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    Gemünden: Bigband kontaminiert vom Pilzkopfvirus

    Im Schein der Abendsonne begann die Bigband Gemünden unter Leitung von Mathias Weis mit ihrem zweieinhalbstündigen Konzert. Foto: Rosemarie Knechtel

    "Für Jazzmusiker ist es noch zu früh", scherzte Mathias Weis bei der Begrüßung, "aber die Temperaturen sind ideal, und das Bühnenbild ist besser als vom Verhüllungskünstler Christo." In dieser heiteren Atmosphäre wurde das Publikum der Gemündener Bigband am Montagabend gleich zu Beginn vom Swing erfasst. Einem Klassiker von Count Basie folgte "Children of Sanchez" mit den Solisten Rainer Nöth am Flügelhorn und Martin Poth am Tenorsaxophon. Längst wippten die Fußspitzen aller Zuhörer, und die Bewegungen wurden intensiver.

    Mit der "Ballad for Benny" erklang eine Hommage an Benny Goodman, und Weis sorgte nicht nur als Dirigent und Arrangeur, sondern auch als Moderator für gute Laune. Seine Jazz-Adaption, wie Weis die musikalische Übersetzung von Freddy Mercurys "Bohemian Rhapsody" ankündigte, bot den perfekten Rahmen für mitreißende Improvisationen der Bandmitglieder, allesamt gefragte Musiker der Region. Der Gräfendorfer Martin Reinhart spielte dabei die letzten Töne auf seiner Posaune passend zur Schlusszeile im Text wie leises Weinen, das im Wind verweht. "Faszinierend und voller Klangreichtum", lobte sogar schon Queen-Gitarrist Brian May diese Jazzversion.

    Die Ankündigung magischer Klänge eines latein-amerikanischen Cha-Cha-Chas quittierten etliche Zuhörer mit gerauntem "und wann kommen die Beatles"? Doch alle kritischen Stimmen verstummten sofort, als sie von der Gemündener Sängerin Judith Djacic in ihren Bann gezogen wurden. Beschwingt kam Isabelle Lang mit "Somewhere" aus der Westside-Story auf die Bühne, gefolgt von Katja Kleinfeller, die für ihrem Traum vom Mann, der ihr den Kaffee ans Bett bringt, viel Beifall erhielt.

    Brillante Soli

    Mit den Klängen der Jazz-Samba "Marguarite" und den brillanten Soli von Lewandowski (Trompete), Werner Küspert (Gitarre) und Pit Claßen (Tenorsaxophon) im Ohr, schickte Weis das Publikum in die Pause. Sein geschickt gestaltetes Arrangement schien mit der Reaktion der rund 600 Konzertbesucher genauso zu spielen wie seine Musiker mit ihren Instrumenten. Lewandowski heizte die Stimmung mit einem Trompetensolo bei Count Basies "Freckle Face" an. Das Solo von Paul Kunzmann, Neuzugang als erste Posaune, bewegte die Zuhörer bei "Spring can really hang you up the most", und Peter Wirth erhielt noch vor Ende seines Schlagzeugsolos spontanen Applaus mit Pfiffen der Begeisterung. Am Ende jedoch blieb es so lange still, bis auch die Vibration des letzten Beckens verklungen war, bevor der Applaus erneut einsetzte. Auf dem Flügelhorn, das weicher als eine Trompete klingt, spielte Lewandowski seine Ballade "Blue".

    "In der Zeitung hätte er gelesen, dass die Bigband vom Beatles-Fieber erfasst worden sei, korrekt wäre jedoch eine Kontaminierung vom Pilzkopfvirus", kündigte der Bandleader den Höhepunkt des Abends an: ein Medley mit zwölf Titeln aus den Welthits der Beatles, gesungen von Isabell Lang, Judith Djacic und Katja Kleinfeller. "Für die korrekte Aufzählung aller Titel, per Mail eingesandt, erhalten die ersten Fünf je eine Freikarte für das Konzert im nächsten Jahr." Während im Publikum die fieberhafte Suche nach Stift und Papier begann, ergänzte Weis, dass er die gleiche Aufgabe vor 25 Jahren schon einmal gestellt hätte, auf Einsendungen von damals aber immer noch wartet.

    "Lady Madonna" eröffnete die Serie, gab Reinhart Gelegenheit für ein weiteres Posaunensolo und eines mit Pit Claßen, dem Multi-Instrumentalist aller Saxophone. Bei "Help me" begann das Publikum mitzuklatschen, über "Yellow Submarine", "I believe in yesterday" ging das Medley fließend über in "Ob-La-Di, Ob-La-Da", bei dem schon vereinzelt mitgesungen wurde. Bei "Hey Jude" wurden es im Publikum lauter, und beim Refrain "Na na na na-na-na-naa" schwiegen die drei Sängerinnen, die Musiker stoppten ihr Spiel. Der spontan entstandene Chor aus rund 600 Kehlen war vermutlich in ganz Gemünden zu hören.

    Mehr als dreiminütiger, tosender Applaus und stehende Ovationen waren der Dank für diese mitreißende Darbietung. Danach animierte "Oh when the saints" erneut zu kollektivem Fußgetrappel und brachte die Tribüne zum Beben. Mit Soli aller Instrumentengruppen verabschiedete sich die Bigband und erhielt noch ein zweites Mal stehende Ovationen.

    Ausdrucksvoll und stimmgewaltig begeisterten die Sängerinnen Katja Kleinfeller, Isabell Lang und Judith Djacic (von links). Foto: Rosemarie Knechtel

    Bearbeitet von Rosemarie Knechtel

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