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    Karlstadt

    Freie evangelische Gemeinde Karlstadt: Aus der leeren Kirche in die Welt

    Statt der üblichen 50 Gottesdienstbesucher hörten diesmal über 3000 Menschen die Predigt von Pastor Volker Halfmann – bei der Übertragung im Internet.
    Pastor Volker Halfmann beim Online-Gottesdienst
    Pastor Volker Halfmann beim Online-Gottesdienst Foto: Johannes Fenn

    "Der Verweis auf die Bibelstelle, dass Gott schützende Engel geschickt hat, ist zurzeit nicht hilfreich", sagte Pastor Volker Halfmann am Sonntagmorgen. Ungewöhnliche Worte in der Corona-Krise – und das war nicht das einzig Ungewöhnliche an seiner Predigt. Er sprach nämlich in einem leeren Gotteshaus in der Karlstadter Bodelschwinghstraße und trotzdem haben ihn mittlerweile über 3000 Menschen gehört. Die Freie evangelische Gemeinde Karlstadt setzt auf digitale Medien, um in Zeiten des "social distancing" soziale Kontakte und Gemeinschaft zu schaffen.

    "In unserer Gemeinde ist enger Kontakt und reger Austausch üblich", sagt Johannes Fenn, Mitglied des Gemeindevorstands. "Wir treffen uns normalerweise in Hauskreisen und beim Gottesdienst." Das alles sei in Zeiten des eingeschränkten Kontakts nicht möglich. "Aber weil diese Gemeinschaft für unsere Mitglieder wichtig ist, haben wir überlegt, was wir machen können."

    Das Gesundheitsamt genehmigte vier Menschen in einem Raum

    Livestream der Freien evangelischen Gemeinde Karlstadt
    Livestream der Freien evangelischen Gemeinde Karlstadt Foto: Markus Rill

    Die Live-Übertragung eines Gottesdiensts war die erste Idee. "Wir haben verschiedene Möglichkeiten erwogen", so Fenn. Welche Plattform sollte genutzt werden? Wie groß würde der technische Aufwand sein? Und: Ist das überhaupt erlaubt? Das Gesundheitsamt Main-Spessart erteilte eine Ausnahmegenehmigung; vier Menschen waren am Sonntagmorgen in den weitläufigen Räumlichkeiten. Andreas Birkenfeld sprach einleitende Worte, Sabine Friedrich spielte Klavier, Volker Halfmann predigte und Johannes Fenn filmte den rund 35-minütigen Gottesdienst mit dem Handy. "Ich hatte ein Mikro ans Handy angeschlossen und es auf einem Stativ befestigt." Bild-, Ton-, und Streamingqualität auf Facebook waren gut.

    Halfmann sprach eindringlich: "Wenn es unsere größte Sorge ist, ob wir krank werden, dann haben wir Gott nicht verstanden. Unsere erste Sorge sollte sein, ob wir Gott dienen." Vertrauen auf Gott und Rücksichtnahme auf andere seien geboten: "Wir brauchen jetzt keine Christen, die Heidenangst haben." Der Pastor empfiehlt, für Nachbarn einzukaufen und sich ehrenamtlich zu engagieren. "Zu geben macht uns glückseliger als zu nehmen", betonte er.

    Großer Zuspruch im Nachgang

    Beim Livestream am Sonntagmorgen schauten knapp 50 Menschen zu. Bis Donnerstagmittag aber wurde das Video schon über 3200-mal angeschaut. "Das Feedback war sehr, sehr positiv", sagte Volker Halfmann  im Gespräch mit der Redaktion. Vor allem die Predigt mit dem Motto "Über Leben in der Krise" wurde vielfach gelobt. "Ich denke, das war für diese Ausnahmesituation wichtig und richtig. Man kann das nicht ignorieren." Kommenden Sonntag um 10.30 Uhr geht die FeG wieder auf Sendung. Johannes Fenn weist darauf hin, dass es nicht nötig ist, ein Profil auf der Seite anzulegen, um die Übertragung zu verfolgen.

    Außerdem gibt es für die Gemeindemitglieder Online-Video-Treffen über die Plattform Zoom: Montags für alle und zu abgestimmten Zeiten für die Hauskreise. "Natürlich müssen wir und die Mitglieder sich in die Technik noch reinfuchsen", sagt Halfmann. Nach einer Anlaufzeit sei es aber auch beim ersten Treffen am Montag schon zu "intensiven Gesprächen über die Ängste der Leute" gekommen.

    Der Pastor sagt: "Es gibt online auch viele destruktive Äußerungen, die zurzeit wenig hilfreich sind." Die Online-Treffen und -Gottesdienste "ersetzen nicht das persönliche Zusammenkommen. Aber sie sind uns trotzdem eine große Hilfe in dieser Zeit".  Am Sonntag geht die Freie evangelische Gemeinde Karlstadt wieder auf Sendung, um 10.30 Uhr auf www.facebook.com/FeGKarlstadt.

    Freie evangelische Gemeinde Karlstadt
    Inhaltlich und theologisch unterscheidet sich die FeG nicht von der evangelischen Kirche, allerdings ist sie vollkommen selbstständig organisiert. Sie finanziert sich ausschließlich aus Spenden. Pastor Volker Halfmann ist in einer Halbtagsstelle angestellt; er hat ein Masterstudium an der Theologischen Hochschule Ewersbach absolviert. Außerdem arbeitet er in der Suchthilfe in Würzburg.
    Die FeG hat 46 registrierte Mitglieder, die sich zu Jesus bekennen. Erwachsenentaufen finden im Erlabrunner See statt.
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