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    Lohr

    Falkner bringt Kindern die Raubvögel nahe

    Falkner Walter Reinhart demonstrierte mit seinem Gerfalken anschaulich die Lebensweise der Raubvögel. Foto: Frank Zagel

    Welches ist die häufigste Eulenart in Deutschland? Warum finden wir kaum mehr eine Schleiereule und wofür ist die Falkenhaube da? Viele Fragen beantwortete am Dienstagabend Walter Reinhart den etwa 50 Schülern einer sechsten Klasse aus Bayreuth auf der Wiese der Jugendherberge in Lohr.

    Die Schüler sitzen im Kreis, in dessen Mitte der ausgebildete Falkner auf seinem Schutzhandschuh das achtjährige Gerfalken- Weibchen platziert hat. Um Flugeigenschaften und Landeverhalten bildlich zu demonstrieren, startet der imposante Falke von Reinharts Hand, über die Köpfe der Kinder hinweg, Richtung Falknerin Dagmar Dohnalek. Die Kinder jauchzen. So nah haben die Schüler, die sich fünf Tage in der Jugendherberge aufhalten, einen Greifvogel noch nie erlebt.

    Auf der Ronneburg

    Genau das ist das Anliegen des 56-Jährigen, wenn er sich mit einigen seiner etwa 50 Greifvögel, die er seit 16 Jahren auf der Ronneburg in Hessen mit seinen Falkner-Kollegen betreut, zu Demonstrationen für Schulklassen aufmacht. Geduldig und verständlich erklärt Reinhart, der vor 40 Jahren seine Passion für Greifvögel zum Beruf machte, dass beispielsweise Feuerwerk das Schlimmste für alle Vögel sei.

    »Das Grundwissen über unsere heimische Fauna ist bei Kindern verloren gegangen«, sagt Reinhart. Ziemlich alle Kinder seiner Vorführungen sehen zum ersten Mal in ihrem Leben einen Greifvogel und erfahren dabei viel über diese interessanten Raubtiere.

    Informationen, dass eine Eule etwa 15 Mäuse pro Nacht für sich und den Nachwuchs sammeln müsse, dass die Lederhaube einem Falken perfekt angepasst werde und dass diese benötigt wird, damit er die Beute nicht sehen kann, wenn er nicht jagen soll, sind nicht nur für die begeisterten Schüler wissenswert. Die Frage, um welchen Vogel es sich beim deutschen Wappentier handelt – es ist der Europäische Seeadler – kann in der Runde niemand beantworten. Dafür gelingt es einem Jungen, eine Taubenart zu nennen. Zur Belohnung darf er den Steinkauz »Krümelchen« streicheln.

    Steinkauz trainiert

    Reinhart hat den Steinkauz selber gezüchtet und trainiert. Jedes Jahr setzen er und seine Kollegen mehrere Nachzuchten des gefährdeten Steinkauzes erfolgreich in die Wildnis aus. Die Einnahmen aus den Vorführungen werden in Brutkästen investiert.

    In Eichenfürst bei Marktheidenfeld betreibt er zudem mit seiner Frau Barbara und seinem Sohn Sven Reinhart, ebenso ausgebildeter Falkner, eine Aufzuchtstation für verletzte Greifvögel. Jedes Jahr würden dort etwa 200 Tiere wieder aufgepäppelt werden, erklärt Reinhart.

    »Der interaktive Unterricht kommt super an«, bestätigt Jürgen Goldbach, Leiter der Lohrer Jugendherberge, der mit seinem Baustein-Programm den Lehrern mehrere Möglichkeiten für Aktivitäten zur Buchung anbietet. Reinhart kennt Goldbach von früheren gemeinsamen Einsätzen. »Die Greifvögel passen perfekt zum Spessart und zum Lehrplan«, erklärt Goldbach, der im kommenden Jahr noch ein zusätzliches Modul, nur über Eulen, in seiner Unterkunft anbieten möchte.

    Bearbeitet von Frank Zagel

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