• aktualisiert:

    Karlstadt

    Im Alter fit und geistig leistungsfähig bleiben

    Übungen für Koordination und Denken zeigten Prof. Dr. Stefan Voll und seine Assistentin Michelle Fast den rund 150 Besuchern des Vortrags über den Zusammenhang zwischen Bewegung und geistiger Leistungsfähigkeit im Alter. Foto: Jürgen Kamm

    Alt werden wollen viele, Alt sein vermutlich nur wenige. Auftakt der Veranstaltungsreihe "Mein Freiraum. Meine Gesundheit. In jedem Alter" war ein weit gefasster Vortrages mit praktischen Übungen des Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Stefan Voll von der Universität Bamberg. Wichtige Botschaft: Es gibt keinen Jungbrunnen, aber die zweite Lebenshälfte hat auch Vorteile und mit Bewegung lässt sich der Beginn einer ererbten Demenzerkrankung um Jahre verzögern und ihr Verlauf abmildern.

    Im Karlstadter Rathaussaal begrüßten Landrat Thomas Schiebel und Bürgermeister Paul Kruck, sie vertraten das Landratsamt und die Volkshochschule Karlstadt als Veranstalter, rund 150 interessierte Zuhörer, vor allem aus dem Altersbereich der "best Ager".  Den Referenten hoben sie als absolute Koryphäe der Sportmedizin hervor. Stefan Voll ist seit 2002 Leiter des Sportzentrums der Universität Bamberg.

    Bewegung wird immer weniger

    Der erste Teil des Vortrages beleuchtete wie sehr Technisierung und Mediennutzung das Leben der Menschen veränderte. Einerseits werden Männer mit 79 Jahren und Frauen mit 83 Jahren durchschnittlicher Lebenserwartung so alt wie noch nie. Andererseits wird die Bewegung immer weniger. Erkundeten Kinder vor 100 Jahren rund sechs Kilometer ihres Wohnumfelds sind es heute noch 60 Meter, aus 20 Kilometern Fußwegen am Tag sind 900 Meter geworden.

    Weiter erklärte Stefan Voll, dass "Wissen pauken" Grenzen hat: Sieben Prozent des erlernten Schulwissens können 50-jährige noch abrufen. Radfahren oder Schwimmen wird dagegen auch nach jahrzehntelangen Pausen nicht verlernt. Tatsächlich lernen Schauspieler ihre Texte oft in Bewegung, "wenn ich nach links gehe, muss ich diesen Satz sagen".

    Sport und Bewegung tun also Not, besonders im Alter von über 50 Jahren. Es gibt nachweisbare Verbesserungen in Wahrnehmungs- und Entscheidungsfähigkeit, Denken, Gedächtnis, Intelligenz, Urteilsvermögen, Aufmerksamkeit und Anpassungsfähigkeit. Zudem ist ein fitter Körper nicht nur leistungsfähiger, sondern auch stressresistenter und weniger krankheitsanfällig. Und fitte Menschen sind mental "besser drauf" und präsenter.

    In Theorie und Praxis erläuterte Stefan Voll, dass es dabei auf das richtige Maß und die richtige Art von Sport und Bewegung ankommt. Im Tierversuch mit Ratten, deren Gehirn dem menschlichen sehr ähnlich ist, zeigte sich etwa, dass die positiven Effekte vom Rennen im Laufrad verschwanden, wenn sie mit Stromschlägen am Aufhören gehindert wurden.

    Mit Feinmotorik verknüpft

    Besonders effektiv wird sportliche Bewegung, wenn sie mit Feinmotorik oder auch mit Denken verknüpft wird. Beispielsweise ließ der Sportwissenschaftler die Besucher aufstehen, mit dem linken Bein kreisen und eine sechs mit dem rechten Arm malen, was natürlich die wenigsten konnten. Doch bei solchen Übungen entstehen neue Neuronen im Gehirn, also "frische grauen Zellen". Der Effekt hält aber nur so lang an, bis man etwas kann. Es wäre als gut, jonglieren zu lernen oder einen neuen Knoten für die Schnürsenkel, wie den vor Jahren gehypten Ian-Knoten. Auch ist Tanzen eine ideale Bewegungsform, weil Koordination, Feinmotorik und das Eingehen auf den Partner nötig sind.

    Eine weitere Möglichkeit ist, Denken und Bewegung zu verknüpfen. Zur Demonstration warf Voll seiner mit dem Rücken zu ihm sitzenden Assistentin Michelle Fast eine Packung Papiertaschentücher zu und sagte erst, in welche Richtung sie sich zum fangen drehen sollte, dann auch, mit welcher Hand sie die Packung fangen soll und und welcher Fuß dabei vorne sein soll. 

    Weitere Säulen für ein fittes Gehirn im Alter: Ihm etwas zu tun geben. Keine stupiden Kreuzworträtsel die nur wissen abfragen. Besser sind Rätsel und Denksportaufgaben, lesen, Ausstellungen oder Museen besuchen und sich mit anderen Menschen austauschen. Besonders effektiv laut Stefan Voll: "Betreuen sie ihre Enkel, die sind beliebig kompliziert."

    Umsetzung innerhalb von drei Tagen

    Wichtig sei, seine Vorhaben auch umzusetzen, möglichst innerhalb von drei Tagen. Sonst wird das nichts mehr. Von den üblichen Neujahrsvorsätzen würden gerade mal zwölf Prozent umgesetzt.

    Nach dem gut 90-minütigen Vortag samt Fragerunde hatten die Besucher noch Gelegenheit, sich an den Ständen der Kooperationspartner von "Mein Freiraum. Meine Gesundheit. In jedem Alter" zu informieren. Das waren unter anderem das Haus für soziale Bildung (Benediktushöhe), der DAV, das Bezirkskrankenhaus Lohr, der Caritasverband, die Rummelsberger Diakonie, die Selbsthilfegruppe Rückenbeschwerden und das Wirbelsäulenzentrum Würzburg.

    Auch die Besucher kamen in Schwung. Foto: Jürgen Kamm

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!