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    Marktheidenfeld

    Gleichberechtigung in Kirche: "Wir Frauen sind nicht mehr brav"

    Die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche im Visier: Edith Fecher bei ihrem Vortrag im Pfarrheim in Marktheidenfeld. Foto: Heidi Vogel

    In Zeiten von "Maria 2.0" hatte der Katholische Frauenbund Marktheidenfeld, ein Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB), zu einem Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema "Schweigen ist out. Wir reden! Frauen bewegen die Kirche" ins Pfarrheim eingeladen. "Herzlichen Dank, dass du uns so beschenkt hast. Man merkt, du brennst für dieses Thema", sprach Gemeindereferentin Rita Geißler der Referentin Edith Fecher am Ende des rund zweieinhalbstündigen Vortrags freudestrahlend ihren Dank aus.

    Die Diplom-Theologin aus Gemünden, die sich nach eigenen Angaben bereits seit langer Zeit mit der Rolle der Frauen in der katholischen Kirche beschäftigt, machte gleich zu Beginn deutlich: "Wir sprechen darüber, weil die Kirche es uns wert ist." Geschickt zog Fecher die fast 30 Besucherinnen, darunter neben Pfarrer Hermann Becker ein weiterer Mann, in ihren Bann. Bereits nach 20 Minuten, nachdem sie Auszüge aus dem Apostolischen Schreiben von Papst Johannes Paul II. aus dem Jahr 1994 vorgetragen hatte, wonach die Kirche keinerlei Macht habe, Frauen die Priesterweihe zu spenden und diese Entscheidung endgültig sei, erklärte sie die Veranstaltung mit einem Augenzwinkern für beendet.

    "Aber ein Diskussionsverbot von Fragen, die noch nicht abgeschlossen sind, funktioniert nicht  - erst recht nicht bei uns Frauen", schob sie jedoch gleich hinterher. In diesem Zusammenhang zitierte sie ein Sprichwort von Albert Camus: "Wer etwas will, sucht Wege. Wer etwas nicht will, sucht Argumente." In Bezug auf die aktuelle Debatte ergänzte Fecher das Sprichwort: "Wem die Argumente ausgehen und wer aber trotzdem seine Macht behalten will, erlässt ein Diskussionsverbot."

    Acht Argumente gegen die Gleichberechtigung von Frauen stellte sie dem interessierten Publikum zunächst vor. So empfange laut Kirchenrecht nur ein Mann die gültige Weihe. Da Jesus Christus ein Mann war, könne die Repräsentation bei der Heiligen Messe nur durch einen Mann erfolgen. Aber auch Argumente wie die Treue zur Tradition, die Gefahr der Spaltung und der Umstand, dass es kein Recht auf Weihe gebe, führte sie neben dem Apostolischen Schreiben aus dem Jahr 1994 an.

    Mit der Frage, was dies für die Frauen in der Kirche, aber auch in der Gesellschaft bedeute, bezog Pastoralreferentin Fecher, die als Kurseelsorgerin in Bad Brückenau tätig ist, die Anwesenden mit ein. "Man vergibt viele Chancen und großes Potenzial", meinte Rita Geißler, während eine andere Besucherin anfügte, dass sich viele Frauen zurückziehen würden. "Wir diskutieren hier in die Luft rein, es wird sich nichts ändern", machte eine weitere Besucherin ihrem Unmut Luft.

    Um der Resignation entgegenzuwirken, gab Fecher den Besucherinnen Argumentationshilfen an die Hand, mit denen sie die zuvor genannten Gründe gegen eine Gleichberechtigung entkräften können. So gebe es bereits einige Weiterentwicklungen, wie beispielsweise Pastoral- und Gemeindereferentinnen oder Theologieprofessorinnen. Bei den Leitungsaufgaben sei bis 2030 in den deutschen Diözesen immerhin eine Frauenquote von 30 Prozent angestrebt.

    Die Wortwahl "Zulassung" bezüglich der Beurteilung durch Männer sei fragwürdig, vielmehr müsse es im Sinne der Gleichberechtigung "Zugang zu den Ämtern" heißen. Lehramtlich sei es mittlerweile nicht nur eine deutsche oder europäische, sondern eine weltweite Frage. Auch das Argument, dass die zwölf Apostel die ersten Amtsträger und männlich gewesen seien, entkräftete Fecher, die darauf verwies, dass Jesus überhaupt keine Ämter eingesetzt hat, sondern sich das "männliche Amt" erst nach dem ersten Jahrhundert entwickelt habe. Außerdem habe es Jüngerinnen wie die Apostelin Maria Magdalena gegeben.

    Aber auch das Beispiel Amazonasregion, wo Frauen zu 80 Prozent die Gemeinden leiten und die pastorale Arbeit leisten, führte die Theologin an. "Wir Frauen sind nicht mehr brav", erklärte Fecher mit Nachdruck den gesellschaftlichen Aspekt und fügte an, dass die Frauen der Kirche nicht schaden wollen, sondern im Gegenteil, dass ihnen an der Kirche noch etwas liege. Mit der wichtigsten Fragestellung, nämlich was Jesus heute sagen und verkünden und wie er handeln würde, entließ sie ihr begeistertes, aber auch nachdenkliches Publikum.

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