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    MAIN-SPESSART

    IHK trifft noch keine Entscheidung

    Weder für noch gegen einen Nationalpark im Spessart sprach sich der IHK-Gremialausschuss bei seiner Frühjahrssitzung in Karlstadt aus. Für eine solche Entscheidung liege zu wenig fundierte Information vor, lautete der Tenor. Man will auf ein Gutachten und eine Machbarkeitsstudie warten.

    Engagierte Debatte

    Auch ohne diese fundieren Informationen gab es eine engagierte Debatte. Rudolf Hock als Bus- und Reiseunternehmer beispielsweise sprach sich für einen Nationalpark aus. Er sieht eine Chance für den Fremdenverkehr. „In dieser Hinsicht sind wir ja eher ein Mauerblümchen.“ Er berichtete, überall in der Alpenregion seien die Übernachtungen rückläufig, nicht aber im Berchtesgadener Land, ebenso nicht im Bayerischen Wald, weil es dort Nationalparks gibt. „Ein Nationalpark Spessart würde Touristen bringen.“

    Verena Müller-Drilling (Feinblechbautechnik Frammersbach) sagte: „Ich glaube nicht, dass dann ein Dorfgasthof plötzlich ausgebucht wäre.“ Landrat Thomas Schiebel sieht es so, dass jetzige Beherbergungsbetriebe nichts mehr davon haben, dass aber innerhalb von 30 Jahren sich die Wirkung eines Nationalparks sehr wohl entfalten würde. Harald Freund (Warema Marktheidenfeld) glaubt, dass der Zuwachs im Gastrobereich den Verlust in der Forst- und Holzbranche nicht ausgleichen könnte. Mit Blick auf die viel zitierten Holzrechte meint er, dass in 50 Jahren bestimmt kein Holz mehr zu Heizzwecken verbrannt werde.

    Jens Erbstößer (Sicherheit und Umweltschutz Marktheidenfeld) sieht ebenfalls, dass das Holzrecht bald keine Rolle mehr spielen wird. „Das bezieht sich nur auf armdicke, einen Meter lange Holzstücke.“

    Ovidio Filip (Robinia Holzprodukte Frammersbach) sieht keinen Grund für einen Nationalpark: „Wir haben 140 000 Hektar Naturpark und es gibt kaum sonst auf der Welt mehr Achtung vor der Ökologie als im Spessart.“

    Vergleich nicht möglich

    Man könne den Spessart auch nicht mit Berchtesgaden vergleichen – und auch nicht mit dem Bayerischen Wald, fügte Gerhard Schmitt (Design, Marketing, Verlag Karlstadt) an, denn der sei totes Grenzgebiet gewesen.

    Um den Fremdenverkehr anzukurbeln, komme es nach Schmitts Sicht auf andere Dinge an. „Beim Baumwipfelpfad im Steigerwald gehen die Besucherzahlen durch die Decke.“ Ein Nationalpark würde nach Einschätzung Schmitts einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe bedeuten. „Und der Staatswald ist Eigentum der Bürger.“

    In der Diskussion wurde mehrmals die Befürchtung laut, es würde nicht bei den avisierten 10 000 Hektar bleiben, sondern der Nationalpark könnte jederzeit vergrößert werden. „Ich sehe keinen Königsweg“, stellte Schiebel fest. Der Landkreis werde keinen Bürgerentscheid initiieren.

    Es sei vorhersehbar, dass die betroffenen Gemeinden gegen einen Nationalpark sind, die entfernteren aber dafür. Wahrscheinlich aber werde irgendeine Fraktion einen solche Entscheid herbeiführen. Bis dahin könnte aber der Landtag schon eine Entscheidung getroffen haben.

    Die Sitzung fand im Furnierwerk Kohl in Karlstadt statt. Gastgeber Friedrich Kohl wurde nach seiner Meinung zu einem Nationalpark gefragt. Er sei relativ neutral, weil es hervorragende Argumente dafür und dagegen gebe. Aber es wäre bedauerlich, wenn es die weltbekannten Spessarteichen eines Tages nicht mehr geben sollte. Er selbst habe im vergangenen Jahr allerdings nur 14,5 Kubikmeter Spessarteiche gekauft. Seine Firma sucht weltweit Baumstämme mit besonderen Maserungen.

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