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    Lohr

    Große Verwirrung um die Fischergasse

    Stein des Anstoßes: Die künftige Breite des »Rollatorweges« könnte neuer Streitpunkt zwischen Fischergassen-Anwohnern und Stadt werden. Foto: Jana Bieberstein

    Der Lohrer Stadtrat hat den Protest der Anwohner der Fischergasse aufgegriffen und die Planung für deren Generalsanierung korrigiert. Demnach soll das historische Sandsteinpflaster nun doch zumindest teilweise erhalten bleiben. Doch womöglich bleibt es nicht bei dem am Montagabend dazu gefassten Beschluss. Denn er kam unter fragwürdigen Voraussetzungen zustande.

    Die Stadträte trafen ihre Entscheidung im Glauben, dass die zur Wahl stehenden drei Varianten mit den Anwohnern abgestimmt worden waren. Das hatten Bürgermeister Mario Paul und Roman Welzenbach, kommissarischer Sachgebietsleiter im Bauamt, den Stadträten versichert. Die Bürgerinitiative der Anwohner sei froh über die Umplanung und mit allen drei Varianten »einverstanden«, hatte Welzenbach gesagt.

    Stadt: Missverständnis

    Dieser Aussage widersprachen am Tag nach der Sitzung gegenüber der Redaktion gleich mehrere Anwohner. Teilweise herrschte Empörung über das Vorgehen der Verwaltung. Das Rathaus sprach am Nachmittag dann davon, dass es womöglich ein »Missverständnis« gegeben habe. Dieter Daus, Pressesprecher der Stadt, kündigte an, dass man »der Sache auf den Grund gehen« und das erneute Gespräch mit der Bürgerinitiative der Fischergassen-Anwohner suchen werde.

    Im Vorfeld der Stadtratssitzung hatten zwei Mitarbeiter der Verwaltung offenbar nur mit einem einzigen Vertreter der Bürgerinitiative gesprochen: Christoph Zschocke. Dieser erklärte gegenüber der Redaktion, dass ihm dabei die verschiedenen Varianten präsentiert worden seien. Er habe betont, dass er als Einzelperson nicht für alle Anwohner sprechen, sondern nur seine persönliche Meinung sagen könne. Und diese sei gewesen, dass er keine der ihm vorgeschlagenen Varianten in dieser Form befürworte, sondern eine Kombination angeregt habe, sagt Zschocke.

    Unterschiedliche Wegbreiten

    Die drei Varianten unterscheiden sich nicht nur in den Mehrkosten, sondern auch in Breite und Verlauf des so genannten Komfortweges. Dieser soll laut Beschluss des Stadtrates in der Mitte der Fischergasse barrierefrei mit neuem Betonpflaster angelegt werden, und zwar in einer Breite von 3,5 Metern. Auch durch die abzweigende Steinmühlgasse soll es einen solchen Weg geben, dort allerdings nur 1,2 Meter breit. Die Flächen links und rechts der »Rollatorwege« sollen mit dem alten Pflaster belegt werden.

    Die ursprünglich und auf 540000 Euro veranschlagten Planung hatte indes vorgesehen, in der gesamten Fischergasse das holprige historische Sandsteinpflaster durch neues Betonpflaster zu ersetzen. Dagegen jedoch hatten die Anwohner protestiert. Die Stadt machte sich daraufhin zusammen mit den Planern auf die Suche nach Alternativen. Die Stadträte nun entschieden sich am Montag in der Annahme, dass die Anwohner einverstanden seien, mit großer Mehrheit für die umfangreichste Variante, die mit 80000 Euro Mehrkosten einhergeht. Sie sieht eben genau den 3,5 Meter breiten Rollatorweg durch die Fischergasse vor. Also die Lösung, von der der einzige im Vorfeld befragte Anwohner, Christoph Zschocke, sagt, ihn gegenüber den Verwaltungsmitarbeitern deutlich abgelehnt zu haben.

    Zschocke: 3,5 Meter viel zu breit

    Er halte eine Breite von 3,5 Metern für den barrierefreien Streifen für viel zu breit, weil dadurch Autos angezogen würden, begründet Zschocke seine Meinung. Der Stadtrat habe sich für die »schlechteste Variante« entschieden, sagt er. Er sei bei dem Gespräch mit den Verwaltungsmitarbeitern davon ausgegangen, dass die Planung noch mit der Gesamtheit der Anwohner abgestimmt werde. Das Rathaus indes schildert, dass man davon ausgegangen sei, dass Zschocke die Mitglieder der Bürgerinitiative über die Varianten informieren werde. Zschocke habe Verständnis für die barrierefreien Streifen gezeigt und sich gefreut, dass die Verwaltung den Wunsch der Anwohner aufgegriffen und neu geplant habe.

    Während zwischen Verwaltung und Anwohnern also noch deutlicher Klärungsbedarf besteht, gibt es womöglich noch eine andere Option. Aus den Reihen des Stadtrates wurde am Montag jedenfalls der Wunsch laut, dass die Stadt versuchen sollte, größere Mengen des historischen Pflasters nachzukaufen, um den Rollatorweg doch noch schmäler machen zu können.

    Findet sich noch altes Pflaster?

    Denn der Streifen aus ebenen Betonsteinen fällt womöglich nur deshalb so breit aus, weil nach Ansicht des Planungsbüros die historischen Pflastersteine knapp werden könnten. Sie rechnen damit, das ein Drittel des in Fischer- und Muschelgasse vorhandenen Pflasters beim Ausbau derart beschädigt wird, dass es nicht mehr zu gebrauchen ist.

    Eric Schürr (Bürgerverein) riet den Planern angesichts dessen dazu, doch mal bei der Stadt Gemünden anzurufen. Dort werde altes Pflaster ausgebaut, weil ein Rollatorweg angelegt werden soll. Stefan Hümpfner vom Planungsbüro Balling jedoch riet von derlei Zukauf ab. Die Gefahr, dass anderes Pflaster in Qualität und Aussehen nicht zu dem in der Fischergasse verlegten passe, sei sehr groß.

    Doch womöglich ist auch in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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