• aktualisiert:

    Gössenheim

    Großübung bei Firma Systec: Drei "vermisste Personen" gerettet

    Die Feuerwehren aus Gössenheim und Umgebung erprobten auf dem Gelände der Anlagenbaufirma Systec am Ortsrand von Gössenheim die Zusammenarbeit. Foto: Michael Mahr

    Mit Blaulicht und Martinshorn rückte die Gössenheimer Feuerwehr am Dienstagabend einige Minuten nach 18 Uhr aus. Ziel des Löschfahrzeugs war das Betriebsgelände der Firma Systec an der Straße „Am Sportplatz“ oberhalb des Dorfes. Wenig später wurden zwischen den Hallen mit Schwung aufgewickelte Schläuche abgerollt und Verteiler angeschlossen. Feuerwehrleute schulterten gelbe Pressluftflaschen und kontrollierten die Funktion der Atemregler.

    Kommandant Achim Strohmenger hatte seine Leute alarmieren lassen, um auf dem Gelände der Anlagenbaufirma eine Großübung abzuhalten. In der Systec-Niederlassung in Gössenheim sind rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, die in zwei Schichten Anlagen und Komponenten fertigen, unter anderem Vakuumkammern oder Gefriertrocknungsanlagen.

    „Es ist für die örtliche Feuerwehr wichtig, die Firmen zu kennen“, sagt Kommandant Strohmenger. Deswegen gab es vor einiger Zeit eine Begehung des Firmengeländes. Anhand des Feuerwehrplans, den es für besondere Orte und Objekte gibt, wurde ein Einsatzplan erstellt, in dem Strohmenger für die Feuerwehr relevante Angaben besonders hervorhob, etwa „Hydranten oder Bewegungsflächen für die Fahrzeuge“.

    Zusammenarbeit mit Nachbarwehren trainieren

    Damit dieses Wissen nicht im kleinen Zirkel bleibt, konzipierte der Gössenheimer Kommandant mit der Kreisbrandinspektion die Großübung. Sie sollte auch die Zusammenarbeit mit den Wehren der Nachbarorte trainieren, wie das in der Regel einmal pro Jahr gemacht wird.

    Eine Verpuffung im Kompressorraum der Firma Systec wurde den ersten eintreffenden Feuerwehrleuten gemeldet, und dass eine Person vermisst werde. Der Atemschutztrupp der Gössenheimer Wehr arbeitete sich mit Schlauch und Brecheisen in den Kompressorraum vor. Die vermisste Person, eine Stoffpuppe, war bald geborgen.

    Es stellte sich jedoch heraus, dass sich inzwischen ein Brand ausgebreitet hatte. Aus einer benachbarten Halle quoll starker Rauch, den eine Nebelmaschine erzeugte. Daher wurde die Feuerwehr Wernfeld nachgefordert, ebenfalls mit Atemschutzgeräteträgern. Diese bargen aus der verqualmten Halle zwei weitere Puppen.

    Um den angenommenen Brand unter Kontrolle zu bekommen, wurde bei der Übung selbst die Wern angezapft. Die Karsbacher Feuerwehr baute eine lange Schlauchstrecke bis zum Firmengelände auf. Die Wehren aus Heßdorf und Sachsenheim sorgten mit ihren Verstärkerpumpen für den nötigen Wasserdruck. Die Wehren aus Höllrich und Weyersfeld waren ebenfalls vor Ort. Geleitet wurde die Übung von der Einsatzzentrale der Gemündener Feuerwehr aus, die nach Gössenheim beordert wurde.

    Ziel erreicht, auch wenn nicht alles klappte

    „Wir haben eine Riegelstellung aufgebaut. Wir haben einen Schaumangriff gefahren“, fasste Achim Strohmenger am Ende der Übung zusammen. Außerdem wurde ein Lichtmast wurde aufgebaut, als es dunkel wurde. Weil es inzwischen in Strömen goss, rief Strohmenger nach rund eineinhalb Stunden das Ende der Übung aus. Die Ziele der Übung wurden erreicht, bilanzierte Achim Strohmenger, auch wenn es immer Sachen gibt, „die nicht optimal laufen“.

    So war eine Pumpe in der langen Schlauchstrecke eigentlich für einen eigenständigen Löschangriff vorgesehen, für den Schaumangriff stand nicht gleich genug Wasserdruck zur Verfügung. Das schlechte Wetter bescherte die Erkenntnis, dass die Reichweite der digitalen Funkgeräte in der so genannten Einsatzfunkgruppe bei solchen Bedingungen an Grenzen gerät. Kreisbrandmeister Edgar Ruppert, der mit Kreisbrandmeister Benjamin Egert die Übung beobachtete, monierte außerdem, dass die Atemschutztrupps auch andere Aufgaben bekamen. Eigentlich hätte die Rettung der Vermissten aus dem verrauchten Gebäude oberste Priorität haben müssen.

    Weitere Artikel
    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!