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    Karlstadt

    Glanzstück fürs Museum: Das Kelten-Schwert von Schönarts

    Das 1991 gefundene Schwert aus der Latènezeit wurde restauriert. Wolfgang Merklein (links) und Werner Kühnlein heben es vorsichtig aus der Vitrine. Foto: Klaus Gimmler

    Wer war dieser keltische Krieger, der in der Latènezeit ungefähr zwischen 200 und 300 Jahren v. Chr. bei Schönarts begraben worden ist? Wolfgang Merklein, Vorsitzender des Historischen Vereins Karlstadt, und Museumsleiter Werner Kühnlein zucken mit den Schultern. Schwer, etwas über ihn zu sagen. Vermutlich wird er im Stammesverband eine hohe Stellung gehabt haben, da er mit Grabbeigaben beerdigt worden ist. Sein Grab wurde 1991 bei Pflugarbeiten entdeckt. Das herausragendste Fundstück ist dabei ein verbogenes Eisenschwert von 74,5 Zentimetern Länge. Dieses hat der Historische Verein Karlstadt nun restaurieren lassen und es soll ein Glanzstück in der Neukonzeption des Museums für Stadtgeschichte werden, wenn es nach der Renovierung in der Hauptstraße wieder öffnet.

    Merklein öffnet die Vitrine, in dem das Schwert derzeit untergebracht ist. Behutsam hebt er es in die Höhe. Dazu hat er weiße Handschuhe angezogen, damit keine Hautfeuchtigkeit an die Waffe gelangt. Währenddessen hat Kühnlein vier Beutel mit Selica-Gel vorbereitet, die er in die Vitrine unter dem Schwert verteilt. Diese sollen die Luftfeuchtigkeit senken, damit das gute Stück nicht rostet.  "Denn derzeit kommt hier die Feuchtigkeit durch alle Ritzen", sagt Merklein mit Blick auf die Räume des Museums in der Hauptstraße 11.

    Aber das soll sich ändern. Merklein wurde zugesagt, dass auch dieses Gebäude saniert wird. Dann lassen sich die Räume besser temperieren. Derzeit ist die Sanierung des Gebäudes in der Hauptstraße 9 im vollen Gange. Die Räume sind für die Ausstellung "Zeitbrüche" des früheren Domkapitulars Jürgen Lenssen vorgesehen. 

    Landwirte stieß auf Tonscherben

    Das nun mit finanzieller Hilfe der Stadt restaurierte Schwert stammt aus einem Grab, das 1991 im Werntal bei Schönarts zwischen Stetten und Eußenheim entdeckt worden ist. Ein Landwirt war bei Pflugarbeiten auf Tonscherben gestoßen und hatte dies dem Landesamt für Denkmalschutz gemeldet. Zu Tage kam ein Grab mit der vollständigen Ausrüstung eines keltischen Kriegers. Der Tote war in einer mit größeren Muschelkalksteinen umstellten Grabgrube eingebettet. 

    Das verbogene Eisenschwert lag über dem Becken und einem Bein des Toten und es war stark verrostet. Die Klinge steckte in einer eisernen Scheide, an der noch Textilreste zu finden sind. Lange Zeit bewahrte der Historische Verein das Schwert in einer Vitrine auf, bis sich der Verein entschloss, das Schwert aufzubereiten und es vom Rost zu befreien.

    Diese Aufgabe übernahm der Trierer Konservator Detlef Bach. Er legte das Schwert mehrmals in ein alkalisches Bad, es wurde gewässert, bis sich der Rost löste. Sogar Textilreste, die auf eine Unmantelung aus Stoff hindeuten, konnten mit diesem Verfahren gesichert werden.  

    Das Latène-Schwert vor der Restaurierung ... Foto: Wolfgang Merklein
    ...  und nach der Restaurierung. Deutlich ist zu sehen, dass die Schwertspitze in einem eisernen Schaft steckt. Links vom Schaft sind Textilreste, die auf eine Ummantelung aus Gewebe hindeuten. Foto: Detlef Bach

    Dass das Schwert verbogen ist, ist keine Folge des Verfalls. "In vor- und frühgeschichtlicher Zeit kommt es immer wieder vor, dass Grabbeigaben unbrauchbar gemacht werden", erklärt der aus Karlstadt stammende Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalschutz auf Anfrage. Schwerter seien zumindest in mittelalterlichen Überlieferungen auch magische Objekte, denen man Namen gab. Es gehe dabei um die Mitgabe der befreiten Seele des Objekts ins Jenseits.

    Grabhügel wurden verschleift

    Die Fundstelle in Schönarts ist laut Obst ein länger genutzter Bestattungsplatz. Dort konnte dank der Zustimmung des Grundstücksbesitzers Karl Renk  gegraben werden. Renk habe auch weitere Funde dem Museum zur Verfügung gestellt, sagt Obst, der vermutet, dass es dort auch Grabhügel gegeben hat. Doch durch die landwirtschaftliche Nutzung seien die Hügel verschleift und die Gräber stark in Mitleidenschaft gezogen.

    Die Archäologische Arbeitsgemeinschaft Karlstadt, eine Organisation des Historischen Vereins, hat dort in den 90er Jahren einzelne Notbergungen durchgeführt, aber nur noch letzte Reste hallstattzeitlicher Brandgräber bergen und dokumentieren können. Für Obst ist es fraglich, ob dort heute noch was erhalten ist. "Ein trauriges Schicksal leider vieler Bodendenkmale." Möglich wären geophysikalische Untersuchungen, um etwas zu finden.

    Als gesichert gilt, dass es bei Schönarts wie auch im gesamten Werntal zahlreiche Siedlungen aus der Eisenzeit (Hallstattzeit und Latènezeit) gab. Die Region ist aufgrund der guten Böden, des milden Klimas und der Topographie seit der ältesten Jungsteinzeit intensiv besiedelt, sagt Obst. Es habe Einzelhöfe und Weiler gegeben. Größere Siedlungen der Latènezeit finden sich im Maintal beispielsweise bei Karlburg. Stadtartige Siedlungen („Oppida“) wie beispielsweise bei Staffelberg oder Manching seien jedoch in der näheren Umgebung nicht bekannt.

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