• aktualisiert:

    Gemünden

    Gemündener Agrarhändler bilanziert: Bauern beklagen Ernteausfälle

    Landwirt Thomas Wolf aus Eußenheim bringt die letzte Fuhre Braugerste zum Agrarhandel Weimann in Gemünden. Die Getreidekörner werden in eine freie Box gekippt und nach dem Reinigen zu den Mälzereien geliefert. Foto: Ferdinand Heilgenthal

    So unberechenbar wie sich das Wetter in den vergangenen Jahren entwickelt hat, so sind auch die Ernteprognosen und Ergebnisse in der Landwirtschaft geworden. Der Klimawandel, der mittlerweile wissenschaftlich belegt ist und nur noch von einzelnen politisch verantwortlichen Menschen bestritten wird, zeigt auch in der Region unmittelbare Folgen in der Land- und Forstwirtschaft.

    Das führt dazu, dass eine gewisse Unsicherheit bei der Planung des Fruchtanbaus herrscht, berichtet Geschäftsleiter Udo Grund von der Firma Weimann Agrarhandel in Gemünden, was während des Gesprächs vorübergehend anwesende Landwirte bestätigten. So wurde wegen des Dürrejahres 2018 in diesem Jahr nur etwa halb so viel Raps angebaut wie sonst üblich.

    Trotzdem begann das Frühjahr zunächst verheißungsvoll mit ausreichendem Niederschlag. Durch die dann folgende Trockenheit im Juni reifte das Getreide zu schnell und es war nur eine mittelmäßige Ernte zu erwarten, die dann auch eintrat. Dabei können die Erträge durch lokale Wetterereignisse sehr unterschiedlich sein: "In manchen Gegenden war es besser, in anderen schlechter; manchmal regnete es zur rechten Zeit in einer Flurabteilung, während die andere, einen Kilometer weiter, trocken blieb." Unter dem Strich könne man von einer höchstens durchschnittlichen Ernte sprechen, schätzte Grund die vorläufige Bilanz ein.

    Bäumen fehlt das Wasser

    Grundsätzlich mache sich die Trockenheit der vergangenen Jahre in allen Kulturen bemerkbar, ob beim Getreide, bei den Zuckerrüben oder auch beim Obst- und Weinbau. Mit dem Mais sehe es etwas besser aus als im sehr schlechten Vorjahr. Aber bei den Äpfeln sei trotz relativ frostfreier Blütezeit in den nächsten Wochen kein gutes Ergebnis zu erwarten, meint Udo Grund: "Den Bäumen fehlt generell das Wasser, deshalb werfen sie jetzt ab."

    Auch für die Imker sei das Jahr schlecht gelaufen, teilt der Langenprozeltener Imker Markus Riedmann mit. Vor allem das kalte und regnerische Wetter im April und Mai habe den Bienen geschadet. Die hauptsächlich von Rapsblüten stammende Frühtracht für den hellen Honig sei praktisch komplett ausgefallen. Als die Blüten aufgingen, war es zu feucht und zu kühl und die Bienen konnten nicht raus. Dadurch haben sich auch die Völker schlechter entwickelt als in den Vorjahren. Der Ertrag liege etwa bei der Hälfte unter dem Durchschnittswert.

    Jungwinzer Johannes Hack vom gleichnamigen Weingut in Gössenheim berichtete über Ausfälle vor allem bei den Frühsorten Bacchus und Müller-Thurgau. Da war der leichte Frost im Mai in einigen Lagen schädlich. Dann haben die Rebstöcke zwar nachgetrieben, aber das wirke sich wieder schwieriger bei der Lese aus, weil diese Trauben später reif werden.

    Mehraufwand kostet Zeit und Geld

    Während der Trockenheit im Juni musste man teilweise sogar bewässern und wie bei anderen Früchten seien auch beim Weinbau Ausfälle durch Sonnenbrand zu verzeichnen. Bei den späten Sorten wie Silvaner oder Weißburgunder sehe es dagegen besser aus. Hier sei mit einem normalen Ergebnis zu rechnen. Insgesamt sei man aber guter Dinge, obwohl der Anbau unsicherer geworden ist und der vermehrte Aufwand Zeit und Geld kostet.

    Ein Rübenanbauer zeigte sich im Telefongespräch mit Udo Grund erleichtert, dass der Regen in der jüngeren Vergangenheit gerade noch rechtzeitig für die Rüben und auch für die Kartoffeln kam. Trotzdem gebe es auch bei den Zuckerrüben einige Schäden durch Sonnenbrand. Daher sei im Gegensatz zu früher eine intensive Pflege der Pflanzen notwendig, um die Blätter zum Schutz der Rübenfrucht zu erhalten.

    Mit dem Ende der immer früher eintretenden Ernte sind die Sorgen der Landwirte in diesem Jahr nicht vorbei. Das aktuell zu trockene Spätsommerwetter macht die Planung für den nächsten Anbau nicht einfacher.

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!