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    Lohr

    Fans von Eintracht Frankfurt: Hitlergruß, Hass und Drogen im Zug

    Fans von Eintracht Frankfurt haben sich in einem Regionalzug nach Frankfurt daneben benommen. Foto: Jan Woitas/dpa

    Einige Lohrer werden die Fahrt mit dem Regionalexpress 54 von Würzburg in Richtung Frankfurt am Samstagabend so schnell nicht vergessen. Denn der Zug war voll mit Fans des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, die nach der Niederlage beim FC Augsburg auf dem Rückweg waren. "Die Situation war extrem unangenehm", fasst Michael Mehling seine Eindrücke zusammen.

    Er stieg mit einer Gruppe von 15 bis 20 Lohrern, die eine Weinwanderung in Hammelburg gemacht hatte, in Gemünden zu. Viele der Fans seien offenbar unter Drogen gestanden, "sie hatten blanken Hass in den Augen, ohne dass es einen Grund dafür gab".

    Schon auf Hinweg aufgefallen

    Ihre Aggressionen ließen die Anhänger an den Waggons aus. Wie der Sprecher der Bundespolizei Peter Wolf auf Anfrage unseres Medienhauses sagte, habe es schon auf dem Hinweg Schmierereien und Sachbeschädigungen gegeben.

    Die Videoaufzeichnungen würden entsprechend ausgewertet, ob einzelne Personen identifizierbar sind, gegen die dann Anzeige erstattet wird. Selbiges gelte für den Vorfall im Würzburger Hauptbahnhof beim gut 15-minütigen Zwischenstopp.

    Diebstähle am Imbissstand

    Dort stürmten laut Augenzeugen einige Fans einen Imbissstand. Auf Anfrage wollte sich der Betreiber wegen des laufenden Verfahrens nicht dazu äußern. "Es fanden Diebstähle statt, aber keine Plünderung", gibt Wolf den Stand der Ordnungshüter wieder. Hier würden ebenfalls die Videoaufnahmen gesichtet. "Wir werden das Ganze strafrechtlich verfolgen, wenn einzelne Personen ermittelt werden können", sagt der Polizeisprecher. Zum Vorwurf des Drogenmissbrauchs gibt es nach seinen Angaben keine Hinweise.

    Zumindest gegen eine Person liegt dagegen eine Strafanzeige vor, die bei der Polizeiinspektion Lohr erstattet wurde. Wie der Lohrer Polizeichef Wolfgang Remelka bestätigte, geht es dabei um Volksverhetzung. Demnach soll ein Fan den Hitlergruß gezeigt haben. Der Fall sei allerdings abgegeben worden an die Bundespolizei.

    In Würzburg in den Zug eingestiegen ist auch die Lohrerin Jutta Exner mit ihrer Schwester. Sie setzten sich auf die einzigen noch freien Plätze in dem Abteil, mitten unter die Frankfurter Fans. "Deren Bemerkungen zeugten von hoher Aggressionsbereitschaft", sagt sie. Auf ihre Frage, warum sie sich so verhielten, habe einer geantwortet: "Eintrachtfans sind aggressiv."

    Was sie nach Angaben Exners auch gezeigt haben bei allen unbeteiligten Mitfahrern, die ein Handy in der Hand hielten. Weil sie offenbar Angst hatten, gefilmt zu werden, bedrängten sie demnach massiv einen jungen Mann, nahmen ihm kurzzeitig das Mobiltelefon weg und drückten darauf herum.

    Gemäßigte Fans schreiten ein

    Offenbar waren einige auch nicht gewillt, sich an das im Zug geltende Rauchverbot zu halten. Exner schildert, dass ihr Gegenüber ankündigte, sich eine Zigarette anzuzünden. Verbunden mit dem leicht diffusen Kommentar: "Hier kommt keiner und hilft dir." Weil noch Kinder im Zug waren, hätten aber einige Anhänger des Bundesligisten dafür gesorgt, dass das Rauchen unterlassen wird. Dagegen sei im Abteil ihr gegenüber ein schwunghafter Handel mit Schnaps getrieben worden.

    Angesichts des Durcheinanders – zwischendurch wurde auch noch kurz das Licht ausgeschaltet – hatten die beiden Schwestern Angst, überhaupt aus dem Zug zu kommen und begaben sich deshalb in Gemünden in das Zwischenabteil.

    Mit Schnaps bespritzt

    "Plötzlich flog die Tür auf und ich wurde nass", sagt die Sendelbacherin. Wie sich herausstellte, hatte sie ihr vorheriger Gesprächspartner mit Schnaps bespritzt. Um erneute Übergriffe zu vermeiden, habe sie sich genau vor die Türe gestellt, im Waggon hätten einige vernünftige Fans dem Randalierer den Weg zur Tür abgeschnitten.

    Die Situation sei derartig angespannt gewesen, dass die Schaffnerin androhte, mit dem Zug nicht weiterzufahren. Darum hätte sie mit ihrer Schwester nach dem Aussteigen in Lohr auch schnell den Bahnsteig verlassen, wo der RE54 dann doch weiterfuhr nach Frankfurt. Angst habe sie zwar keine gehabt, unterstreicht Exner. "Aber es kann doch nicht sein, dass man sich als normaler Bahnreisender in so einem Zug hinter einer Tür verbarrikadieren muss", fügt sie an. Ein langjähriger Fan der Eintracht aus Lohr war so entsetzt über das Verhalten der Anhänger, dass er erwog, seinen Mitgliedsausweis zurückzugeben. Jetzt will er den Fanbeauftragten einen Brief schreiben.

    Polizei: Typische Fan-Taten

    So negativ beeindruckt die Mitreisenden aus Lohr auch waren von der Zugfahrt mit den Eintrachtfans – für die Bundespolizei ist das nichts Außergewöhnliches an Spieltagen. "Das sind typische Sachbeschädigungen bei Fußballfans", kommentiert Pressesprecher Peter Wolf.

    Die Pressestelle von Eintracht Frankfurt hat bislang auf unsere Anfrage zu den Vorkommnissen im RE54 nicht reagiert.

    Ralph Bauer

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