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    Lohr

    Glosse: Der Bayerstürmer und die Sturzgeburt

    Der Bayerstürmer (Logo) Foto: Zeichnung Achim Greser

    Nicht nur unser Italo-Barde in der Fußgängerzone, der mit der eindringlichen Stimme und der Gitarre in der Hand, suchte am Freitagnachmittag ein Plätzchen im Trocknen; wer noch unterwegs war, der hastete mit Schirm in der Hand durch die Altstadt: Lohr hatte endlich das, was viele im Sommer ersehnt hatten: intensiven Regen. Nur ein Häuflein uniform in Blau Gekleidete harrte aus unter dem uniformblauen Dach am Alten Rathaus. 

    Infostand der Polizei zum Thema Prävention gegen Einbrüche Foto: Roland Pleier

    Das humorvolle "Dienstschluss" eines Passanten ließen die angehenden Polizisten an sich abperlen. "Wir harren aus!" so der Uniformierte mit Vollbart und den meisten Sternen auf den Schulterklappen. Allein, was half's: Ihre Faltblätter, mit denen sie Passanten vorbeugend über Einbruchsicherung beraten wollten, brachten sie unter diesen Umständen weder an Mann noch an Frau. So wurde es zur Durchhalteprüfung für die blutjungen Polizeischüler. Das Abschlusszertifikat "bestanden" haben sie sich verdient. Eine Stunde später schien wieder die Sonne. Ich habe gelernt: Manchmal lohnt das Warten.

    Nassrasur mit heißem Kompressor: Der neue Barbier macht auf sich aufmerksam. Foto: Roland Pleier

    Dazulernen muss auch der Barbier, der demnächst in der Turmstraße seine Ladentür für die Männer öffnet. Die Preisliste hängt schon aus. Gut, der ein oder andere Rechtschreibfehler sei den Bartspezialisten verziehen. Doch was mir schleierhaft ist: Wie bitte setzt der Barbier einen Heiss Kompressor ein? Um einen Föhn damit zu betreiben etwa? Wollen wir mal hoffen, dass er damit heiße Kompressen meint. Dass er beim Schneiden weniger Fehler macht als bei der Rechtschreibung, davon geh ich mal schwer aus.  

    Keinen Fehler gemacht hat der Vogt von Rieneck. Pardon - der Florian Vogt aus Rieneck. Das ist der Mann, der seine Maria hochschwanger nach Würzburg bringen wollte und dann als Hebamme in die Geburtsurkunde seiner Tochter Johanna eingetragen wurde. Ort der Niederkunft war der Straßenrand der Bundesstraße 26. Das lässt natürlich Stimmen laut werden, die nach einer Geburtsstation im künftigen Klinikum Lohr schreien. Zugegeben, so rein emotional würd' mir das gut gefallen. Auch wenn die Mütter heutzutage ganz schön wählerisch geworden sind, fände ich das angenehm. 

    Den Rieneckern aber hätte in ihrem Fall auch die Klinik in Lohr nichts genutzt. Die gefahrenen Kilometer zugrunde gelegt, hätten sie es grad noch bis Sackenbach geschafft. So schlägt sich die Geburt der jungen Rieneckerin denn in der Statistik der Stadt Karlstadt nieder und nicht in Lohr. Aber seien wir doch ehrlich: Eigentlich ist's wurscht. Hauptsache der kleinen Johanna und ihren Eltern geht's gut - nicht nur weil wir Lohrer ja seit Jahrhunderten eine innige Beziehung zu den Rieneckern haben. 

    Ein geistreiches Wochenende wünscht Euch Euer Bayerstürmer

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