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    Karlstadt

    Heimatgeschichte: Main-Spessarts erste "Bienen-Autobahn"

    Seit 2003 bringt ein Autorenkreis in seinem Jahrbuch Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. Auch in diesem Jahr gibt es Interessantes und Kurioses aus der Heimat.
    Das Jahrbauch 2019/20 wurde diesmal in der Uhrenstube des Historischen Rathauses vorgestellt. 21 Autoren wirkten dabei mit. Foto: Günter Roth

    Seit 2003 bringt ein Autorenkreis in seinem Jahrbuch Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. Erstmals wurde in diesem Jahr die strenge Reihenfolge der einzelnen Orte aufgelöst, die Beiträge sind in loser Folge. In der Uhrenstube des Historischen Rathauses Karlstadt stellten die Initiatorin Martina Amkreutz-Götz sowie die Mitredakteure Beatrix an Venrooy und Manfred Kleinwechter die einzelnen Beiträge vor.

    Was hat die Menschen in Karlstadt und in seinen Ortsteilen in der Vergangenheit bewegt – und was bewegt sie heute? Die Beiträge der fast zwei Dutzend Autoren befassen sich weniger mit den Ereignissen der "Großen Geschichte" – und wenn doch, dann immer unter dem Aspekt, wie diese sich auf das Leben in Karlstadt ausgewirkt haben. "Wir wollen unser Augenmerk verstärkt auf die wichtigsten Ereignisse im Ort aus den verschiedensten Blickwinkeln legen und womöglich auch Langzeitprojekte in den Fokus nehmen, die uns noch eine Weile begleiten werden", sagte Amkreutz-Götz.

    Ein Dorfschullehrer für 128 Schüler

    Da sind beispielsweise die 128 Schüler, die der Dorfschullehrer im Jahr 1828 nach der Einführung der Schulpflicht zeitweise zu unterrichten hatte. Da ist aber auch die erste "Bienen-Autobahn" im Landkreis, die als Projektversuch nach dem Volksbegehren in diesem Jahr bei Karlburg entlang der Staatsstraße nach Lohr mit einem opulenten Blühstreifen angelegt wurde. Der technische Fortschritt zeigte auch in Stetten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Wirkung, als man die beliebten und bis dato erfolgreichen Gemeinschaftskühlanlagen nach und nach auflöste, weil zunehmend Kühl- und Gefrierschränke in den Einzelhaushalten zu finden waren.

    Einen verheerenden Gewittersturm mussten die Rohrbacher im August 1958 erdulden, der weite Teile des Dorfes verwüstete und einen Schaden von über 700 000 Mark anrichtete – eine für die damalige Zeit riesige Summe. Dass das allgemeine Mühlensterben auch im Werntal seine Folgen hatte, wird aus Stetten berichtet, wo bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts drei Müller ihr Auskommen hatten.

    Kunst im Oberen Tor in Karlstadt

    Die Galerie im Oberen Tor ist schon lange ein Kleinod im kulturellen Leben der Stadt. Mehrere Galeristen mit verschiedenen Konzepten haben hier schon Ausstellungen organisiert. Gegenwärtig ist hier der Karikaturist Carlo Dernbach ansässig. Von einem besonderen aktuellen Ereignis wird aus Heßlar berichtet, wo die Trachtenkapelle zum zweiten Mal zu Besuch im brasilianischen Blumenau beim zweitgrößten Oktoberfest der Welt hatte.

    In Laudenbach war wohl schon im Jahr 1903 der damalige Pfarrer Horn seiner Zeit voraus, als er in der Dorfmitte nicht nur eine Kinderbewahranstalt ins Leben rief, sondern dieser ein Betreuungs- und Bildungszentrum – auch für "schulentlassene heranwachsende Mädchen – und eine ambulante Krankenpflegestation angliederte. Ein ambitioniertes Vorhaben, quasi als Vorläufer der heutigen sozialen Gemeinschaftshäuser.

    Bei der offiziellen Vorstellung in der Uhrenstube des Rathauses bezeichnete Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck das Jahrbuch als Enzyklopädie der Heimatgeschichte für die Stadt. Es sei eine wurnderbare Sammlung von Geschichten, die ansonsten für immer verloren gegangen wären. Das Titelbild "Winterliches Karlstadt" ist in diesem Jahr ein Aquarell von Wolfgang Merklein. Die musikalische Umrahmung der Veranstaltung lag bei dem Fagott-Trio der Musikschule Karlstadt.

    Michael Kralik folgt als Herausgeber auf seinen Vater

    Der Herausgeber des Jahrbuchs 2019/20 ist jetzt Michael Kralik, der auch hier die Nachfolge seines Vaters Gerhard angetreten hat. Das Buch ist druck- und bildtechnisch auf dem neuesten Stand und sehr ansprechend gestaltet. Die Beiträge der 21 Autoren wurden von einem kleinen Team mit Martina Amkreutz-Götz, Beatrix van Venrooy, Manfred Kleinwechter, Willibald Niklaus und Günter Roth redigiert und zusammengestellt. Im Anschluss an die einzelnen Themen sind wieder die Chroniken der Ortsteile aus dem Jahr 2018 zu finden.

    Als Besonderheit hat der Mitautor Georg Büttner alle seit 2003 erschienenen Artikel in einer Liste zusammengefasst. Diese kann im Internet auf der Seite "Jahrbuch.info" heruntergeladen werden. Das Jahrbuch 2019/2020 kann bei der Buchhandlung Schöningh in der Alten Bahnhofstraße, beim Herausgeber Michael Kralik, Am Steinlein 12 und bei den Autoren für 19,80 Euro erworben werden.

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