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    Lohr

    Fischergasse: Lügenvorwurf und Empörung im Rat

    Um die Planung der Sanierung der Fischergasse gab es in der Sitzung des Lohrer Stadtrates einen heftigen Streit. Foto: Jana Bieberstein

    Flugblätter, Lügenvorwurf und ein Bürgermeister in Rage – der Disput um die Generalsanierung der Lohrer Fischergasse hat am Mittwochabend eine vehemente Fortsetzung im Lohrer Stadtrat erfahren. Nach etlichem Gezeter zeichnete sich schließlich doch ein Weg ab, der die Wogen glätten und zu einer einvernehmlichen Lösung bei der Gestaltung von Pflaster und Rollatorweg führen könnte.

    Konkret kündigte Bürgermeister Mario Paul an, dass es am 16. Oktober einen Ortstermin geben wird. Zu dem hatte der Rathauschef die Anwohner noch kurz vor Sitzungsbeginn per eilig im Fischerviertel verteilten Flugblättern einladen lassen. Er wolle eine Lösung erarbeiten, die möglichst alle Interessen berücksichtige, formulierte Paul darin.

    Die Vorgeschichte: Der Stadtrat hatte am Montag wegen des Protestes der Anwohner die ursprüngliche Planung zur Fischergassen-Sanierung geändert. Die Anwohner wollen möglichst viel historisches Sandsteinpflaster erhalten. Deswegen wird es nun nicht komplett durch einheitliches Betonpflaster ersetzt.

    3,5 Meter breiter Komfortweg

    Stattdessen wählten die Stadträte mit großer Mehrheit aus drei zur Wahl stehenden Varianten die aus, die einen 3,5 Meter breiten, mit Betonsteinen gepflasterten »Komfortweg« in der Mitte der Gasse vorsieht. Links und rechts davon soll wieder das alte Pflaster eingebaut werden. Auch in der abzweigenden Steinmühlgasse und über den Steinmühlplatz ist ein 1,2 Meter breiter Komfortweg geplant.

    Die Räte hatten ihre Entscheidung in der Annahme getroffen, dass die Planung mit den Anwohnern besprochen und von diesen abgesegnet sei. Diesen Eindruck hatte die Verwaltung in der Sitzung tatsächlich erweckt. Bürgermeister Paul sprach dabei davon, dass die Planung mit dem Sprecher der Bürgerinitiative abgestimmt sei. Der zuständige Sachbearbeiter erklärte, dass die Anwohner erfreut über die Umplanung und mit allen Varianten einverstanden seien.

    Am Tag nach der Sitzung stellte sich jedoch heraus, dass die Verwaltung ihre Umplanung nur mit einem einzigen Anwohner besprochen hatte: Christoph Zschocke. Er galt der Stadt als Sprecher der Bürgerinitiative (BI) der Anwohner.

    Zschocke freilich zeigte sich sehr verwundert über die Darstellung der Verwaltung. Er habe bei dem Gespräch mehrfach betont, dass er nur seine persönliche Meinung schildern und nicht für alle Anwohner sprechen könne. Auch habe er keineswegs allen Varianten zugestimmt, sondern gesagt, dass er einen 3,5 Meter breiten Rollatorweg für viel zu üppig halte. Er habe die beiden Verwaltungsmitarbeiter daher zu einer Umplanung aufgefordert, so Zschocke gegenüber der Redaktion.

    Die Stadtverwaltung rückte angesichts dieser Aussage – jedoch erst auf zweifache Nachfrage der Redaktion – am Dienstag von ihrer ursprünglichen Darstellung ab. Es habe bei dem Gespräch mit Zschocke womöglich ein Missverständnis gegeben.

    Man sei davon ausgegangen, dass Zschocke die Varianten mit den übrigen Anwohnern besprechen und positiv vertreten werde. Zschocke jedoch erklärte gegenüber der Redaktion, dass davon nicht die Rede gewesen sei. Die Verwaltung habe ihm keinerlei Planunterlagen überlassen, die er mit anderen Anwohner hätte besprechen können.

    Nur mit Sprecher gesprochen

    In der neuerlichen Stadtratssitzung am Mittwoch sorgte der Vorgang für mächtig Ärger. Paul erklärte dort zu Beginn, dass die Verwaltung nicht gesagt habe, die Varianten mit den Anwohnern besprochen zu haben, wohl aber mit dem Sprecher der BI. Dem widersprachen Eric Schürr (Bürgerverein), Ernst Herr und Matthias Schneider (beide CSU) deutlich. Die Verwaltung habe sehr wohl den Eindruck erweckt, dass die Planung mit den Anwohnern abgestimmt sei. Dieser Eindruck sei trotz Nachfrage auch nicht korrigiert worden.

    Schneider: Falsche Fakten

    Der Stadtrat habe aufgrund »falscher Fakten« eine Variante gegen den Willen der Anwohner beschlossen, schimpfte Schneider. Er schob hinterher: »Wir sind angelogen worden«. Dieser Satz brachte Bürgermeister Paul in Rage. Er wies Schneiders Lügenvorwurf »mit großer Vehemenz« zurück. Paul sprach von strittigen Formulierungen und einem Missverständnis im Gespräch mit Zschocke. Es sei ein bedauerlicher »menschlicher Fehler« passiert, jedoch habe sicher niemand die Absicht gehabt, die Stadträte anzulügen, empörte sich Paul.

    Die Kuh vom Eis bringen soll nun der Ortstermin am kommenden Mittwoch. Dabei soll laut Paul besprochen werden, ob der Rollatorweg nicht doch noch schmäler werden kann. Er ist nur deshalb so üppig dimensioniert, weil die Planer Angst haben, dass beim Ausbau viele der alten Pflastersteine zu Bruch gehen und nicht wiederverwendet werden können.

    Die Stadt werde sich nun »intensiv darum bemühen«, irgendwo passendes altes Sandsteinpflaster zuzukaufen, sagte Paul. Wenn dies und die Einigung mit den Anwohnern gelingt, müsste der Stadtrat freilich seinen Beschluss vom Montag nochmals korrigieren.

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