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    Wolfsmünster

    Fledermauskot lag in Kirchturm einen halben Meter hoch: Gartenbesitzer können zugreifen

    In luftiger Höhe wurde ein halber Kubikmeter Fledermausguano entfernt. Foto: Oliver Kaiser

    Der Kirchturm der Pfarrkirche St. Wolfgang in Wolfsmünster ist Heimat einer Fledermauskolonie von Großen Mausohren (Myotis myotis). Das Große Mausohr ist mit etwa 40 Zentimeter Flügelspannweite die größten heimische Fledermausart, heißt es in einer Pressemitteilung des Bund Naturschutz. Die Tiere bevorzugen für die Jungenaufzucht geräumige, ungestörte Dachböden und fühlen sich daher auch im steilen, mit Schieferplatten gedeckten Kirchturm von Wolfsmünster wohl.

    Mehrere Hundert Mausohren verbringen hier während der wärmeren Jahreszeiten den Tag und bringen im Turm auch ihre Jungen zur Welt. Die Tiere hängen hierbei frei an der Decke und den Balken. In der Dämmerung und Nacht verlassen die Mausohren ihr Versteck und gehen im Tal der Fränkischen Saale auf die Jagd. Das Große Mausohr ernährt sich wie alle heimischen Fledermausarten von Insekten, Spinnen und anderen Gliedertieren. Seine Beute jagt es nicht nur in der Luft, sondern auch auf dem Waldboden, wobei es sich von Geräuschen und vom Geruch, beispielsweise der Laufkäfer, leiten lässt.

    Zurück bleibt im Sommerquartier der Fledermauskot

    Im Herbst verlassen die Mausohren den Kirchturm und suchen frostfreie Winterquartiere auf, unter anderem Höhlen, Stollen oder Keller. Die unterfränkischen Mausohren fliegen zum Überwintern überwiegend in die Höhlen der Fränkischen Schweiz. Zurück bleiben größere Mengen Fledermauskot, die sich über die Jahre in den Sommerquartieren ansammeln und immer wieder entfernt werden müssen.

    Ehrenamtliche der Gemündener Ortsgruppe des Bund Naturschutz haben das Sommerquartier der Großen Mausohren im Kirchturm Wolfsmünster gesäubert. Foto: Oliver Kaiser

    Die Ortsgruppe Gemünden des Bund Naturschutz hat sich den Hinterlassenschaften der Mausohren in Wolfsmünster bei einem Reinigungseinsatz angenommen. Sechs Ehrenamtliche der Ortsgruppe säuberten die vier oberen Stockwerke des Turms und entfernten etwa einen halben Kubikmeter Fledermausguano. Die Arbeiten gestalteten sich extrem schwierig, da die oberen Stockwerke des Turms nur über enge Leitern zugänglich sind.

    Kot gesundheitlich unbedenklich

    Der krümelige, überwiegend aus unverdaulichen Resten von Insekten bestehende Kot der Tiere ist gesundheitlich unbedenklich, lag aber stellenweise einen halben Meter hoch auf den unebenen Bretterböden. Er wurde in mühevoller Arbeit zusammengekehrt, in große Plastiksäcke geschaufelt und dann über mehrere Stationen bis zum Erdboden abgeseilt. Hierzu wurde extra ein Flaschenzug an einem Turmfenster installiert, damit die Säcke außen am Kirchturm herabgelassen werden konnten und nicht über die enge Turmtreppe und durch das Kirchenschiff getragen werden mussten.

    Die Ehrenamtlichen des Bund Naturschutz trugen zu ihrem Schutz neben Handschuhen Ganzkörperoveralls, Staubmasken und Schutzbrillen, was die Bewegungsfreiheit in den engen Dachstuhl zusätzlich einschränkte. Zudem lagen in den vier zu reinigenden Turmkammern noch lose Bretter und Dachschindeln aus Schiefer, die ebenfalls gereinigt und umgeschichtet werden mussten. Nach mehr als sechs Stunden Arbeit in luftiger Höhe waren alle Helfer froh, als sie müde und schmutzig, aber unversehrt wieder den Boden erreichten. Knapp 30 Säcke mit Fledermausguano lagen inzwischen vor der Kirche. Er wird an interessierte Gartenbesitzer als stickstoffhaltiger Naturdünger abgegeben, zum Beispiel für Rosen, Tomaten, Zucchini und Kürbisse.

    Hartmut Haas-Hyronimus, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe, und seine Helfer sind mit dem Ergebnis des Arbeitseinsatzes sehr zufrieden. Bevor die Fledermäuse im Frühjahr aus ihrem Winterquartier zurück in den Kirchturm kommen, sollen die gereinigten Böden noch mit Spezialfolie abdeckt werden, um die zukünftige Reinigung des Fledermausquartiers zu vereinfachen.

    Bearbeitet von Michaela Moldenhauer

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