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    Lohr

    "Gut für Fische": Bund Naturschutz verteidigt Biber gegen Hegefischer

    Der Biber ist in Bayern wieder heimisch geworden. Das Nagetier sorgt immer wieder für Konflikte. Foto: Patrick Pleul, dpa

    In einem Artikel vom August „Hegefischer schlagen Alarm: Biber zerstören Fischgewässer“ wird der Biber verantwortlich dafür gemacht, dass in den Oberläufen der Lohr und ihrer Nebenflüsse den Fischen der Lebensraum genommen wird. Eine Ausbreitung des Bibers führe man auf das Fehlen natürlicher Feinde zurück. Gleichzeitig vermisse man ein Konzept zur „Biber-Problematik“.

    Der Bund Naturschutz nimmt dazu wie folgt Stellung:

    Der Biber war Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Mittlerweile ist der Biber wieder in Bayern heimisch und hat sich viele Reviere zurück erobert. Seit seiner Wiedereinbürgerung hat sich der Biber als Landschaftsgestalter schlechthin bewiesen: dort, wo er tätig wird, sorgen seine Aktivitäten für eine Strukturbereicherung und Auenrevitalisierung, was sich positiv auf  die Entwicklung der Artenvielfalt auswirkt.

    Fische profitieren vom Biber

    Biberreviere zählen zu den artenreichsten Biotopen im Freistaat. Auch Fische profitieren enorm von der Umtriebigkeit des Bibers. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass in den Biberrevieren nicht nur mehr verschiedene Fischarten leben, sondern auch das Gewicht der einzelnen Tiere zunimmt. Auch die Fischdichte kann dort bis zu 80-mal höher sein als in biberfreien Gewässern.

    Biberdämme verwandelten reine Fließgewässer in ein System aus unterschiedlich großen Teichen und dazwischen liegenden Fließgewässerstrecken, auf denen Fische Biberdämme umwandern können. Im Gegensatz zu vielen von Menschen gemachten Barrieren beeinträchtigen Biberdämme die Durchgängigkeit der Gewässer nicht.

    Wasser fließt langsamer

    Durch das stehende und langsamer fließende Wasser werden Sedimente und Nährstoffe in den Biberteichen zurückgehalten und bilden so den Anfang eines reichhaltigen Nahrungsnetzwerkes im Biberteich und in dessen Umgebung. Der Sedimentrückhalt führt dazu, dass unterhalb des Biberdamms das Wasser klarer ist und Kieslücken im Bach wieder freigespült werden. Dies schafft Laichgründe für Fischarten wie Äsche und Forelle.

    Der Mensch dagegen hat dem Bach 99 Prozent seines „ursprünglichen“ Raums genommen, ihn begradigt, den Fischen Versteck- und Rückzugsräume genommen. Zudem wirken stoffliche und andere Belastungen auf die Bäche. Deswegen verpflichtet uns die Wasserrahmen-Richtlinie, das Wassergesetz und auch Naturschutzgesetze und die bayerische Biodiversitätsstrategie zur Renaturierung und ökologischen Verbesserung der Gewässer, was bereits in vielen sehr guten Projekten auch auf der kommunalen Ebene umgesetzt wird. Kombiniert man nun eine Nutzungsaufgabe der Uferrandstreifen mit der Duldung von Biberaktivitäten ist der Wert für den Naturschutz erheblich.

    Konflikte mit der Landwirtschaft

    Aber auch für den Hochwasserschutz leistet der Biber wichtige Arbeit: während in einem Gebiet ohne Biberdämme ankommendes Wasser innerhalb von drei bis vier Stunden wieder abfließt, dauert es in gestauten Bereichen bis zu 19 Tage. Dadurch versickert und verdunstet bereits im Oberlauf von Bächen mehr Wasser und Hochwasserspitzen werden gekappt. Umgekehrt profitieren in trockenen Jahren Natur und Landwirtschaft vom „Wasserrückhaltesystem“ des Bibers.

    Trotz all dieser Leistungen des Bibers für Mensch und Natur gibt es in unserer dicht besiedelten und intensiv bewirtschafteten Landschaft Konflikte: zum Beispiel wenn der Biber mit einem seiner Dämme eine Wiese unter Wasser setzt oder ein Traktor im unterhöhlten Uferbereich einbricht.

    Seit 1996 gibt es ein Bibermanagement

    Deshalb gibt es bereits seit 1996 ein Bibermanagement des Freistaates Bayern. Seit über 20 Jahre wird dieses umgesetzt in enger Zusammenarbeit zwischen Bayerischem Umweltministerium, Bayerischem Landesamt für Umwelt, den Naturschutzbehörden an den Bezirksregierungen, Landratsämtern und den kreisfreien Städten, sowie inzwischen fast 500 ehrenamtlichen Biberberatern. So lassen sich für alle Konfliktfälle gute, meist überraschend einfache Lösungen finden. Viele Probleme tauchen gar nicht erst auf, wenn die Biber-Experten frühzeitig zurate gezogen werden.

    Zuständig für Biber sind in Bayern die unteren Naturschutzbehörden an den Landratsämtern oder den Verwaltungen der kreisfreien Städte. Bei Fragen und Problemen vermitteln sie den örtlichen Biberberater.

    Informationen zu Biber und Bibermanagement gibt es bei den Bibermanagern des Bund Naturschutz Horst Schwemmer, Telefon (0171) 2432269, Horst.Schwemmer@bund-naturschutz.de

    Bearbeitet von Lena Berger

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