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    Lohr

    Immer mehr Nutzfahrzeuge im Landkreis

    Über 5300 Nutzfahrzeuge aller Gewichtsklassen sind im Landkreis Main-Spessart zugelassen.
    Foto: Patrick Pleul

    Die Zahl der Nutzfahrzeuge hat 2019 bundesweit einen neuen Rekord erreicht: 3,15 Millionen schwere, vor allem aber leichte Nutzfahrzeuge sind in Deutschland unterwegs. Im Kreis Main-Spessart sind davon 5381 Fahrzeuge aller Gewichtsklassen stationiert, wie die Auswertung der neuesten Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes für 2019 ergibt. Das sind 192 mehr als im Vorjahr.

    Freudenschreie löst solches Wachstum aber höchstens bei Zalando und Onlinekonsorten aus, denn wer online bestellt, wird per Nutzfahrzeug beliefert. Mürrisch guckt, wer Autos generell loswerden möchte. Das Problem: Ohne Lieferwagen bräche vor allem in Städten glatt der Hunger aus. Denn im Supermarkt wächst kein Essen und Lieferando.de müsste auch passen. Denn Lieferdienste können nur ausliefern, was sie selbst vorher geliefert bekommen haben.

    Das Leben ist heutzutage eine logistische Meisterleistung, Dreh- und Angelpunkt sind Nutzfahrzeuge, die transportieren, was zu transportieren ist. Produktion braucht Rohstoff und Halbfertigprodukte. Handel braucht Ware, Handwerker müssen Team und Werkzeug zum Kunden befördern und der Online-Boom wäre nicht möglich. Nicht mal Bioläden oder der Bauernmarkt um die Ecke können ohne Nutzfahrzeuge, sobald mehr als 300 Kilo zu transportieren sind (da endet heutzutage meist die Kapazität von Lastenrädern).

    Die 492 Lkw über 12 Tonnen, die im Kreis Main-Spessart registriert sind, sind also Teil eines recht ausgeklügelten Logistiksystems, das die ganze Republik versorgt (wobei die hiesigen Lkw dazu beitragen, die Staatskasse heuer mit 7,5 Milliarden Maut zu füllen). Aber zahlenmäßig sind die schweren Lkw Leichtgewichte im Vergleich zu dem, was unter zwölf Tonnen und speziell unter 3,5 Tonnen unterwegs ist: Die schweren Lkw und Lastzüge machen bei uns gerade mal 9,14 Prozent des Nutzfahrzeugbestandes aus.

    Insgesamt 4886 Nutzfahrzeuge der kleinen Klassen bis zwölf Tonnen sind da etwas ganz anderes. Im Kreis Main-Spessart machen dabei die 4209 Nutzfahrzeuge von unter 2,8 bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht rund 78,2 Prozent der Nutzfahrzeuge aus. Die Fahrzeugmodelle über 3,5 Tonnen und bis zwölf Tonnen stellen mit 677 Fahrzeugen 2,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Fahrzeuge in der Klasse bis 3,5 Tonnen um 165 oder 4,1 Prozent. Bei den Typen zwischen 3,5 Tonnen und 12 Tonnen sank die Zahl um 7 oder 1,0 Prozent.

    Unterm Strich haben Nutzfahrzeuge derzeit einen ''Anteil von über 70 Prozent an der Transportleistung und bilden damit das Rückgrat unseres Verkehrs- und Wirtschaftssystems'', hieß es vergangenes Jahr im September bei der IAA Nutzfahrzeuge von den Herstellern. Unterm Strich gibt's derzeit auch Bestrebungen, die Zahl der Nutzfahrzeuge in den Städten zu verringern. Im Fahrrad sprich Lastenrad liegt dabei für die Befürworter der Verkehrswende das Heil.

    Indes, die Geschichte hat einen mathematischen Haken: Eine Pizza per Pedes oder Pedelec, statt per Fiat oder Vespa zu transportieren, kein Problem. Die gesammelten Zalando-Bestellungen plus ebay plus Amazon plus X, die in den Kreis Main-Spessart strömen, auf Lastenräder zu laden, geht im Prinzip auch. Nur hat ein Lastenrad wie gesagt eine Maximalzuladung von 300 Kilo, ein Lieferwagen je nach Größe das Zwei- bis Vierfache. Sprich, für alles, was heute ein Lieferwagen mit einem Fahrer bringt, müssen dann zwei, drei, vier grüne oder wie auch immer farbige Radler her. Nehmen wir mal drei als Daumenpeilwert und gehen davon aus, dass alle Klein-Lkw durch Lastenräder ersetzt werden können. Dann ist die Frage, ob 14 000 Lastenräder die Straßen weniger verstopfen. Das wird vermutlich in den nächsten Jahren im realen Leben ausprobiert. Denn die Verkehrswende wird mit Macht angestrebt.

    Bearbeitet von Südwest Zeitungsdienst

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