• aktualisiert:

    Bischbrunn

    Fränkischer Abend in Bischbrunn begeistert über vier Stunden

    Der Singkreis und die Feierowedmusikannten sangen und spielten in Bischbrunn gemeinsam das von Engelbert Störmer gestiftete Lied "O Spessart, meine Heimat". Foto: Richard Krebs

    Die Freunde des fränkischen Brauchtums, des Spessart-fränkischen Dialekts und der Musik kamen auch beim 22. "Fränkischen Abend" des Vereinsrings Bischbrunn wieder voll auf ihre Kosten. In der erneut ausverkauften und herbstlich dekorierten Turnhalle reihte sich in dem weit über vierstündigen Programm Höhepunkt an Höhepunkt. Die vielen bekannten einheimischen "Stars" wurden von dem Organisationsteam um Anton Roth wieder durch namhafte Akteure aus der Region ergänzt.

    Der von der "Fränkischen Weinprobe" aus dem bayerischen Fernsehen bekannte Margetshöchheimer Altbürgermeister Günter Stock trat zweimal in seiner Paraderolle "Häcker Karl und sei Kunnerle" auf. Die "Hoibüche Musig" (Leitung Luise Voll) aus Gefäll/Rhön vom Fuße des Kreuzbergs klärte die Dialektunterschiede zwischen Rhön und Spessart bei der namengebenden "Hainbuche" auf. Gekonnt und mit viel Humor führte die "Sternwirts Renate" (Rockenmaier), die extra wieder aus dem schwäbischen Illertissen in ihren Heimatort gereist war, durch das Programm. Sie glänzte dabei nicht nur mit ihrem knallroten Dirndl, sondern auch mit viel Witz und Schlagfertigkeit. Schon in der Pause waren sich alle Besucher, die aus der ganzen Region angereist waren, einig: Wir kommen auch im nächsten Jahr wieder.

    Gedichte und Lieder auf die Heimat

    Lautstark eröffneten die "Parforcehorn-Bläser Spessart" unter der Leitung von Olaf Patuschka das Programm, bevor der bekannte Bischbrunner Natur- und Landschaftsführer Norbert Köhler mit einem selbstverfassten Gedicht ein Loblied auf seine Heimat, den Spessart, zum Besten gab. Renate Rockenmaier erläuterte dabei die historischen Hintergründe des seltenen Blasinstruments, das früher bei adligen Treibjagden zum Einsatz kam.

    Matthias Herbert und Ursula Ries erläuterten Moderatorin Renate Rockkenmaer alte und neue Kommunikationstechnik Foto: Richard Krebs

    Aktuell war Sylvia Bauer mit ihrem kritischen Blick auf die "Fridays for Future"-Bewegung. Anhand von Beispielen, wie sie in der eigenen Jugend in einer kleinen Landwirtschaft aufgewachsen ist, verdeutlichte sie, dass man damals ohne Handy, Laptop und SUV nachhaltig gelebt hat. Sie lud "Greta und ihre Jünger" ein, mit ihr Landwirtschaft per Hand ohne Maschinen und Spritzmittel – wie früher - zu betreiben. Beispielhaft nannte sie den Anbau von Kartoffeln vom Stopfen (Säen), über das mehrmalige Unkrauthacken bis zur Ernte in meist matschigen Ackerböden. Aber eben ohne künstliche Dünger oder Spritzmittel, so wie sie es aus eigener Kindheit kannte.

    Der Singkreis Bischbrunn (Leitung Andreas Holzmeier) sang vier bekannte und beliebte Heimatlieder (unter anderem "Alles, bloß kein Wein" und "Wie spät ist’s auf der Wirtshausuhr". Er wurde dabei von Armin Englert am Keyboard unterstützt.

    In einem Sketch befassten sich Ursula Ries und Matthias Herbert mit der technischen Weiterentwicklung der Olympia"-Schreibmaschine. Während Matthias ungläubig Fragen stellte: "Ist da Word drauf?" "Wo ist der Monitor oder Akku?" "Kann man die auch hochfahren und updaten?" verwies Ursula darauf, dass ihre 40 Jahre alte Schreibmaschine in der Zeit nur dreimal defekt war, noch ein Farbband hat und eigentlich nur "das F hängt".

    Große Sprachunterschiede nach kurzer Distanz

    Hans Müller, der aus Trennfeld stammt, und seine Bischbrunner Ehefrau Maria arbeiteten die Dialekt-Unterschiede auf, die zwischen seinem Geburtsort und der Spessartgemeinde bestehen. Ihr Credo "Wir können alles, außer Hochdeutsch" und machte deutlich, dass sie sich auch nach über 40-jähriger Ehe gut verstehen. "Unsere Kinder sind zweisprachig aufgewachsen" und selbst benötigten sie mehrere Wochen für ihren gelungenen Vortrag.

    Engelbert Störmer aus Breitenbrunn, der im vergangenen Jahr erstmals beim "Fränkischen Abend" zu Gast war, hat es damals so gut gefallen, dass er spontan ein eigenes Loblied auf den Spessart verfasste und es Anton Roth und dem Vereinsring vermachte. Gemeinsam und vielstimmig sangen und spielten der Singkreis und die "Feierowed-Musikanten" sein Lied "O Spessart, meine Heimat".

    "Häcker Karl und sein Kunnerle", alias Günter Stock, zog bei zwei Auftritten alle Register seines Könnens. Der Star des Abends verriet dabei, "dass für den guten Wein der Winzer/Häcker zuständig ist". Schmeckt er dagegen nicht so gut, "so hat ihn der Herr so wachsen lassen". Als es um die Weinauswahl für ihre Goldene Hochzeit ging, stellte er seinem "Kunnerle" die Frage: "Willst Du feiern oder vergessen?"

    Über ihre Reiseplanungen diskutierten Ursula Ries, Christa Roth und Sylvia Bauer. Ziel sollte die Schweiz sein. Aber der Reisetermin kollidierte mit dem sonntäglichen Gottesdienst. Ein Problem war auch, dass Franken dort Franken umtauschen müssen Foto: Richard Krebs

    Nach der Pause eröffneten wieder die Parforcehorn-Bläser das Programm. In einem Zwiegespräch beleuchteten Helmut Hofmann und Dominik Bauer das Patienten-/Arztverhältnis. Sie stellten fest, dass heutzutage die Ärzte mehr lamentieren als ihre Patienten. Aber ein guter Doktor werde mit allem fertig, auch wenn seine Tabletten "Blähungen wie eine Biogasanlage" produzieren. Mit dem Lied "In unserm Dorf, da steht ein Wirtshaus" besang die "Hoibüche Musig" einen Zustand, der längst nicht mehr überall vorhanden ist und fragten in einem weiteren Beitrag "Was geht das uns an, das geht uns gar nichts an?" und stellten fest, "wir singen nur ein Lied davon".

    Obacht: In der Schweiz werden Franken umgetauscht

    Von den Schwierigkeiten, drei Frauen bei ihren Reiseplanungen unter einen Hut zu bringen, informierten Sylvia Bauer, Ursula Ries und Christa Roth. Endete das im Vorjahr mit einem Ausflug zur Karlshöhe als dort Ruhetag war, sollte es dieses Mal nach einer Beratung im "Bischbrunner Reisebüro für jung Gebliebene" in die Schweiz gehen. Während unbedingt Rücksicht auf den sonntäglichen Gottesdienst genommen werden musste, hatte Christa große Bedenken ins Ausland zu fahren. Als sie hörte, dass man für einen Besuch in der Schweiz auch Franken umtauschen müsse, entfuhr es ihr "Wir sind doch Franken!"

    Nach einem weiteren Auftritt der "Feierowedmusikanten" leitete die "Sternwirts Renate" zum Finale über. Traditionsgemäß endete der Abend mit dem Spessartlied "Weißt Du wo die Eichen trotzig ragen?" Vorher nutzte Bürgermeisterin Agnes Engelhardt die Gelegenheit, allen Akteuren auf und hinter den Kulissen für ein großartiges und abwechslungsreiches Programm der Spitzenklasse zu danken, eine tolle Gemeinschaftsleistung des Bischbrunner Vereinsrings. Für das wieder überaus gelungene Programm zeichneten Anton Roth und sein Team verantwortlich.

    Der aus dem Fernsehen von der "Fränkischen Weinprobe" bekannte Margetshöchheimer Altbürgermeister Günter Stock glänzte als "Häcker Karl" mit seinen informationen aus dem Weinbau Foto: Richard Krebs

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!