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    KARLSTADT

    „Herdmanns“ feiern umjubelte Premiere

    „Hilfe, die Herdmanns kommen” ist eine Weihnachtsgeschichte voller guter Gedanken und jenseits aller Betulichkeit. Bei der Premiere im Theater in der Gerbergasse gab es begeisterten Applaus. Foto: Günter Roth

    Eine gute Nachricht vorweg: Das Kinderstück „Hilfe, die Herdmanns kommen“ unter der Regie von Maria Emsden feierte im Theater in der Gerbergasse eine umjubelte Premiere feiern. Die schlechte Nachricht: Wer jetzt Lust auf das Stück hat, aber noch ohne Karten ist, hat Pech. Schon zur Premiere am Freitagabend waren alle neun geplanten Vorstellungen bis zum Zweiten Weihnachtsfeiertag komplett ausverkauft!

    Die „Herdmanns“ – geschrieben von Barbara Robinson, bearbeitet von Nele und Paul Mahr, in Karlstadt inszeniert von Maria Emsden – sind eigentlich eine uralte Geschichte. Immer wieder neu aufbereitet und dennoch auch heute hoch aktuell. Es geht um scheinbar heiles bürgerliches Familienleben im Spannungsfeld mit sozial gefährdeten, prekären Verhältnissen, um den angepassten, immer gleichen Trott und um die verzweifelte Suche nach Anerkennung, Sicherheit und Wärme. Und es geht vor allem um den Zauber von Weihnachten, ganz ohne Rührseligkeit und Kitsch.

    Interessante Fragen

    Bei viel Spaß und schrillen Situationen tauchen wie nebenbei Fragen auf, die man sich sonst so nicht stellt: „Lasset die Kinder zu mir kommen!“ – ob diese Aussage Jesu wirklich auch für die Herdmanns gelten sollte? Ein Neugeborenes in einem Futtertrog? – „Bei uns lag der kleine Olli in der Schreibtischschublade“, bemerkte ein Hermann-Sprössling lakonisch. Sind die drei Weisen aus dem Morgenland womöglich vom Sozialamt? Und warum bezahlen die nicht das Hotel für die Heilige Familie? Was ist dran, wenn Leonore Thesen als „Verkündigungsengel“ statt der bekannt salbungsvollen Worte den Hirten zuruft: „Hey Leute! Euch ist ein Kind geboren!“ Ja, so könnte man die Weihnachtsgeschichte auch sehen!

    Neben der Geschichte sind die Schauspieler der Knüller. Mit Steffi und Eva Maselli sowie Michael Meisenzahl drei Erwachsene und dann die stolze Zahl von 15 hochmotivierten jungen Leuten, die in ihren Rollen aufgehen und die Zuschauer mitreißen. Die obercoolen Chaoten der Herdmanns-Familie, die im Laufe der Weihnachtsgeschichte ein bisschen Licht und Hoffnung erleben dürfen. Am besten zeigt sich das in der Rolle der Maria, gespielt von Katharina Lehrmann. Sie ist grob, rüpelhaft und raucht auf dem Mädchenklo Zigarren. Am Ende aber wird sie sanft und schließlich hält sie „ihr Jesuskind“ unter Tränen im Arm.

    Frisch und wohltuend

    „Hilfe, die Herdmanns kommen“ sind eine gelungene Mischung aus frischem Theaterspiel, ernsten Untertönen und einer wohltuenden Weihnachtsbotschaft. Geschickt zeigt die Regisseurin Emsden die sozialen Interaktionen: Wie sich die „Kinder aus gutem Hause“ von dem bisher langweiligen Krippenspiel zurückziehen, wie die schrecklichen Herdmanns sich da reindrängen, alles aufmischen, auf den Kopf stellen und schließlich eine Wandlung erleben. Das kommt authentisch und glaubwürdig.

    Pfiffig ist auch die Integration der Erwachsenen. Die hyperaktive und stringente Frau Armstrong, köstlich gespielt von Eva Maselli, der weitgehend ignorante, konservative Familienvater Bob (Michael Meisenzahl) und die herrlich aufgeregte und zeitweise verzweifelnde Mutter Barbara (Steffi Maselli), die dann doch Raum lässt, Impulse gibt und somit alles zum guten Ende führt.

    Angesichts der bereits ausverkauften Vorstellungen bleibt weiteren Interessenten nur die Hoffnung, dass sich die Beteiligten zu weiteren Aufführungen entschließen.

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