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    Retzstadt

    Hilfe für Behinderte: Online-Wegweiser für Barrierefreiheit

    Wie groß ist die Steigung für Rollstuhlfahrer? Peter Merkert misst die Schräge im Eingang zum Bürgertreff in Retzstadt. Assistiert wird er dabei (von links) von Elena Reinhard, Behindertenbeauftragte des Landkreises, Regionalmanagerin Saskia Nicolai und Birgit Köhler, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Retzstadt. Foto: Klaus Gimmler

    Für Behinderte ist ein unbekanntes Umfeld immer ein Risiko. Kommt ein Rollstuhlfahrer mit seinem Gefährt in den Aufzug? Gibt es eine Behindertentoilette? Findet ein Sehbehinderter den Schalter zum Öffnen der Tür? In Zukunft soll es den Behinderten möglich sein, den Besuch eines Gebäudes schon vorher auf Barrierefreiheit abzuklären. Der Landkreis will einen Digitalen Wegweiser erstellen. "Dann kann jeder entscheiden, ob der Besuch beispielsweise einer Bücherei für ihn möglich ist", sagt Regionalmanagerin Saskia Nicolai. Ziel sei es, den Menschen mit Behinderung einen Überblick über die für sie selbstständig erreichbaren Gebäude und Einrichtungen zu geben. 

    Dafür müssen Daten erhoben werden. Peter Merkert ist einer der "Erheber", die das Programm mit Informationen füttern, die für die Behinderten wichtig sind. Wie er vorgeht, demonstrierte er am Donnerstagvormittag am Retzstadter Bürgertreff. Zunächst geht es um den Eingang. Merkert misst die Schräge. "Zehn Prozent", sagt er und meint, dass dies nicht wenig sei, aber vermutlich hätten die wenigsten Rollstuhlfahrer auf dieser kurzen Strecke ein Problem damit. Der Belag aus Betonsteinen lasse sich gut befahren, stellt er fest.

    Fotos von Hürden werden ins Netz gestellt

    Merkert lobt die Stange an der Eingangstür, mit der sich die Tür in jeder Höhe öffnen lässt. Es gibt keine Schwelle und auch die Fliesen im Flur sind gut zu befahren, sagt er und trägt dies in seinen Erfassungsbogen ein. Im Flur ist eine Behindertentoilette, die ohne Probleme zu erreichen  ist. Dann geht es weiter ins Gebäude. Von Besonderheiten macht Merkert Fotos. Diese sollen dann im Netz auf schwierige Hürden aufmerksam machen.

    "Wir nehmen den Ist-Zustand auf", betont Elena Reinhard, die Behindertenbeauftragte des Landkreises. "Wenn es Hürden gibt, sollen diese mit Fotos und einer Beschreibung im Digitalen Wegweiser zu finden sein." So könne jeder Behinderte vorher sehen, ob er diese überwinden kann. Der Wegweiser wird Objekte aus allen öffentlichen Lebensbereichen beinhalten, erklärt sie, beispielsweise Arztpraxen, Hotels, gastronomische Betriebe und öffentliche Veranstaltungsräume. Diese seien angeschrieben worden mit der Bitte, sich am Digitalen Wegweiser zu beteiligen. Die Resonanz auf die Anfrage sei gut gewesen.

    Etwa 400 Gebäude sollen in einem ersten Schwung bis Ende des Jahres digital eingegeben werden, sagt Elena Reinhard. Dann soll spätestens Anfang nächsten Jahres der Wegweiser online gehen. Er soll gepflegt werden und weitere Gebäude können eingegeben werden. 

    Erheber werden gesucht

     Der Wegweiser wird gemeinsam mit den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg sowie der Stadt Aschaffenburg erstellt. Die Nutzer können als Suchkriterium das gewünschte Gebäude eingeben. Damit der Wegweiser bis Ende des Jahres online gehen kann, werden aktuell Objekte im ganzen Landkreis von geschulten Erhebern besucht. "Da brauchen wir noch Verstärkung", sagt Elena Reinhard.

    Wer Interesse hat, sich als Erheber zu betätigen, kann sich bei Elene Reinhard melden unter (09353) 793 1462. Es wird eine Aufwandsentschädigung erstattet.

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