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    Karlstadt

    Glosse Sack Zement: Was sagt die Wahlkampfsprache über die Kandidaten?

    Eine Analyse von Werbung und Pressemitteilungen im Kommunalwahlkampf.
    Wahlwerbung in Karlstadt.
    Wahlwerbung in Karlstadt. Foto: Markus Rill

    Die Wahl lässt uns nicht los. Wir entschuldigen uns dafür, schon wieder eine Glosse den Kommunalpolitikern zu widmen,  aber das sind zurzeit nun mal die lustigsten Menschen, die öffentlich im Landkreis auftreten – allen Närrinnen und Narrhalesen zum Trotz.

    Ein Lehrer wies die Redaktion dieser Tage darauf hin, dass ein ordentlicher deutscher Satz aus Subjekt, Prädikat und bitteschön einem Objekt zu bestehen hat. Die auf Karschter Wahlkampfplakaten zu lesende Parole "Zuhören. Entscheiden. Umsetzen." führe ob ihrer eigenwilligen Interpretation der grammatischen Regeln bei Germanisten zum Aufrollen der Zehennägel. Tja, nun, dann haben Pediküre-Anbieter in der Kreisstadt dieser Tage eben Hochkonjunktur. "Würde Jesus das wollen?" heißt es dazu auf einem anderen Wahlplakat.

    Andererseits, wenn wir mal nicht päpstlicher als ein Deutschlehrer sein wollen, suggeriert der Punkt nach jedem substantivierten Verb ein Innehalten, womöglich gar ein Überlegen. Und nach dem Zuhören sowie vor dem Umsetzen mal zu überlegen, kann nun wirklich keinem Politiker schaden. 

    Anders verhält es sich bei dem Slogan "Miteinander. Karlstadt. Bewegen." Da erkennen wir zwar Rudimente von Satzbau, aber die Zeichensetzung wirft Fragen auf. Signalisiert der Punkt auch hier ein Innehalten und Überlegen? Wusste der Kandidat nicht, wie's weitergehen soll? Erwog er nach "Miteinander. Karlstadt." zunächst andere Optionen wie "Zerstören.", "Ruinieren." oder "Erregen."? Schwer zu sagen.

    Ist aber auch schwierig, auf einem Plakat in wenigen Worten die gesammelten Ambitionen, Ziele und Pläne für die Zukunft der Stadt rüberzubringen. Dafür gibt's Broschüren und Pressemitteilungen der Wahlkämpfer, in denen sie sich erklären können. Und, ganz ehrlich, da steht bei den im Stadtrat vertretenen Parteien durchaus noch Gehaltvolleres drin als "Ärmel hochkrempeln", "Aufs Rad setzen" oder die oben genannten Parolen.

    Anders verhält es sich bei den Voldemorts der deutschen Politik, bei denen, die neulich in Thüringen nicht ihren eigenen Kandidaten, sondern den der FDP gewählt haben. Zu dieser inhaltlichen Bankrotterklärung passt die völlige sprachliche Pleite ihrer MSP-Vertreter in einer Pressemitteilung. Darin fordern sie nämlich die "Bekämpfung von Altersarmut und in Not geratener Mitmenschen, die trotz jahre- bzw. jahrzehntelanger geleisteter Arbeit mit erheblichen Problemen zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes konfrontiert sind".  Ach, ihr Kleingeister. Da gebt ihr euch solche Mühe mit einem über viele Zeilen laufenden Satz und Wörtern wie "Bestreitung", begreift aber nicht, dass eure Satzkonstruktion suggeriert, ihr hättet vor, die in Not geratenen Menschen ebenso zu bekämpfen wie die Altersarmut.

    Schon mal drüber nachgedacht, statt in die Politik in den Nachhilfeunterricht zu gehen? Der oben genannte Deutschlehrer hat noch Kapazitäten. Geschichte bietet er auch an. 

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