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    Marktheidenfeld

    Hospizarbeit Main-Spessart: Einfach nur da sein, bis zum Tod

    Zuhören, beten, aber auch mal zusammen lachen: Rund 43 aktive Mitglieder des Hospizvereins Main-Spessart kümmern sich um todkranke Menschen und ihre Angehörigen in der Region.  Foto: Sebastian Widmann/dpa

    Der Anruf kam abends um 21 Uhr. Sie sei verzweifelt, ihre Mutter habe große Schmerzen, sie weiß nicht, was sie machen soll, erzählte die Frau am Telefon. Angelika Gebert-Adam hört zu, hört den Kummer in der Stimme, die Hilflosigkeit. Sie setzt sich ins Auto und fährt los.

    Gebert-Adam ist Hospizbegleiterin. Seit zehn Jahren ist sie beim Hospizverein Main-Spessart dabei. Anrufe wie die der Frau, die ihre sterbenskranke Mutter pflegt, gehören zu ihrem besonderen Ehrenamt dazu. Sie weiß damit umzugehen. Sie ist entsprechend geschult und sie hat den nötigen Abstand, um angstfrei und unbelastet mit den oft Schwerkranken umzugehen, die körperliche Nähe auszuhalten. Das, was nahe Verwandte oft nicht mehr schaffen, was vielen immer schwerer fällt, umso weiter eine Krankheit fortschreitet, wenn der Leidensdruck immer größer wird.

    In erster Linie sind es die Angehörigen, die Hilfe brauchen

    "In der Hospizbegleitung geht es oft darum, einfach nur da zu sein", erzählt die Hospizbegleiterin. Für den Patienten, aber auch für die Angehörigen. Meist seien es auch die Familienangehörigen, die Hilfe brauchen, erzählt Heribert Zeller, Vorsitzender des Hospiz-Vereins Main-Spessart. Jemand, der zum Beispiel beruhigt, wenn der Patient das Essen verweigert. "So etwas beschäftigt die Familien oft sehr. Aber es reicht manchmal, wenn die Menschen nur mal einen Schluck Cola trinken", so Zeller.

    Erzählen von der Arbeit im Hospizverein Main-Spessart: (von links) Hospizbegleiterin Angelika Gebert-Adam, Koordinatorin Petra Götz und Vorsitzender Heribert Zeller. Foto: Lucia Lenzen

    Rund 70 Menschen hat der Hospizverein im Jahr 2018 bis in den Tod begleitet. Knapp 4000 Stunden ehrenamtliche Arbeit sind dabei über Begleitungen, Fortbildungen und Beratungen angefallen. Dabei kann eine Begleitung manchmal nur einen Tag, manchmal auch mehrere Jahre dauern. "Schön ist, wenn wir möglichst früh informiert werden, um noch eine Beziehung zu den Patienten aufbauen zu können", erläutert Petra Götz, die einzige Angestellte im Verein. Seit zwei Jahren koordiniert sie mit 25 Wochenstunden die anfallenden Arbeiten. Zum Beispiel die Erstbesuche. 

    Einen Todeskampf muss heute keiner mehr erleiden

    "Alles beginnt meist mit dem Anruf über unser Hospiztelefon", beschreibt sie. Dann gilt es abzuklären: Wie sind die familiären Verhältnisse? Was ist das für ein Mensch? Was hat er für eine Krankheit? Welche Begleitung passt zu ihm? Wohnt vielleicht jemand in der Nähe? Im zweiten Besuch dann wird abgesteckt: Wie lernen sich Begleiter und Patient am besten kennen? Wie kann die Familie unterstützt werden?

    Und welche Erwartungen und Bedürfnisse haben die Patienten? "Viele begrüßen es, wenn sie auch mal mit jemandem außerhalb der Familie sprechen können", berichtet Petra Götz. Der Grund seien oft Ängste, mit denen sie Angehörige nicht belasten wollen, ihnen kein schlechtes Gewissen machen wollen. "Manche wollen selbst erzählen, manche möchten lieber eine Stimme hören, dass man ihnen etwas vorliest", so Angelika Gebert-Adam. Religiosität käme auch oft zur Sprache. "Wir setzen uns auch ans Bett und beten", sagt Götz. Allerdings nur auf Wunsch.

    Ach ein Teil der Hospizarbeit: Beratungsgespräche zur Vorsorgevollmacht  Foto: dpa/Patrick Pleul

    Ganz wichtig sei auch, mit den Menschen zu lachen. Den Humor nicht zu verlieren. Doch auch Todesängste seien Thema. "Nehmen können wir die nicht", so Gebert-Adam. Einen Todeskampf aber, den müsse heutzutage keiner mehr erleiden. "Es muss keiner mehr unter Schmerzen sterben", sagt der Vorsitzende Zeller. Allerdings stellt er klar: Der Hospizverein darf keine Medikamente verabreichen. Das übernimmt der Palliativdienst, der an die Krankenhäuser angedockt ist und auch regelmäßig kommt. Er kümmert sich um das Medizinische, die Linderung der körperlichen Schmerzen. 

    Viel Selbsterfahrung durch Hospizarbeit

    Was diese Art der Arbeit mit den Hospizbegleitern macht? "Wenn ich von einem Hausbesuch komme, kann ich mich nicht schütteln und alles ist weg", beschreibt es Gebert-Adam. Gerade wenn man einen Bezug zu der Person aufgebaut habe, brauche es danach erstmal eine Pause. Zudem gibt es monatliche Treffen, bei denen sich die Begleiter austauschen, kollegial Fälle besprechen oder die Möglichkeit zur Supervision haben. 

    Generell erfahre man auch viel Anerkennung von außen für das, was man da tue. Allerdings sind sich alle Drei sicher: Wenn es um das Thema Hospizarbeit/Sterben geht, setzt bei den meisten Menschen ein Verdrängungsmechanismus ein. Dabei macht der Verein bei seinen Schulungen, die jeder durchläuft, der an der Hospizarbeit interessiert ist, sehr bereichernde Erfahrungen: "Die meisten kommen dort raus und sagen, sie haben viel für sich selbst mitgenommen."

    Hospizverein Main-Spessart
    Der Hospizverein Main-Spessart befindet sich im 26. Jahr seines Bestehens. Er wurde von Rosemarie Mieruschewsky zusammen mit Gleichgesinnten 1993 gegründet. Mittlerweile hat er 500 Mitglieder, darunter 43 Aktive. Eine Mitgliedschaft kostet 30 Euro im Jahr. Wer Hospizbegleiter werden will, muss an einer Schulung teilnehmen, die an drei Wochenenden und 17 Abenden stattfindet.  
    Folgende Aufgaben übernimmt der Verein: Gespräche, Besuche und Begleitung zu Hause, im Krankenhaus oder Altenheim, Trauercafé und Trauergespräche sowie Beratungsgespräche zur Vorsorgevollmacht. 
    Finanziert werden die Beratungen und Schulungen zum Begleiter über Spenden. Spendengelder fließen auch in Weiterbildungen und in Referenten. Die Personalkosten werden vom Krankenkassenverband getragen. 
    Der Hospizverein Main-Spessart ist erreichbar unter der Telefonnummer (0171) 7349108 oder per Mail unter hospiz@bnmsp.de.

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