Antwort auf die Frage, wie man die Tochter dazu bekommt, ihre Brotdose selbstständig in die Spülmaschine zu räumen, war relativ simpel: "Das Kind kann ja entscheiden, ob es eine saubere Dose mitnimmt oder eine mit Essensresten vom Vortag."

    Öfter kamen Fragen nach dem richtigen Medienkonsum.  Da wollte der Paar- und Familientherapeut keine Zeit festlegen, die richtig ist. Vielmehr gehe es darum, dass das Kind noch an der realen Welt teilnimmt. "Wenn es Freunde trifft, seinen Hobbys nachgeht und es in der Schule und zu Hause läuft, sind auch drei Stunden mal okay." Je schlimmer die Reaktion auf die Einschränkung der Medienzeit allerdings ist, desto größer ist die Suchtdynamik, und man muss die Zeit noch mehr einschränken.

    Wenn der Sohn dann beispielsweise seine Wut an der kleinen Schwester auslässt, dann sollte man die in ihr Zimmer schicken, damit sie aus der Situation raus kommt. "Ihn können sie ja schlecht in sein Zimmer tragen, der trägt sie ja wieder raus", so Schad schmunzelnd.

    Davon, Schulnoten mit Handyzeit gegenzurechnen, hält er nichts, da man Medien nicht als Belohnungssystem einsetzen sollte. Und die Kinder müssen nicht immer mit den Entscheidungen der Eltern einverstanden sein.

    Vieles kann man auch mit Humor machen. Wenn beispielsweise vereinbart war, der Sohn macht sonntags bis halb elf Frühstück, aber noch im Bett liegt, dann sollte man es nicht aus Frust selber machen, sondern sich als Familie vor sein Bett stellen und sagen: "Wir haben Hunger". Oder die Wäsche bleibt halt liegen, wenn sie nicht, wie vereinbart, im Wäschekorb ist.

    Eltern sollten auch nicht beleidigt sein, wenn das Kind plötzlich lieber im Zimmer isst, und manchmal ist eine Ferienfreizeit besser als ein aufgezwungener Familienurlaub. "Aber man muss im Gespräch bleiben und Gemeinsamkeiten pflegen."

    Grundsätzlich sollten die Eltern ihre Kinder nicht belehren und nicht bedrängen, aber zur Verfügung stehen. Geübte Kritik muss greifbar sein: "Grüne Haare oder falsche Schuhe bei Regen sind nicht greifbar. Das ist ihr Ding. Sie müssen ihren Weg finden und das ist schwieriger als früher."

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