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    Neustadt am Main

    FSV Neustadt/Erlach reaktiviert Sportgaststätte mit Biergarten

    Steffen und Hannah Heidenfelder auf dem Gelände des Biergartens in Neustadt.  Foto: Henrietta Hartl

    Gute Nachrichten für Neustadt: Gemütlich im Biergarten sitzen, ein Bier trinken und dazu etwas essen, das geht nun wieder im Dorf, zumindest zu bestimmten Zeiten. Und auch im Winter wird es mit dem Gaststättenbetrieb an der "Kohlwiese" weitergehen.

    "Es gibt in Neustadt ja sonst fast nichts mehr", sagt Joachim Adolf vom Vorstand des FSV Neustadt/Erlach. Auch für die brachliegende Sportgaststätte in der Neustädter Turnhalle fand sich in den vergangenen Jahren trotz intensiver Suche kein Pächter. Der FSV wollte nicht tatenlos zusehen und entschied sich, nun selber beim Landratsamt eine Genehmigung für den Betrieb der Gaststätte einschließlich eines Biergartens zu beantragen.

    Vorläufige Genehmigung

    Der Antrag wurde sechs Wochen vor Pfingsten gestellt. Bekommen hat der Verein die vorläufige Genehmigung Ende Juli. Vorläufig ist die Genehmigung deswegen, weil noch einiges zu tun ist, um alle aktuellen Bestimmungen zu erfüllen. Seit der letzten Verpachtung des Biergartens habe sich manches geändert, von Hygienevorschriften bis zu Feuerschutzrichtlinien, und es sei natürlich auch einiges an "Updates"« nötig. Ingenieur Adolf arbeitet hier mit einem Architekten zusammen und hat schon viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit in die Aufgabe gesteckt, die Sportgaststätte wieder genehmigungsreif und zukunftsfähig zu machen.

    Steffen und Hannah Heidenfelder schauen aus dem Fenster, aus dem beim Biergartenbetrieb serviert wird. Foto: Henrietta Hartl

    Für den Betrieb ist Adolfs Vorstandskollege Steffen Heidenfelder zuständig, er ist also quasi der neue Wirt der Sportgaststätte. Er hat auch die eintägige Gaststättenunterrichtung bei der IHK gemacht. Seine Familie unterstützt ihn intensiv, seine Frau und seine Mutter helfen oft mit, da man während der Öffnungszeiten von Küche bis Theke mindestens zwei bis drei Leute brauche, um den Betrieb in Schwung zu halten.

    Auch Tochter Hannah macht eifrig mit: Die Elfjährige ist eine begeisterte Bäckerin und hat schon viele Kuchen für die Sonntagnachmittage beigesteuert. Auch einige Vereinskollegen, Nachbarn und Bekannte aus dem Dorf hätten schon die Mitarbeit angeboten. "Anders geht das auch gar nicht", meint Heidenfelder, da alle das ehrenamtlich machten.

    Deko gespendet

    Auch beim Herrichten der Gaststätte hätten viele geholfen, Blumenkübel und andere Deko wurde gespendet, und die benachbarte Firma Bippus-Holzbau zimmerte eine passende mobile Biergartentheke. Die wird dann immer vor ein Fenster der Gaststätte geschoben, das als Ausgabestelle für den Biergartenbetrieb fungiert. Da sich die Ehrenamtlichen bei der Arbeit nicht kaputtmachen wollen und auch gerade am Wochenende manchmal andere Termine haben, sind die Öffnungszeiten eingeschränkt. Heidenfelder möchte vor allem freitags so oft wie möglich aufmachen, für das Feierabendbier zum Auftakt des Wochenendes.

    Die aktuellen Zeiten werden an der Gaststätte und in Neustadt ausgehängt und bei Facebook gepostet, auf der Seite "Du bist ein echter Näuschter, wenn ..." . Am kommenden Wochenende ist nur am Sonntagnachmittag, 8. September, geöffnet, weil am Samstag eine Premiere stattfindet – das Team richtet eine Hochzeit aus.

    Beim ersten Öffnungstermin Ende Juli "gab es einen richtigen Run", so Heidenfelder, 250 Liter Bier seien ganz schnell weg gewesen. Es seien auch zahlreiche Radtouristen gekommen, doch er betont, es gehe hauptsächlich um die Einheimischen. So öffne man auch mal für ein paar Kartenspieler am Sonntagvormittag, auch wenn sich das wirtschaftlich nicht rentiere. Man schaue nicht nur auf den Profit, obwohl die Einnahmen aus dem Betrieb schon helfen. Dass der FSV als kleiner Verein eine eigene Turnhalle habe, bedeute finanziell eine gewaltige Belastung. Das Geld, das man mit der Gastronomie verdiene, ermögliche Investitionen in Renovierungen.

    "Einfaches Essen"

    Die Gaststätte biete »einfaches Essen wie Steaks oder Currywurst zu vernünftigen Preisen«. Wichtig ist dem Verein, dass die Produkte von Familienbetrieben aus der Region kommen und nicht irgendwo vom Großhandel oder Discounter. Die Fleischwaren liefern Metzger aus Wombach und Marktheidenfeld, der Wein stammt aus der Marktheidenfelder Region, und die Spirituosen aus der Brennerei in Rodenbach. Das Bier kommt von der Martinsbräu, die mit Biergartenmobiliar und den riesigen Schirmen auch viel gesponsert habe.

    Heidenfelder hofft auf noch ein paar schöne Biergartentage in diesem Jahr. Danach wird der Betrieb in die Gaststätte hinein verlagert, neben dem normalen Betrieb winken auch Events wie "Oktoberfest" und Adventsbasar. Alles für das erklärte Ziel: "Dass man in Naüscht wieder gemütlich ein Bier trinken gehen kann!"

    Wirtshaussterben in Neustadt
    Früher gab es diverse Wirtschaften in Neustadt, wie den "Löwen", die "Post" oder die "Krone", doch eine nach der anderen machte zu. Vor über zehn Jahren schloss der "Wallekipper" am Triebweg. Im Sommer 2014 stellte, nach mehreren Pächterwechseln, der Gasthof Engel an der Hauptstraße relativ plötzlich seinen Betrieb ein. Der bis jetzt letzte Pächter der Sportgaststätte "Zur Kohlwiese" gab 2015 auf. Anfang 2018 machte der "Pfalzbrunnen" in der Siedlung zu, die letzte verbliebene Gaststätte mit regelmäßigen Öffnungszeiten in Neustadt. Der Biergarten "Zur Alten Fähre" auf der Erlacher Seite schloss im Herbst 2018 zum Saisonende nach zehn Jahren Betrieb endgültig die Pforten. Saisonweise an den Wochenenden betrieben werden noch das Maintalhof-Bauernhofcafé auf der Erlacher Seite sowie weit draußen vor Neustadt als Wandererziel das Forsthaus Aurora.

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