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    Burgsinn

    Georg Matreux streicht die Braut

    Seit 45 Jahren streicht Georg Matreux die Schnittstellen hochwertiger Furniereichen, um sie zu versiegeln. Im ersten Arbeitsgang wird die Schnittfläche des Stamms mit einem Gasbrenner getrocknet.  Foto: Jochen Kümmel

    Georg Matreux ist Holzversiegler: Unter dieser Berufsbezeichnung können sich die wenigsten etwas vorstellen. In Rechtenbach heißt es im Volksmund »Er geht Holz streichen«. Kein Wunder, dass der 61-Jährige im Wald immer wieder von Spaziergängern oder Wanderer kritische Blicke erntet, wenn er qualitativ sehr hochwertige Eichen- und Buchenstämme vor Witterungseinflüssen schützt.

    Bereits seit 45 Jahren schwingt der Rechtenbacher mit dem Gasbrenner den Pinsel an Baumstämmen und war als Kleinunternehmer schon in vielen Teilen Europas unterwegs.

    Imposantes Bild

    In diesen Tagen ist er auf dem Wertholzplatz heimatnah in Burgsinn tätig. Ein imposantes Bild bietet sich, wenn sich rund 220 Holzstämme in Reih und Glied für den Verkauf präsentieren. Das höchste Gebot fiel bei der Wertholzsubmission am Montag mit 5595 Euro auf eine zwei Festmeter große Eiche, die sogenannte Braut. Das sind stolze 2784 Euro pro Festmeter.

    Zur Braut wird der Stamm mit dem Höchstgebot pro Festmeter gekürt. Für die »Eichenbraut von Burgsinn« bekam das Lohrer Furnierwerk Mehling&Wiesmann den Zuschlag. Neben der Braut werden weitere 55 Stämme aus dem Kommunalwald von Burgsinn und Rieneck den Weg in die Schneewittchenstadt Lohr zur Weiterverarbeitung antreten. 129 Festmeter oder sechs bis sieben Lkw-Ladungen hat Mehling&Wiesmann eingekauft.

    Vor Riss und Färbung schützen

    Doch um die Stämme lagerbar zu machen, ist eine Bearbeitung notwendig. Georg Matreux bietet diese Dienstleistung bundesweit als einziger an. Wie geht das Versiegeln?

    Im ersten Arbeitsschritt werden die Schnittflächen der Stämme mit einem Gasbrenner getrocknet. »Anschließend werden die Stämme mit heißem Paraffin versiegelt, damit keine Farbveränderungen und Rissbildungen im Holz entstehen und diese vor Pilzbefall geschützt sind«, erklärt Matreux die Arbeitsabläufe im Gespräch mit unserem Medienhaus.

    Kochendes Paraffin aufpinseln

    Hierzu wird das reine noch köchelnde Paraffin mit einem Pinsel aufgetragen. Es sieht einfach aus, ist aber jahrelange Routine, wenn Matreux über die Schnittflächen der Braut streicht. Immer im Hinterkopf, sich nicht an dem heißen Paraffin zu verbrennen.

    Für die Furnierwerke ist ein Teil des wertvollen Stamms laut Matreux unbrauchbar, wenn sich eine Farbveränderung von der Schnittfläche in den Stamm ziehen würde. Es müsste ein Stück abgeschnitten werden.

    Furniere, Dielen, Fassdauben

    Zur Kundschaft von Georg Matreux gehört vorrangig die Furnier- und Schnittholzbranche. Gefertigt werden aus den Stämmen, die das Rechtenbacher Unternehmen versiegelt hochwertige Furniere, aber auch Landhausdielen für dänische Firmen oder Barriquefässer in Frankreich.

    Mit Gaskochern wird das reine Paraffin heiß und flüssig gemacht, um es auf die Schnittflächen streichen. Foto: Jochen Kümmel

    Selbst in Sachen Pilzzucht für Japans Feinschmecker ist Matreux als Versiegler hilfreich. Die Pilze wachsen am besten mit präparierten Buchen der Schwäbischen Alb, die vom Rechtenbacher für die lange Schiffsreise reisetauglich gemacht werden.

    »Die Furnier- und Sägewerke, die ganze Holzindustrie, hatten früher in Main-Spessart und in der Rhön ihren Sitz«, erläutert Matreux. Durch die Nähe zur Holzbranche in der Region ist die Kundschaft über die Jahre stetig angewachsen.

    Seit 1973 ist Georg Matreux schon zum »Holz streichen« unterwegs. Damals noch mit seinem Vater Otto Matreux. Die Umstellung von der Seilwinde zum Kranwagen in den 1970er Jahren hatte die Familie Matreux zur Holzveredelung gebracht.

    Saison von Oktober bis Mai

    »Der Wagen war damals zu teuer und mein Vater hat das Risiko gescheut, einen Kranwagen zu kaufen, weil zu viel Konkurrenz da war«, erzählt Georg Matreux. Nach dem frühen Tod seines Vaters im Jahr 1980 übernahm Georg Matreux mit seinem Bruder Wolfgang das Geschäft. Seit 1987 führt er die Geschäfte alleine.

    Die Saison geht von Ende Oktober bis Mitte Mai. Der Rechtenbacher ist heute mit seinen drei Mitarbeitern auf den Holzplätzen im gesamten Bundesgebiet anzutreffen. Aber auch in Frankreich sind Matreuxs Dienste gefragt.

    Viel hat sich über die Jahre am Arbeitsablauf nicht geändert. Außer vielleicht, dass die Qualität der Eichen nachlässt. »Die Rosinen sind nicht mehr da wie früher«, schildert Georg Matreux seine Eindrücke.

    Bearbeitet von Jochen Kümmel

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