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    Karsbach

    Gemeindewald noch nicht stark vom Klimawandel betroffen

    Der Borkenkäfer und seine Larven in verschiedenen Stadien setzen auch den Karsbacher Fichten stark zu. Foto: Helmut Hussong

    Die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre und die dadurch entstandenen Schäden in den Wäldern sind mittlerweile ins Licht der Öffentlichkeit gerückt und werden vielfach diskutiert. Auch im Karsbacher Gemeindewald gibt es entsprechende Probleme, die auf Trockenheit und Borkenkäferbefall zurückzuführen sind.

    Im Vorjahr mussten 470 Festmeter Borkenkäferholz eingeschlagen werden. Damit waren bereits rund 30 Prozent des Gesamteinschlages von 1574 Festmeter abgedeckt. Der Klimawandel sei somit auch in Karsbach angekommen, jedoch nicht in dem Umfang, wie es häufig in den Medien dargestellt werde, sagte Revierleiterin Elke Breitenbach in der jüngsten Gemeinderatsitzung.

    "Wir haben jetzt nicht mehr übermäßig viele Fichten, weil wir schon seit 20 bis 30 Jahren immer wieder mal Probleme mit den Borkenkäfer hatten", stellte Bürgermeister Martin Göbel bei der Beratung über die Forstbetriebspläne 2019/2020 fest. Bis vor kurzem wurde die Buche als noch relativ robust gegenüber solchen Einflüsse gesehen. Mittlerweile gebe es immer mehr Bedenken, dass diese Baumart ebenfalls so "langsam schlapp mache" und wegen der Trockenheit sterbe.

    Borkenkäferbefall hat sich erhöht

    Auch im neuen Forstbetriebsjahr werden wieder Borkenkäferfichten gefällt und bis März aus dem Wald geschafft. Auf Grund der Auftragslage könne man dafür keine Fachfirmen engagieren, da sie alle beim Forts oder größeren Kommunen ausgelastet sind. "Wir müssen das deshalb mit unseren eigenen Leuten machen", sagte Göbel. Die Forstbetriebsplanung für das kommende Forstjahr sieht im wesentlichen Einschläge in der Nähe der Adelsberger Grenze im Bereich Betholz und Bauholz und Weyersfeld bei Riedberggraben vor. Dabei handelt es sich um manuell durchgeführte Altdurchforstungen.

    "Der Borkenkäferbefall hat sich im Vergleich zum Vorjahr nochmals erhöht", stellte ebenfalls Revierleiterin Elke Breitenbach fest. Mittlerweile sei der Anteil der Fichte in Karsbachs Wäldern sehr gering. Waren im Jahr 1988 noch 12 Prozent aller Bäume Fichten, so ging der Anteil bis zum Jahr 2018 auf fünf Prozent zurück.

    Auch Buchen sterben vereinzelt ab

    "Etwas weniger problematisch ist die Situation bei der Kiefer", erläuterte die Revierleiterin in ihrem Zustandsbericht. Durch die Zunahme der Hitzetage und der allgemeinen Trockenheit sei das Optimum für die Kiefer auch hier nun vorbei. Insgesamt seien Fichten und Kiefern am stärksten von der Klimaänderung betroffen. Aber auch bei der Buche sterben vereinzelt Bäume ab. Im Karsbacher Gemeindewald sei dies jedoch nicht so dramatisch wie in anderen Regionen. Jedoch müsse man davon ausgehen, dass die Buchen künftig weniger schnell wachsen werden.

    "Die Eiche ist bisher die Baumart, die am besten mit der Trockenheit zurecht kommt", erläuterte Breitenbach weiter. Allerdings können sich auch auf Grund der Wärme viele Eichenschädlinge besser vermehren. Weil der Holzvorrat im Gemeindewald zu 47 Prozent aus Eiche und zu 27 Prozent aus Buche besteht, stelle das damit eine günstige Ausgangssituation für die Zukunft dar.

    "Im Ganzen gesehen ist der Karsbacher Gemeindewald natürlich vom Klimawandel betroffen, aber nicht in dem Umfang wie es häufig in den Medien dargestellt wird", fasste Elke Breitenbach die aktuelle Situation zusammen. "Waldsterben 2.0 das mag woanders sein, bei uns ist es glücklicherweise noch nicht soweit."

    Zwischenrevision des Forstwirtschaftsplans

    Bereits im vergangenen Jahr hatte Karsbach stark mit dem Borkenkäfer zu kämpfen. 1547 Festmeter Holz wurde im Vorjahr in Karsbachs Wäldern eingeschlagen, gab Revierleiterin Elke Breitenbach einen Rückblick. Davon waren 382 Festmeter Rechtholz und 470 Festmeter entfielen auf Borkenkäferholz. Die Einnahmen aus dem Holzverkauf betrugen 33 250 Euro. Deren geringe Höhe führte Breitenbach teilweise auch auf den Rückgang der Holzpreise zurück.

    Zu der positiven Bilanz und den Gesamteinnahmen vom 112 788 Euro trugen besonders die staatlichen Zuschüsse mit 79 186 Euro bei. Förderung gab es vor allem für die Naturverjüngungen, Buchenpflanzungen und Fichten und Vertragsnaturschutzleistungen. Dem standen Ausgaben von 77 232 Euro entgegen. Damit ergab sich ein Überschuss von 35 355 Euro. Aktuell findet eine Zwischenrevision des vor zehn Jahren aufgestellten Forstwirtschaftsplanes statt. Ziel der sei es, so die Revierleiterin, die jährliche Einschlagsanforderung von 3300 Festmeter auf 2000 bis 2200 Festmeter zu reduzieren.

    Das Bild des Walds wird sich verändern

    Auch künftig werde man keine vermeintlich trockenheitsresistente Baumarten pflanzen und neue Kulturen gründen können. Dafür habe Karsbach kein Personal. "Wir arbeiten einfach stattdessen mit Naturverjüngung", sagte Revierleiterin Elke Breitenbach. Es seien bisher noch kein großflächigen Schadflächen aufgetreten. Kleinere Bereiche werde man problemlos der Natur überlassen.

    Da heuer nicht so viel Rechtlerholz bei den anderen Baumarten anfällt, will man den Rechtlern  zum Ausgleich auch die Aufarbeitung von Fichte anbieten. Persönlich meinte die Revierleiterin, dass sich die Waldbilder künftig verändern und es mehr Freiflächen geben werde. Auch die Holzqualität werde abnehmen und die Ökonomie werde dabei zwangsläufig rückläufig sein.

    In ausreichender Entfernung vom Wald werden hier das Bokenkäfer-Fichenstammholz und die Fichtengiebel gelagert. Foto: Helmut Hussong

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