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    Gemünden

    Gemündenerin von Mann nach und nach um mehr als 11 500 Euro betrogen

    Es begann freundschaftlich während eines Reha-Aufenthaltes und endete nun vor Gericht. Wie ein Mann mit erlogenen Vorwänden Geld erbettelte und nun dafür bezahlen muss.
    Das Amtsgericht in Gemünden. Foto: Michael Mahr

    Im August 2016 kommt es zu einer folgenschweren Bekanntschaft. Während eines Reha-Aufenthaltes lernt eine Gemündenerin einen Mann aus Kempten kennen. Sie verstehen sich gut, eine Freundschaft entsteht. Was die Pensionärin zu diesem Zeitpunkt nicht ahnt: Der Mann ist ein Betrüger. Während eines späteren Telefonates erzählt er ihr von Geldproblemen, von Formalitäten, die er regeln müsste. Aber auch von einer Lebensversicherung, die kurz vor der Auszahlung stehe. Die Gemündenerin glaubt die Lügen und leiht ihm Geld – im festen Glauben, dieses bald zurückzubekommen. Sie überweist ihm Beträge, mal 100, mal 1000 Euro. Immer und immer wieder. 35 Mal in knapp vier Monaten, insgesamt rund 11 500 Euro.

    Was die Frau nicht weiß: Der 49-jährige Taxifahrer verprasst das Geld an Spielautomaten. Denn der geschiedene Mann ist spielsüchtig. Das geliehene Geld ist weg, er zahlt keinen Cent zurück. Dafür stand der Mann am Donnerstag in Gemünden vor dem Amtsgericht, angeklagt wegen Betrug in mehreren Fällen.

    "Sie hat es mir halt auch sehr einfach gemacht"

    Er räumt seine Taten ein, betont aber, dass er die Frau nie dazu gedrängt habe. "Sie hat es mir halt auch sehr einfach gemacht", sagt er. Sie hätte es ihm bei den täglichen Telefonaten immer wieder angeboten. Womöglich habe sie auch Interesse an ihm gehabt, vermutet er. Für ihn sei es jedoch nur um ein freundschaftliches Verhältnis gegangen. Er bereue die Aktion sehr, entschuldigt sich bei seinem Opfer während der Verhandlung. "Es tut mir so leid, aber ich kann die Zeit leider nicht zurückdrehen."

    "Ich dachte ich greife ihm unter die Arme, nur aus Gutmütigkeit"
    Betrugsopfer aus Gemünden

    Als der Betrug 2017 aufflog, sei der 49-Jährige erleichtert gewesen, erzählt er der Richterin. Einen Suizidversuch, mehrere Therapien und eine Privatinsolvenz hat er bereits hinter sich. Zudem muss er für seine zwei Kinder Unterhalt zahlen. "Ich hatte damals einen ganzen Umzugskarton mit Rechnungen daheim", erinnert er sich und sagt, er wusste keinen Ausweg, als seine Spielsucht mit den Geldern der Gemündenerin zu befriedigen. Sein Anwalt spricht von rund 45 000 Euro Schulden, die sein Mandant aktuell noch habe.

    Forensisches Gutachten hilft dem Angeklagten

    Als die Geschädigte mit Rollstuhl in den Sitzungssaal fährt, schüttelt sie wenig später den Kopf. "Ich dachte, ich greife ihm unter die Arme, nur aus Gutmütigkeit", erklärt sie ihre zahlreichen Überweisungen. Dass sie nichts davon zurückbekommen würde, damit habe sie niemals gerechnet. Mittlerweile, betont die Pensionärin, hätte sie das Geld aus gesundheitlichen Gründen selber gut brauchen können. Sie hofft, dass nun "wenigstens etwas davon" bald zurückkommt. Doch diese Hoffnung nimmt ihr der Anwalt des Angeklagten gleich. "Gehen Sie davon aus, dass das bei seinen Verbindlichkeiten noch mehr als drei Jahre dauern wird."

    Ein forensisches Gutachten bescheinigt dem Mann, der wegen weiterer Betrugsfälle vorbestraft ist, aufgrund seiner Spielsucht eine verminderte Schuldfähigkeit. Die Krankheit habe ihn dazu gezwungen, "andere Leute zu bescheißen", betont sein Anwalt. Jedoch habe sich seine Situation deutlich verbessert. "Ich habe jetzt eine Lebensgefährtin, einen festen Job und seit Jahren nicht mehr gespielt", beteuert der Angeklagte. Er wolle alles zurückzahlen, sobald dies möglich ist.

    Ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe – auf Bewährung

    Der Staatsanwalt hält dem 49-Jährigen zugute, dass er geständig ist, sich entschuldigt hat und sich seiner Sucht stellt. Allerdings handele es sich bei den Vergehen um hohe Summen und eine Vielzahl an Taten. Deshalb solle er nun die "letzte Chance" nutzen, sein Leben zu ordnen.

    Der Meinung ist auch die Richterin. Sie erspart ihm eine weitere Geldstrafe und verurteilt ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung. Die rund 11 500 Euro muss er an die Geschädigte zurückzahlen. Dafür hofft der Angeklagte, dass man sich "irgendwie einigen" könne. Gegen das Urteil können Rechtsmittel eingelegt werden.

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