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    Lohr

    Förster müssen Vermittler sein

    65 Forstanwärterinnen und -anwärter, die sich nach bestandenen Prüfungen nun Forstingenieure nennen dürfen, hat die Forstschule Lohr verabschiedet.
    65 Forstanwärterinnen und -anwärter, die sich nach bestandenen Prüfungen nun Forstingenieure nennen dürfen, hat die Forstschule Lohr verabschiedet. Foto: Thomas Josef Möhler

    65 Forstanwärterinnen und -anwärter, die sich nach bestandenem Lehrgang nun staatlich geprüfte Forstingenieure nennen dürfen, hat die Forstschule Lohr am Donnerstag verabschiedet. Im Mittelpunkt der Feier standen die neue Rolle der Förster als Vermittler zwischen den Interessen des Waldes und den gewachsenen Ansprüchen der Gesellschaft. Ebenso ging es um die Botschaft, dass die Forstwirtschaft Zukunft hat – auch in Zeiten der Erderwärmung.

    Die Forstverwaltung des Freistaats und das Unternehmen Bayerische Staatsforsten bilden ihr Führungspersonal gemeinsam aus. Die Lehrgänge laufen zentral für Bayern an der Forstschule Lohr, die praktische Ausbildung findet vor Ort in den Revieren und Betrieben statt, insgesamt 17 Monate lang. Ein typischer Beruf für einen erfolgreichen Absolventen ist der Revierleiter, den er aber nicht nur beim Staat, sondern auch im Kommunal- oder Privatwald ausüben kann.

    Trotz aktueller Hiobsbotschaften wie Erderwärmung, Trockenjahre und Borkenkäferbefall seien die "Perspektiven der Forstwirtschaft langfristig günstig", betonte Friedrich Nebl, Referatsleiter im Münchner Forstministerium. Der Rohstoff Holz bleibe gefragt, da er viele Vorteile habe, unter anderem als nachwachsender und CO2-neutraler Energieträger.

    Bau- und Werkstoff Holz

    Zudem finde Holz immer mehr als Bau- und Werkstoff Verwendung. Laut Nebl sind rund 20 Prozent der neu gebauten Einfamilienhäuser Holzbauten. In diesem Bereich sei noch "sehr viel Luft nach oben". Ferner helfe der Wald intensiv mit, den Klimawandel zu bremsen, weil nicht nur die Bäume, sondern auch die Böden CO2 speicherten.

    Die zentrale Aufgabe sei der Waldumbau, "denn nur gesunde Wälder können diese Aufgaben erfüllen". Dafür brauche der Staat Personal. Nach Nebls Angaben gingen die Einstellungszahlen der staatlichen Forstverwaltung in den letzten drei Jahren deutlich nach oben. In diesem Jahr würden 34 Stellen besetzt.

    Botschafter des Waldes

    Wer nicht beim Staat unterkommt, hat gute Chancen beim Unternehmen Bayerische Staatsforsten (BaySF). Das machte dessen Personalleiterin Petra Bauer deutlich. Die Hälfte der BaySF-Revierleiter sei 55 Jahre oder älter, in den nächsten Jahren werde es eine Pensionierungswelle geben. Nur mit neuem Personal sei die Mammutaufgabe zu stemmen, die Wälder klimagerecht umzubauen.

    Der stellvertretende Forstschulleiter Christof Welzenbach gab den erfolgreichen Absolventen mit auf den Weg, Forstleute müssten der "Öffentlichkeit mehr denn je erklären, was wir im Wald eigentlich machen". Die Ansprüche an den Wald würden immer vielfältiger. Die Absolventen sollten "Botschafter des Waldes und der nachhaltigen Waldnutzung sein".

    In der Gesellschaft gebe es viele Veränderungen, sagte Lehrgangsleiter Karlheinz Stürmer. Die Förster würden mit einer zunehmenden Spaltung und Halbwahrheiten konfrontiert. Er rechne fest mit den neuen Förstern: "Ihr sollt das Bindeglied, die Klammer sein, um das Auseinanderdriften und die Konflikte einzudämmen."

    Den Förster, der "mit Dackel frühs in den Wald geht und abends aus dem Dickicht kommt", gebe es nicht mehr, betonten die Lehrgangssprecher Alexander Mair und Johanna Zintl. Die Aufklärung der Gesellschaft werde immer wichtiger, "Förster tragen eine große Verantwortung".

    Wieder Mangelberuf

    "Ihr werdet gebraucht", versicherte Klaus Wagner den Absolventen. Er ist der stellvertretende Vorsitzende des Hauptpersonalrats der bayerischen Forstverwaltung.

    Der Waldumbau brauche nicht nur Geld, sondern auch Förster. Der Förster sei "wieder zu einem Mangelberuf geworden".

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    Bearbeitet von Thomas Josef Möhler

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