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    Lohr

    Gedankenschwere besiegt Leichtigkeit

    Dominique Macri und Dalibor Marcovic haben den dritten Poetry Slam in der Lohrer Stadthalle gewonnen. Foto: Thomas Josef Möhler

    Dominique Macri aus Marburg und Dalibor Marcovic aus Frankfurt haben am Samstag vor rund 350 Besuchern in der Stadthalle den 3. Lohrer Poetry Slam gewonnen. Die hatten im Jahr 2014 bereits den Titel Deutsche Poetry-Slam-Meister im Teamwettbewerb abgeräumt. Dieses Mal traten auch in Lohr Zweierteams zum literarischen Vortrags-Wettbewerb an.

    Katja Hofmann aus Halle und Leonie Warnke aus Leipzig, beide Poetry-Slam-Meisterinnen von Thüringen und Sachsen belegten den zweiten Platz in der Stadthalle. Moderiert wurde der Team-Slam von der Würzburger Kulturpreisträgerin Pauline Füg und dem Spoken-Word-Poeten Tobias Heyel, die als Poesie-Team Großraumdichten auch für das Rahmenprogramm sorgten. Zu hören war unter anderem ein Text über den Astronauten Buzz Aldrin, den zweiten Menschen auf dem Mond.

    Viele Menschen brächten große Leistungen, aber niemand kenne sie, weil sie Zweite geworden seien, sagte Füg. Für die Öffentlichkeit sei der zweite Sieger meistens der »erste Verlierer«. Im Live-Hörspiel »Adam und Eva« ging es um Menschen, die in enger Nachbarschaft leben, sich aber nur oberflächlich kennen.

    "Liebe bleibt Alltag"

    In der ersten Runde setzte sich das Team MFG ("Mit freundlichen Grüßen") mit Hofmann und Warnke mit dem Text "Liebe bleibt Alltag" gegen das Team Scheller mit Macri und Marcovic durch. Dieses thematisierte Angst und das Bedürfnis, sich abzugrenzen und die Fassade aufrecht zu erhalten.

    Die Grundzüge dieser Runde zeigten sich auch im weiteren Wettbewerb: Während die Texte des Teams MFG leichter zugänglich waren, setzte das Team Scheller mehr auf einen rhythmischen und lyrischen Vortrag gedankenschwerer Texte. Damit glich es in der zweiten Runde aus. In seinem Text ging es um Erinnerungen an die Zeit vor einer Krankheit, während Hofmann und Warnke von den 1990er-Jahren berichteten, die sie geprägt haben.

    Unentschieden endete die dritte Runde, weil sich das Moderatoren-Duo auch nach mehrmaligen Klatsch-Abstimmungen durch das Publikum nicht klar darüber war, welches Team den lauteren Applaus bekommen hatte. Hofmann und Warnke erinnerten unter dem Titel "Her Story" an berühmte Frauen in der Geschichte, während Macri und Marcovic eine Beziehung schilderten. Bei dieser wurde aus "Händchenhalten allmählich Armdrücken und Halswürgen".

    Total unterschiedlich waren die Vorträge in der vierten und entscheidenden Runde. Diese entschied das Team Scheller klar für sich. Macri und Marcovic beschäftigten sich mit kritischen Kinderfragen über Ungleichheit, Armut und Flucht: Man dürfe nicht so tun, als ob die Kindheit eine Traumblase abseits der Realität wäre. Hofmann und Warnke hatten dagegen auf einen Rap über Sex ohne Liebe gesetzt.

    Fantasievolles Bühnenbild

    Das fantasievolle Bühnenbild mit Bücherregalen, Sofas und einem visualisierten Kaminfeuer stammte größtenteils aus dem Sozialkaufhaus Intakt an der Vorstadtstraße. Für die Visualisierung der Texte auf der Leinwand über der Bühne sorgte Videokünstlerin Kendra Polsner.

    Veranstalter waren, wie beim Einzelwettbewerb 2016 und beim Mannschaftswettkampf "Franken gegen Bayern" 2017, der städtische Jugendreferent Marcel Brunner und die Lohrer Stadthalle.

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