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    HÄDEFELD

    Fischers Fritz: Stell Dir vor . . .

    Oh herrliche Frühlingszeit
    _

    Fischers Fritz

    So, Ihr lieben Leut!

    Kennt Ihr noch die Sponti-Sprüche? Die waren hochaktuell in den 1970ern. Meist waren es unsinnige wie „Weg mit den Alpen – freier Blick aufs Mittelmeer“. Es gab aber auch andere. „Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Da lohnt sich, drüber nachzudenken.

    Warum ich das erzähl'? Weil's mir am Freitag so erging. Sie war da, aber ich hab's nicht bemerkt. Sie, damit mein' ich natürlich die Sofi, die Sonnenfinsternis. Draußen im Rödertal war ich, im Dreiländer-Eck, da wo die Grenzen von Karbach, Roden und Zimmern aufeinanderstoßen.

    Oben an der Holzmühle ist putzmunter der Zaunkönig rumgeflattert. Bachstelze und Rotschwänzchen haben sich ebenso wenig anmerken lassen wie die Enten am Karbach. Von wegen: „Sie flogen zur Mitte ihres Teiches und sammelten sich dort“, wie Tierfreunde im Jahr 1999 beobachtet haben wollen . . . Keinen einzigen Hund hab ich gesehen, der sich verkrochen hat. Die Autos sind gefahren wie immer. Kurz: Alles war so wie immer. Warum auch nicht?

    Finster, richtig finster geworden ist es ja nur auf den Färöer-Inseln oder auf Spitzbergen. Aber wir in Hädefeld, wir hatten ja nur eine partielle, die dort aber eine totale Sofi. Hand aufs Herz: Ich hab nicht bemerkt, dass es dunkler geworden ist. Und die Stromproduzenten, die sich angeblich monatelang auf starke Spannungsschwankungen vorbereitet haben – von wegen der Solarenergie – die scheinen ihre Hausaufgaben gemacht zu haben. Jedenfalls kam mir nicht zu Ohren, dass irgendwo in der Stadt das Licht geflackert hat oder gar die Produktion still stand.

    Ja: Gäbe es da nicht die Astronomen und nicht die Medien, die uns seit Tagen auf Sofi vorbereitet haben, ich hätte nichts, aber rein gar nichts davon bemerkt. Aber das ist ja mit vielem so: Die Kriege in der Ukraine und in Syrien nehmen wir auch nur dank der Medien wahr.

    Ich nehm' mich da gar nicht aus: So richtig betroffen sind wir doch erst, wenn die Flüchtlinge vor der Tür stehen, und zwar vor unserer eigenen. Die Zimmerner wissen, wovon ich spreche. Denen zoll ich meinen Respekt: Sie machen was aus dieser Situation. Wie die Esselbacher und viele andere übrigens auch.

    Vielerorts klopfen sie an, die Flüchtlinge. Doch in Hädefeld stehen ihnen bislang nur wenige Türen offen. Neben denen in Zimmern nur noch eine in Altfeld. Das Landratsamt sucht nach wie vor händeringend nach weiteren Quartieren.

    Das macht mich nachdenklich, stimmt mich traurig. Eine Stadt, die maßgeblich mitgeprägt ist von den Nachkommen Heimatvertriebener aus der Düsseldorfer Siedlung, eine gar nicht so arme Stadt hat keinen Platz? Gibt's denn wirklich so wenig Möglichkeiten? Stell Dir vor, die Flüchtlinge sind da und keiner macht auf. Lieber nicht. Euer nachdenklicher Fischers Fritz

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