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    Gemünden

    Hunderte Handabdrücke in blutroter Farbe in der Schulaula

    Gedenkstunde zum Red Hand Day (von links): Schulleiter Ingo Schneider, Verena Kieslich, Zoe Fasel, Jan Knes, Luisa Küber, Celina Dittloff, Abgeordneter Bernd Rützel und Jürgen Endres. Foto: Ferdinand Heilgenthal

    Zum Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten, dem "Red Hand Day", erinnerten am Friedrich-List-Gymnasium in Gemünden die Schüler an das Schicksal von Kindersoldaten in aller Welt. Die 30-köpfige Gruppe "KRASS" (Klub Rassismus Ablehnender SchülerSchaft), hatte dazu Hunderte Handabdrücke in blutroter Farbe gesammelt, die in der Aula im Rahmen einer Gedenkstunde präsentiert wurden. Als Ehrengast konnten Schulleiter Ingo Schneider und Lehrer Jürgen Endres den Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel begrüßen.

    Einige Mitglieder der im vergangenen Jahr mit dem Würzburger Friedenspreis ausgezeichneten Gruppe KRASS verlasen Texte, auf denen sie die menschenverachtende Praxis des Einsatzes von Kindersoldaten erklärten. Sie zählten die Namen der 19 Länder, von Afghanistan bis Südsudan und Uganda auf, in denen einfach zu rekrutierende Kinder zu Kriegsdiensten gezwungen werden. Sie müssen in blutigen Kämpfen um ihr Leben fürchten, Sklavendienste leisten, Landminen entschärfen und werden oftmals sexuell missbraucht.

    Die statistischen Zahlen sind in vielen Fällen nur geschätzt, weil aus den Kriegs- und Krisengebieten keine genauen Erhebungen vorliegen. Die Dunkelziffer dürfte nach Ansicht der internationalen Hilfsorganisationen noch höher liegen. Obwohl schon in über 50 Ländern rote Handabdrücke gesammelt und an Politiker und Verantwortliche übergeben wurden und trotz wichtiger Erfolge weltweit, liege die Zahl der eingesetzten Kindersoldaten aktuell bei 250 000.

    "Ich finde es gut, dass ihr eure Komfortzone verlasst und an die Kinder denkt, denen es nicht so gut geht - bleibt an dem Thema dran."
    Schulleiter Ingo Schneider

    Ein großes Problem stelle die Produktion von Waffen dar. Gerade so genannte Kleinfeuerwaffen, wie Pistolen und Gewehre, aber auch Landminen, die billig zu fertigen sind, können leicht an Kinder weitergegeben werden. Die Schüler kritisierten, dass auch Deutschland gerade bei der Herstellung und der Ausfuhr von Kleinfeuerwaffen weltweit einen Spitzenplatz einnimmt. Sie verlangten daher einen Exportstopp in Krisen- und Kriegsregionen, vor allem, wenn dort Kindersoldaten eingesetzt werden. Allgemein forderten sie: "Kinder müssen weltweit mehr geschützt und beschützt werden, dafür steht jede rote Hand hier."

    Der Gemündener Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel nahm das Stichwort auf: "Ihr habt mit der Farbe an euren Händen das Thema sichtbar gemacht und berührt. Darüber bin ich sehr froh." Die Kindersoldaten dagegen müssten sich im übertragenen Sinne unter Zwang die Hände schmutzig machen. Sie würden missbraucht und fänden auch nach dem Einsatz mit den Waffen oft keine Anerkennung mehr in der Gesellschaft. Ohne Schul- und Berufsausbildung müssten sie auch nach den Kriegshandlungen manchmal ein Leben lang um ihr Überleben kämpfen.

    Export von Kleinfeuerwaffen reduzieren

    Es gelte, vor allem den Export von Kleinfeuerwaffen, deren Verwendung nicht zu kontrollieren ist, zu reduzieren und dafür lieber mehr in die eigene Cyber-Sicherheit zu investieren. Bereits seit seiner ersten Wahl in den Bundestag sei er Mitglied des Gebetskreises und nehme auch in Berlin an den Veranstaltungen zum Gedenktag teil, erklärte Rützel. In fraktionsübergreifenden Gesprächen werde er sich weiterhin für den Schutz und die Förderung von Maßnahmen zur Wiedereingliederung von als Soldaten missbrauchten Kindern einsetzen.

    Schulleiter Ingo Schneider bedankte sich bei Bernd Rützel für sein Statement und bei den Lehrern Verena Kieslich und Jürgen Endres und den Schülern für ihr Engagement: "Ich finde es gut, dass ihr eure Komfortzone verlasst und an die Kinder denkt, denen es nicht so gut geht - bleibt an dem Thema dran."

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