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    Frammersbach

    Frammersbach: Mittelschüler sollen Chance bekommen

    Die Schule in Frammersbach (Altbau rechts, Neubau links, links oben Heuberghalle) mit dem (ehemaligen) Kindergartengebäude rechts daneben. Dort befindet sich das Jugendzentrum. Foto: Steffen Anderlohr

    Wenn Jugendliche der Mittelschule Frammersbach ein Problem haben, gibt es jemanden, der ihnen zuhört, sie berät und eine Lösung sucht: Carolin Weigand. Die 39-jährige Frammersbacherin ist Erzieherin und Sozialpädagogin. Sie ist zwar Mitarbeiterin der Caritas, hat ihren Einsatzort aber an der Frammersbacher Schule.

    Im Ausschuss für Familie, Sport und Kultur des Gemeinderates Frammersbach hat Carolin Weigand über ihre Tätigkeit und die Probleme, mit denen die Mädchen und Jungen zu ihr kommen, berichtet. Ansprechpartnerin ist sie auch für deren soziales Umfeld, für Eltern und Lehrkräfte. Die Stelle gibt es seit März 2018, Weigand hat sie vor eine Jahr übernommen.

    Freiwillig und kostenlos

    Jugendsozialarbeit an Schulen verstehe sich als Schnittstelle zwischen Schule, Schülern, Elternhaus und verschiedenen Institutionen – von weiteren Beratungsstellen bis hin zur Kinder- und Jugendpsychiatrie. Weigand macht nach eigenen Angaben Hausbesuche, gibt Hilfestellung bei Erziehungsproblemen, vermittelt spezifische Unterstützung und Erziehungsbeistandschaft.

    Carolin Weigand. Foto: Monika Büdel

    Im Schnitt betreue sie pro Tag drei Jugendliche der Mittelschule. In einer Woche kämen durchschnittlich sieben Lehrkräfte , drei Eltern und ebensoviele weitere Menschen. Dafür stehen ihr die 19,5 Stunden ihrer Teilzeitstelle zur Verfügung. Ihren Vorteil gegenüber anderen Beratungsstellen sieht sie in der Niedrigschwelligkeit ihres Angebots, ihr Vor-Ort-sein. Außerdem gelte für sie, außer bei Kindeswohlgefährdung, Schweigepflicht. Ihr Angebot sei freiwillig und kostenlos.

    Carolin Weigand nannte einige Beispiele dafür, womit Jugendliche kämpfen und deshalb zu ihr kommen: körperliche Handicaps, selbstverletzendes Verhalten wie Ritzen, psychischen Auffälligkeiten wie Stimmen hören, Streit in der Klasse, körperliche Auseinandersetzungen und Schulverweigerung. Sie habe schon Schüler zu Hause abgeholt, die es alleine nicht in die Schule schafften. Manchmal gehe es um praktische Hilfe, wie das Kleben eines kaputten Schuhs, der sich als Hinderungsgrund für den Unterrichtsbesuch herausstellte.

    Selbstbewusstsein stärken

    In ihrem Büro weinen sich Eltern und Kinder aus, werden Strategien entwickelt, wie es weitergehen kann, berichtet sie. Gegen Probleme beim Lernen biete sie Projekte an, um Blockaden zu lösen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Sie fahre auch mal bei einer Klassenfahrt mit, wenn Schüler dabei sind, die die Möglichkeiten der begleitenden Lehrkräfte sprengen. "Das ist wichtig für den Klassenverbund", sagt die 39-Jährige. Auch im Schulalltag übernehme sie Aufgaben, die die Lehrkräfte nicht leisten könnten. "Ich bin erschreckt, wie hoch die Zahlen sind", sagte Bürgermeister Christian Holzemer und fordert die staatliche Finanzierung der Jugendsozialarbeit an Schulen.

    Überall ähnliche Probleme

    Carolin Weigand ist der Meinung, dass Jugendsozialarbeit an alle Schulen gehört, weil es diese und ähnliche Probleme überall gebe. Die Arbeit und die Atmosphäre an der Mittelschule in Frammersbach lobte sie ausdrücklich. Ein großer Vorteil seien kleine Klassen – bedingt durch hohe Übertrittsquoten an weiterführende Schulen.

    Elisabeth Keßler, Gemeinderätin und Rektorin an der Grundschule Wiesthal, betonte, wie wichtig es sei, dass benachteiligte Schüler eine Chance bekommen und Familienkonflikte gelöst werden: "Sonst bekommen wir kranke Erwachsene", sagte Keßler. Ihrer Meinung nach bräuchte es dieses Angebot schon in der Grundschule. Gemeinderat Bernd Rüth, Lehrer im Ruhestand, hätte es geschätzt, wenn es diese Unterstützung schon zu seiner Zeit im Schuldienst gegeben hätte.

    "Ich verstehe nicht, dass so um die Stellen gekämpft werden muss", sagte Weigand. Laut Bürgermeister Holzemer werden die Stellen von der Staatsregierung bekämpft. Weigand machte den Unterschied zwischen Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit an Schulen deutlich. Schulsozialarbeit richte sich im Auftrag der Schule an alle Schüler. Schulsozialarbeiten seien in der Regel von der Schule oder dem Sachaufwandsträger angestellt und dem Kultusministerium zugeordnet. Der Schwerpunkt liegt laut Weigand bei der Vorbeugung.

    Bei Förderbedarf

    Bei der Jugendsozialarbeit an Schulen gehe es explizit um Schüler mit Benachteiligung, Problemen und besonderem Förderbedarf. Die Arbeit sei eher reaktiv und solle den Jugendlichen und deren Familien Hilfe anbieten und sie gezielt fördern. Jugendsozialarbeit an Schulen ist, wie Weigand erläuterte, fachlich beim Sozialministerium angesiedelt und hat die Funktion einer Filiale des Jugendamtes in der Schule. Die Vorgesetzten seien Vertreter des Trägers der Stelle. Dies könne wie in ihrem Fall ein freier Träger, Gemeinden oder Landratsämter sein.

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