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    WOMBACH

    Für die Wombacher eine Frage der Ehre

    Sie haben den Karl-Neuf-Platz wieder zu dem gemacht, der er mal war: Die Schar der Helfer und Beteiligten. Foto: Annette Kunkel

    Mehr als sechs Jahre hat sich alles hingezogen: Jetzt ist der Karl-Neuf-Platz wieder hergerichtet, der Blick in den Lohrer Talkessel wieder frei, die Geschichte des Platzes auf Täfelchen am neuen Kreuz nachzulesen. Jetzt, da auch die Ruhebänke aufgestellt sind, war die Zeit gekommen, den vielen Helfern und Beteiligten zu danken.

    Die Stadt Lohr tat dies mit einer Feierstunde vor Ort. So sei der Karl-Neuf-Platz wieder „ein echter Mehrwert für die Stadt Lohr“, würdigte Zweite Bürgermeisterin Christine Kohnle-Weis den Einsatz der Ehrenamtlichen, denen sie im Namen der Stadt mit einem kleinen Geschenk dankte.

    Der Karl-Neuf Platz ist einer der schönsten Aussichtspunkte in den Lohrer Talkessel. Benannt ist er nach dem Wegewart Karl Neuf aus Lohr. Wer von Wombach aus zum Margaretenhof oder weiter zur Aurora wandert, kommt an ihm vorbei. Die Plattform in 400 Meter Höhe, an einem steilen Hang gelegen, entstand aus der Abraumhalde des ehemaligen Steinbruchs nebenan.

    Spontane Zusagen

    Seit dem Himmelfahrtstag 1950 ziert ein großes Friedenskreuz den Platz. Den Anstoß dazu hatte im Jahr davor Pater Cayetan gegeben, der damalige Superior des Lohrer Kapuzinerklosters, Der damalige Wombacher Bürgermeister, Eduard Ullrich, war sofort dabei: Er sagte sogar zu, für den Transport der Materialien sein Pferdegespann zur Verfügung zu stellen. Zimmermeister Kilian Wirth erklärte sich bereit, kostenlos ein Kreuz anzufertigen.

    Die Materialien und das schwere Kreuz aus massiver Steineiche mit Fuhrwerken an Ort und Stelle zu bringen, war schwierig. Denn die Hohlwege den Berg hinauf waren steil, auf einer Strecke von Luftlinie nur 1,6 Kilometern von der heutigen Wombacher Kirche aus gemessen rund 240 Höhenmeter zu überwinden.

    Prozession zum Kreuze

    Am Himmelfahrtag 1950 schließlich zog die erste Kreuzprozession unter Glockengeläut, mit Musik und wehenden Fahnen hinauf in den Wald. Seitdem findet diese Prozession zum Kreuz in Wombach alljährlich an Christi Himmelfahrt statt.

    Rudi Wirth, ein Enkel des damaligen Kreuzstifters, lebt heute in Köln. Als er 2011 wieder einmal in seiner Heimat weilte und zum Karl-Neuf-Platz hinaufstieg, erschrak er: Er fand den Platz in bedauernswertem Zustand vor, das Kreuz in einem desolaten Zustand und der ersehnte Blick ins Tal ward ihm durch inzwischen hochgewachsene Bäume verwehrt.

    Es war ihm ein Herzensanliegen, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen – was sechs Jahre später dank der Bereitschaft vieler Beteiligter und dem Einsatz vieler helfender Hände nun gelungen ist.

    Das Kreuz, das ihr Großvater gezimmert hatte, war nicht mehr zu retten, befand Rudis Bruder Reiner Wirth. Der Zimmermeister aus Lohr war sofort bereit, ein neues herzustellen – hatte es sein Großvater doch einst auch aus Dankbarkeit gestiftet, weil seine drei Söhne, die in den Krieg gezogen waren, heil zurückgekommen waren. Hermann Wirth, der Vater von Rudi und Reiner, war einer von ihnen gewesen.

    Die Brüder nahmen Kontakt zur Stadt Lohr auf. Bürgermeister Ernst Prüße war sofort bereit, sich um das Anliegen zu kümmern. Zunächst ging es darum, die Sichtschneise ins Tal wiederherzustellen, Bäume zu fällen. Doch diese standen auf dem Grundstück von Cornelia Schrauth. Die Lösung: Die Eigentümerin tauschte ihr Grundstück gegen ein anderes der Stadt.

    Den Grundstückstausch fädelte Ralf Hermann ein. Der Revierleiter der Stadt Lohr veranlasste auch die Rodung und sorgte für die Lieferung von Eichenholz für das Kreuz, die Sitzgruppen und das Geländer. Auch der Eigentümer des eigentlichen Karl-Neuf-Platzes, Heinrich Scheuplein, willigte ein, dass der Platz erneuert werde.

    Dann kamen Helmut und Andreas Nätscher mit ihrem mobilen Sägewerk, um das gelieferte Holz an Ort und Stelle zu bearbeiten. Mit von der Partie war auch die Stammtischrunde „rauhe Gesellen“ unter der Regie von Bernard Nätscher, die den Platz bereits 1975 neu hergerichtet hatten.

    Den Schriftzug „Anno Sancto“ (Heiliges Jahr), die Jahreszahl 1950 und das Christusmonogramm „PX“ schnitzte Hugo Lucks ins Holz des Kreuzes, Franz Roth sorgte mit roter Farbe dafür, dass die Schrift auch gut zu lesen ist.

    Ludwig Schecher organisierte zwei Beschriftungstäfelchen und brachte sie in Augenhöhe an, Roland Hübner strich das Kreuz und Willi Endres transportierte es mit seinem Traktor zum Platz. Alfred Ullrich, der Enkel des einstigen Bürgermeisters, richtete es mithilfe seiner Holzrück-Maschine auf. Am Himmelfahrtstag schließlich segnete Kaplan Phillipp Tropp es.

    Mit der Sitzgruppen und der Umzäunung ist die Wiederbelebung des Karl-Neuf-Platzes nun abgeschlossen. Dieses letzte Teilchen dieses Wombacher Gemeinschaftspuzzles haben die jungen Männer des Stammtisches „Saubazis“ gelegt.

    Karl Neuf-Platz

    Der Sandstein aus dem Steinbruch am Karl-Neuf-Platz ist von besonderer Qualität. Hier wurden die Steine für den Bau der Alten Mainbrücke, den Tunnelbau der bayerischen Westbahn in Heigenbrücken und den Bau der Heil- und Pflegeanstalt gebrochen.

    Eugen Scheuplein, der Vater des heutigen Besitzers, hatte in den 1960er Jahren den Plan, dort ein Hotel mit Skiabfahrt zu errichten.

    Im Mai 1990 kam es 500 Meter südlich des Karl-Neuf Platzes zu einer Flugzeugkatastrophe: Eine Transallmaschine der Bundeswehr flog zu tief, streifte am Hain die Bäume und zerbarst. Keiner der zehn Flugzeuginsassen überlebte. ann

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    Bearbeitet von Roland Pleier

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