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    Gemünden

    Für Tritte nach Nikolausfeier fehlte Gericht der Beweis

    Straßenschild vor dem Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Kein schönes Ende nahm eine Nikolausfeier in einer Saalegemeinde vor einem Jahr: Ein 32-Jähriger ging bei einem Gerangel mit zwei Bekannten auf der Straße zu Boden und verletzte sich im Gesicht. Dass ihm dabei auch noch jemand ins Gesicht trat, konnte vor Amtsgericht Gemünden allerdings nicht bewiesen worden, die Verhandlung endete mit zwei Freisprüchen.

    Die drei Beteiligten kennen sich seit Jahren, sie waren Teil einer Clique. Dort hatte der Geschädigte aber wohl einen schweren Stand. Wie die beiden Angeschuldigten angaben, verlief der Nikolausabend 2018 zunächst ganz normal: Erst tranken sie auf der Nikolausparty im Ort zwei bis drei Becher Glühwein, dann zogen sie weiter in die Dorfwirtschaft, da habe jeder noch zwei bis drei Bier getrunken. Als dort Schluss war, machten sie sich auf den Weg zum Anwesen des Älteren. Ihr Bekannter sei ihnen die ganze Zeit nachgelaufen, obwohl sie ihm gesagt hatten, dass er dort kein Bier bekommen würde.

    Auf die Frage nach dem "Warum" von Richterin Kristina Heiduck erklärte der jüngere Angeschuldigte, es sei schwierig mit ihm gewesen, "er hatte so seine Phasen", womit er Stimmungsschwankungen bis hin zu aggressivem Verhalten meinte. Der Ältere sagte aus, er habe keine Lust auf das "übliche Gelaber" gehabt.

    Handfeste Auseinandersetzung vor dem Haus

    Sicher ist, dass es vor dem Anwesen kein Bier für den Dritten gab und zum Streit kam. Worüber blieb unklar, der Geschädigte sprach von einem verschwundenen Schlüssel oder von Geld. Die beiden Angeschuldigten berichteten, irgendwann habe er mit der Faust ausgeholt und auch einen Treffer an der Schulter gelandet. "Faustschläge, die ernst gemeint waren", sagte der jüngere Angeschuldigte vor Gericht, und dass er am nächsten Tag auch ein aufgeschrammtes Schienbein hatte.

    Nach seinem ersten Schlag hätten sie ihn weggeschubst. Doch der andere habe immer wieder versucht zuzuschlagen, während ihn die beiden Kumpel quer über die Straße schubsten. Irgendwann kam es zum Sturz. Der ältere Angeschuldigten ging mit zu Boden, kam auf den Beinen des Kontrahenten zum Liegen. Dass die Sache nicht weiter eskalierte, lag auch am Vater des jüngeren Mannes, den der laute Streit geweckt und aus dem Haus gelockt hatte. Nachdem er sich eine halbe Minute auf den Rücken des auf dem Bauch liegenden Geschädigten gekniet hatte, beruhigte sich dieser.

    Der Aufforderung, das Weite zu suchen, kam der Mann dann zwar zunächst nach, doch kehrte er wenig später im Auto seines Bruders zurück, noch bevor die Polizei eintraf. Als Zeuge sagte der 32-jährige aus, er sei sich sicher, dass gegen seinen Kopf getreten wurde als er am Boden lag. Er habe den Schuh noch gesehen und den vermeintlichen Täter auch erkannt. Seiner Schilderung nach brachte ihn zudem der Vater mit einem "Griff" zu Boden.

    Weil er Schmerzen gehabt und auf einem Auge verschwommen gesehen habe, ging er am nächsten Tag ins Krankenhaus nach Hammelburg. Dem ärztlichen Rat, das an der Augenklinik der Uniklinik Würzburg abklären zu lassen, folgte er aber nicht. Auch entband er für die Ermittlungen die Ärzte nicht von ihrer Schweigepflicht. Er unterschreibe bei der Polizei grundsätzlich nichts, erklärte er dazu der Richterin.

    Gutachterin: Verletzungen könnten auch vom Sturz herrühren 

    Neben den Zeugen war vor allem die Aussage der Gutachterin des Instituts für Rechtsmedizin wesentlich für den Verfahrensverlauf. Sie kam zu dem Ergebnis, dass die auf dem Foto zu sehenden und im ärztlichen Attest dokumentierten Verletzungen nicht durch "leichten Tritte" entstanden sein könnten. Die seien viel mehr typisch für Schläge ins Gesicht, auch ein Sturz auf einen kleineren Stein könnte diese Folgen haben.

    "Wir konnten trotz der ausführlichen Beweisaufnahme keine Tritte nachweisen", stellte am Ende die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer fest. Ihrem Antrag auf Freispruch schlossen sich die beiden Verteidiger erwartungsgemäß an. Richterin Kristina Heiduck kam sogar zu der Einschätzung, dass die Angeschuldigten den Angriff damals angemessen abgewehrt hatten. Die Angaben des Geschädigten seien zu pauschal gewesen und hätten sich zudem von der Aussage bei der Polizei unterschieden. Die Kosten des Verfahrens und die Auslagen trägt – wie bei Freisprüchen üblich –die Staatskasse.

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