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    Lohr

    Hier wird jeder gründlich durchleuchtet

    Andreas Müller, Asadeh Lakghomi (rechts) und Eva Sander durchleuchten ihre Patienten in der radiologischen Praxis in Lohr und möglicherweise bald auch in Marktheidenfeld. Foto: Lena Schwaiger

    Die radiologische Versorgung der Bevölkerung im Landkreis ist gut. 2017 hat Andreas Müller die Praxis Dettmann neben dem Lohrer Krankenhaus übernommen. Inzwischen hat er einen zweiten Kassensitz dazu erhalten und zwei weitere Radiologinnen nach Lohr geholt. Jetzt streckt er seine Fühler nach Marktheidenfeld aus.

    Der 42-jährige Radiologe hat zuvor als außerplanmäßiger Oberarzt in einer Bonner Klinik gearbeitet. Über persönliche Kontakte ist er auf die Lohrer radiologische Praxis aufmerksam geworden. »Ich habe die Entscheidung, aufs Land zu ziehen, nicht bereut«, lautet sein Fazit nach zwei Jahren. »Man sieht hier wirklich alles, auch Krankheitsbilder, die in der Stadt von anderen Kollegen behandelt werden.« Eine ganz andere Herausforderung als in größeren Einrichtungen: »Man trägt eine große Verantwortung, weil man der Erste ist, der den Patienten untersucht und die weitere Prognose davon abhängt.«

    Besser im Team

    Sein Vorgänger hat die Praxis alleine geführt. Doch Andreas Müller arbeitet lieber im Team und hat zwei Ärztinnen in der Praxis angestellt. Asadeh Lakghomi ist Fachärztin für Radiologie und hat zuvor in einer Großpraxis in Köln gearbeitet, nach Angaben der 33-Jährigen die größte radiologische Gemeinschaftsorganisation in Europa.

    Eva Sander unterstützt die Praxis seit Anfang Januar als Teilzeitkraft. Die 44-Jährige ist in der Facharztausbildung und aus einer Aschaffenburger Praxis nach Lohr gewechselt. Mit beiden Ärztinnen verbinden Müller langjährige persönliche Kontakte – seiner Erfahrung nach der einzige Weg, um qualifiziertes medizinisches Personal nach Lohr zu bringen. Er hat es auch mit Headhuntern probiert. Aber »die haben nicht gefruchtet«, so Müller.

    »Die Befunde werden deutlich besser«, betont er die Vorteile der Zusammenarbeit. Außerdem können die Ärzte sich die Dienste aufteilen – denn im Notfall müssen Untersuchungen auch nachts und am Wochenende durchgeführt und die Ergebnisse beurteilt werden. In die Praxis kommen müssen Müller und seine Kolleginnen dafür aber nicht unbedingt. »Wir nutzen dafür ein teleradiologisches System«, erklärt der Radiologe.

    Alle drei wissen die Zusammenarbeit mit dem benachbarten Klinikum Main-Spessart zu schätzen. »Man hat die Vorteile von beidem, Praxis und Klinik, und die Möglichkeit zum interdisziplinären Austausch«, erklärt Müller. Auch im neuen Zentralklinikum, das eine Hauptabteilung Radiologie bekommen soll, will der Radiologe deshalb möglichst mit dabei sein. Aber noch ist nichts entschieden. »Die Gespräche laufen noch«, betont Müller.

    Ein zweiter Kassensitz

    Schon jetzt hat Müller einiges bewegt in der radiologischen Versorgung seiner Patienten. Zum einen ist es ihm gelungen, einen in Karlstadt freigewordenen Kassensitz für seine Praxis zu bekommen. So bleibt die Zahl der Kassensitze für Radiologie im Landkreis konstant. Zum anderen hat er sich mit dem Klinikum Main-Spessart auf eine Kooperation geeinigt, die es ihm ermöglicht, die Röntgenanlage im Klinikum zu nutzen. So könnten wieder Röntgenaufnahmen gemacht werden, ohne den Patienten gleich ins Krankenhaus einzuweisen.

    Lange Zeit kümmerte sich um solche Fälle eine andere Praxis mit einem eigenen Gerät, doch dort wurde das Röntgen aufgegeben. »Für zwei Monate gab es in Lohr kein ambulantes Röntgen«, erklärt Müller. Die Patienten hätten das gar nicht so gemerkt, das Klinikum aber schon. In der Folge seien Kranke in die Notaufnahme gekommen, nur um einen Husten abzuklären. »Das füllt Betten für nichts.«

    Statik ist geprüft worden

    Die Kooperation mit dem Klinikum will Müller nun eventuell auch in einer anderen Richtung weitertragen. Denn im Marktheidenfelder Krankenhaus steht ebenfalls eine Röntgenanlage, die vom Klinikum genutzt wird, aber nicht ausgelastet ist. Und im Nachnutzungskonzept für das Krankenhaus Marktheidenfeld ist von einer radiologischen Praxis die Rede. »Ich bin angefragt worden, ob ich übernehme«, berichtet Müller. Die Gespräche liefen gut, aber noch sei nichts unterschrieben.

    Klinik schätzt Zusammenarbeit

    Das Klinikum weiß die Arbeit der Radiologen zu schätzen. Die Zusammenarbeit in Lohr laufe reibungslos, erklärt Günter Betz, stellvertretender Klinikreferent. Auch Michael Pfab, Geschäftsleiter des Marktheidenfelder Krankenhauses, blickt positiv auf die mögliche Zusammenarbeit mit dem Radiologen und seinem Team. Teil der Gespräche ist auch die Installation eines MRT- oder CT-Gerätes, womit das diagnostische Angebot im Marktheidenfelder Haus vervollständigt würde. Die Statik des Gebäudes ist schon dahingehend geprüft worden.

    Bearbeitet von Lena Schwaiger

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