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    BURGSINN

    Führte Brigitte Volkert ein Doppelleben?

    Während und nach der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ am Mittwochabend sind bei der unterfränkischen Polizei zahlreiche neue Hinweise zum Verschwinden von Brigitte Volkert aus Burgsinn (Lkr. Main-Spessart) eingegangen. Die Suche nach der seit 13 Jahren verschwundenen vierfachen Mutter bewegt die Menschen über Unterfranken hinaus: Die XY-Sonderausgabe war am Mittwochabend um 20.15 Uhr mit 5,24 Millionen Zuschauern die meistgesehene Sendung im deutschen Fernsehen.

    In der Sendung nannte Mordermittler Marco Haßmüller von der Würzburger Kripo bisher nicht bekannte Details – in der Hoffnung, dadurch Licht ins Dunkel des Falles zu bringen. Brigitte Volkert führte offenbar ein Doppelleben: Sie soll über zwei insgeheim besorgte Handys mit einem Liebhaber Kontakt gehalten haben – auch am Morgen ihres Verschwindens.

    Ehemann wusste von Affaire 

    Ihr Ehemann sagte in der XY-Sendung: „Von Brigittes Affäre habe ich von ihr selbst gehört, als ich sie gefragt habe. Aber vorher habe ich es schon von so manchem Burgsinner gesagt bekommen.“ Laut den Ermittlungen der Kripo hatte sich Brigitte Volkert zwei Handy-Verträge – getarnt auf den Namen einer Freundin – besorgt, um unkontrolliert Kontakt halten zu können. Eines der Handys hatte ihr Liebhaber. Am Morgen ihres Verschwindens nahm jemand kurz vor sechs Uhr über das Handy per SMS Kontakt mit Brigitte auf. Den Inhalt der Nachricht kennt die Polizei nicht. Es folgte ein Telefonat. Dann verließ Brigitte Volkert das Haus an der Rückseite – ohne Gepäck oder Ausweispapiere, offenkundig in dem Glauben, bis sieben Uhr zurück zu sein, um den vier Kindern Frühstück zu machen.

    Eine Bank neben einem Kreuz an einem Weg oberhalb von Burgsinn soll sie als Treffpunkt genutzt haben. Wem sie begegnete und was dann passierte, würde die Polizei brennend interessieren. Beide Handys wurden kurz nach sechs Uhr ausgeschaltet und sind seitdem verschwunden – wie die damals 27-Jährige. „Wir gehen von einem Gewaltverbrechen aus,“ sagt Mordermittler Haßmüller.

    Schlägt dem damaligen Liebhaber jetzt das Gewissen? Hat jemand den Anruf mitbekommen? Oder weiß jemand, was mit den Handys – einem Samsung SGH 700 und einem Nokia 3410 – passiert ist? Unklar ist auch, warum sie sich am Tag vor ihrem Verschwinden von ihrem Mann eine Taschenlampe richten ließ.

    Polizei sucht mit Hundertschaft

    Am Donnerstagmorgen war Burgsinn Schauplatz eines Großeinsatzes: Eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei aus Würzburg durchsuchte ein Waldstück in Talnähe, ein Polizeihubschrauber war zur Unterstützung im Einsatz. Die Aktion dauerte bis zum Nachmittag an und soll am Freitag fortgesetzt werden. Mit einem Dutzend Transporter und einem Bus waren die Polizisten in das Sinntal gekommen und hatten schon bei der Anfahrt für Aufregung gesorgt. „Wenn die Polizei morgens um sieben Uhr mit Blaulicht und Sirene durch den Ort fährt, sorgt das natürlich für Aufsehen“, sagte Bürgermeister Robert Herold, der die Stimmung in Burgsinn so beschreibt: „Jeder wünscht, dass der Fall gelöst wird und dass endlich Gewissheit darüber herrscht, was passiert ist.“

    „Wir erhoffen uns neue Spuren“, sagte Polizeisprecher Michael Zimmer. Seit im Juli bekannt wurde, dass der Fall erneut aufgerollt wird, seien mehrere Hinweise eingegangen – auch während und nach der XY-Sendung. Die Mordermittler des Kommissariats I gehen ihnen zusammen mit der Staatsanwaltschaft nach, um sie zu bewerten, sagt Zimmer. Noch seien nicht alle überprüft.

    Vor allem der Auftritt von Brigitte Volkerts Familie im Film bewegte viele Menschen. Über 21 000 Menschen besuchten bis zum Nachmittag den Facebook-Eintrag zu dem Fall. 

    Weitere Hinweise erbeten

    Kripo und Staatsanwaltschaft bitten im Fall Brigitte Volkert weiter um Zeugenhinweise. „In Einzelfällen kann diesbezüglich durch die Staatsanwaltschaft auch die Vertraulichkeit zugesichert werden“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Polizeipräsidium Unterfranken. Für die Klärung des Falles ist eine Belohnung von 10 000 Euro ausgesetzt.

    Für Mitteilungen hat die Polizei ein Hinweistelefon geschaltet. Die Ermittler der Kripo sind jederzeit unter Tel. 08 00/10 11 611 erreichbar. Außerdem steht als lokaler Ansprechpartner der Dienststellenleiter der Polizeistation Gemünden unter Tel. (09 351) 97 410 zur Verfügung. mas

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