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    Lohr

    "Feuerwerk gehört zu Silvester dazu"

    Familie Heinl verzichtet auch auf Rücksichtnahme auf Labrador- Hündin Emma auf Silvesterfeuerwerk. Foto: Frank Zagel

    Immer mehr Kommunen verbieten das Abbrennen von Feuerwerk in ihren Innenstädten. Ganz aktuell und erstmalig wurde am Münchner Marienplatz und am Stachus ein Böller-Verbot erlassen. In der Lohrer Altstadt ist Feuerwerk schon seit einigen Jahren tabu, in erster Linie aus sicherheitstechnischen Gründen. Zum Schutz der Altstädte hat der Bundesgesetzgeber bereits 2009 die Sprengstoffverordnung verschärft. Das Entzünden pyrotechnischer Gegenstände ist in der Nähe von Fachwerkhäusern verboten. Zudem führen die Themen Umwelt- und Tierschutz zu einem Umdenken in der Bevölkerung.

    Vereinzelt nehmen Einzelhändler Feuerwerkskörper bereits komplett aus dem Handel. Die beiden Hagebaumärkte in Frammersbach und Gemünden haben in diesem Jahr zum ersten Mal keine Raketen und Böller mehr im Sortiment. "Aus Tierschutzgründen", erläutert eine Angestellte der Frammersbacher Filiale auf telefonische Nachfrage.

    Unsere Umfrage in der Bevölkerung offenbart einen Wandel in der Haltung zum Silvesterfeuerwerk. Demnach ist die Tendenz zum Böllern selbst bei Jugendlichen generell rückläufig. Neben Tier- und Umweltschutzgründen steht dabei auch der Kostenfaktor im Mittelpunkt.

    Nicht einmal in ihrer Kindheit konnte sich Melanie Heinl für ein eigenes Feuerwerk begeistern. "Die Nachbarn haben genug geschossen", so die 42-Jährige, "da hat mir das Zuschauen gereicht." Auch ihre beiden Kinder Antonia und Emilia haben kein Interesse am Böllern. Lieber spendet die Familie das Geld, als dass sie es anzündet, sagt Mutter Heinl.

    Familienhund in Angst

    Zudem ängstige sich in der Silvesternacht Labradorweibchen Emma, sowie das Pferd und die vier Hasen der Familie. Anstatt der vielen einzelnen Raketen würde sich Heinl ein zentrales Feuerwerk der Stadt wünschen, denn "ein Feuerwerk gehört zu Silvester dazu." Dass bereits einige Tage vor der Neujahrsnacht geböllert wird, findet Heinl nicht gut. Zudem sei der Mainkessel nach kurzer Zeit "total vernebelt."

    Auch Julian Hauptmann, Vater von zwei Kindern, hat in den vergangenen Jahren keine Raketen und Böller mehr besorgt. "Ich rede mit den Kindern und erkläre, dass das auch rausgeschmissenes Geld ist", sagt der 33-Jährige. Als Kind habe er schon gerne Kracher angezündet, verbieten würde er das seinen beiden Mädchen auch nicht: "Die sind zum Glück vernünftig."

    Probleme mit dem Müll

    Ein professionelles Feuerwerk zu besonderen Anlässen findet auch Hauptmann schön. Der enorme Müll nach Silvester missfällt dem Medizinstudenten. "Da sollten wir alle mal hinterfragen, wer das wieder aufräumen muss - gerade wenn es regnet."

    Davon, dass "Jungs auf Böller stehen", sind Vater Otmar Höfling und Sohn Jan gleichermaßen überzeugt. Foto: Frank Zagel

    Otmar Höfling hat mit seinem elfjährigen Sohn Jan ein kleines Sortiment gekauft. "Nur ein bisschen, Jungs stehen da drauf", so der 55-Jährige. Etwa 30 Euro hat er ausgegeben. Das Böllern gehört für Höfling zur Begrüßung des neuen Jahres dazu. Verbote in den Innenstädten findet der Krankenpfleger gut, generelle Auflagen zum Abbrennen von Feuerwerk lehnt er ab: "Es ist schon genug reguliert, das sollte jedem selber überlassen werden, ob er Feuerwerk kauft oder nicht." Er habe schon immer geböllert, allerdings in den vergangenen Jahren immer weniger Geld dafür ausgegeben.

    Auch für den 13-jährigen Lukas Kriegbaum gehören Böller zu Silvester dazu. Seine Mutter Kerstin hat nichts gegen ein paar Raketen und Knallkörper. Nach dem Einkauf in Höhe von etwa 20 Euro besinnt sich die Mutter auf ihre Kindheit, in der sie auch kleinere Kracher gezündet hat.

    Verständnis für Verbot

    Jedes Jahr kauft Lennart Mattis ein paar Böller. Etwa 30 Euro gibt der 15-Jährige dafür aus, wobei ihn die Mutter begleitet. "Das ist auch Tradition und macht Spaß", sagt der Schüler über das Böllern. Das Verbot in den Innenstädten findet er sinnvoll. Vor allem aus Sicherheitsgründen gegenüber Kleinkindern, sagt Mattis.

    "Feuerwerk macht Spaß und ist auch Tradition", sagt Schüler Lennart?Mattis. Foto: Frank Zagel

    "Ich liebe das Farbenspiel beim Feuerwerk", sagt Birgit Erdmann, "Böllern für sich aber nicht." Die 67-Jährige findet das Feuerwerksverbot in der Altstadt gut. Ihr Lebensgefährte Sigfrid Kießlinger wirft ein, dass Feuerwerk zur Silvestertradition zähle. "Mir würde das schon fehlen, wenn niemand mehr böllern würde", so der 64-Jährige. Selber kauft das Paar keine Raketen – auch nicht für die Enkelkinder. "Als Kind hatten wir Knallerbsen", erinnert sich Kießlinger. "Und Chinaböller haben wir damals auch mal in den Briefkasten gesteckt", schmunzelt er.

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