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    ARNSTEIN

    Jakob Heymann siegt hauchdünn

    Leichte Kost in flotten Songs verpackt reichten für Sven Garrecht nur zum zweiten Platz. Foto: Günter Roth

    Fast um Haaresbreite ging es bei der letzten Vorrunde für den Fränkischen Kabarettpreis 2018 in der Arnsteiner Stadthalle. Der Bremer Liedermacher Jakob Heymann siegte mit kaum 0,4 Prozentpunkten vor Sven Garrecht und nimmt daher am 20. Oktober am Finale um den „Schaffer“ teil. Der Österreicher Bernhard Reider dagegen landete deutlich abgeschlagen auf Rang drei.

    Vertreter dreier unterschiedlicher Strömungen

    Selten wurde so deutlich, dass mittlerweile im Kabarett drei große Strömungen miteinander konkurrieren und jeweils auch ihre Liebhaber im Publikum haben. Da war in Arnstein der junge, tiefsinnige und auch fordernde Heymann, der zeitweise deutlich über den Köpfen seiner Zuhörer schwebte im Gegensatz zu dem charmanten, frechen Garrecht mit flotten Songs, die allerdings auch gelegentlich in ihrer Belanglosigkeit einfach nur Spaß machen sollten. Als massiver dritter Kontrapunkt schürfte da noch der sehr, sehr derbe Reider vom Niveau her des Öfteren mit Zoten und Fäkalausdrücken nur noch ganz knapp über der Rasenkante.

    Im deutschen Kabarettpublikum scheint sich allerdings gegenwärtig die schrille, auf plakative Gags ausgelegte und für jedermann verständliche Comedy – leichte Kost eben – immer mehr durchzusetzen. Auch in Arnstein sah das Publikum den letztendlich zweitplatzierten Garrecht doch recht deutlich vor Heymann, der dann nur aufgrund des deutlichen Votums der Fachjury in der Endabrechnung siegte. Auch Reider konnte mit seinem ganz eigenwilligen Brachial-Humor beim Publikum punkten, während er bei den Fachleuten quasi ins Bodenlose fiel.

    Geliked, geteilt und geklickt

    Der Sieger Jakob Heymann steht mit jeder Faser hinter seinen Texten, macht es aber seinen Zuhörern wirklich nicht immer leicht. Schon die Eingangsthese „Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul“, setzte sich bei aller Tiefsinnigkeit und innerer Wahrheit trotz Wiederholung nicht so richtig in den Köpfen fest. Der junge Bremer singt am Piano oder zur Gitarre hochmusikalisch vom „Verrat an sich selbst“, von durchgestylten Idioten, die immer nur geliked, geteilt und geklickt sein wollen. Er beklagt verlorene Gefühle, weil es nur darum geht, geil zu sein. Das ist alles bis ins Letzte durchdacht, zeugt von außergewöhnlicher Reife und tiefer Empathie. Doch Heymann singt und spricht schnell, viel zu schnell – nicht nur akustisch, sondern auch intellektuell. Er muss auf der Bühne noch die Kommunikation mit seinem Publikum lernen, dessen Reaktionen auf nehmen, darauf eingehen.

    „Schwiegermutterschwarm“

    Diese Probleme hatte Sven Garrecht nicht. Jung, dynamisch und charmant, auch mal flapsig, outete er sich beispielsweise musikalisch am Keyboard als „Schwiegermutterschwarm“ und nahm pfiffig die männliche Mitarbeit im Haushalt aufs Korn. Ein Hausmann, der freiwillig nachputzt, mit Freude im Sitzen pinkelt und die Hemden sowohl rechts als auch links bügelt, ist doch der ideale Mann – oder vielleicht doch nicht? Spritzig waren auch die gesungenen Seitenhiebe auf alternde Kleinstadttiger, die mit ihrer Mischung aus zu engen Hosen und neuer Hüfte, schon seit 40 Jahren ihren 30. Geburtstag feiern. Für Beethovens weitgehend unbekannte historische „Elise“ machte er allerdings keinen Finger krumm. Mit seinem Schlusslied „Lieb mich analog und schick mir Post, die um die halbe Erde flog“, setzte er einen intellektuell anspruchsvollen Akzent. Der Rest war schön, witzig, aber mit wenig Tiefgang.

    Wenig muss man über Bernhard Reider sagen. Dünnpfiff, die vollgekotzte Tuba des Trachtenvereins nach einer veganen Lasagne und die Leiden des Mannes bei urologischen Untersuchungen fielen derb, sehr, sehr derb aus. Da war kein Charme, kein typischer Schmäh und trotz der schönen Ansätze in seinem letzten Lied, das eigentlich hätte versöhnlich ausfallen können „I möcht' an deinem Busen sterben“, kontrapunktierte der Österreicher mit Zoten. Er selbst brachte eigentlich den richtigen Fachausdruck dazu: Gamsbartsyndrom: Das kann man sich an den Hut stecken.

    Finale am 20. Oktober in der Stadthalle

    Mac Härder führte geschickt durchs Programm, erfreute mit Jonglagen und bereitete mit der spontanen Idee, 40 Jahre alte Werbesprüche auszukramen, viel Freude. Am 20. Oktober geht es dann in der Arnsteiner Stadthalle zum zwölften Finale des Fränkischen Kabarettpreises. Jakob Heymann tritt dann gegen die anderen Vorrundengewinner Peter Fischer sowie das Duo Wilfried und Peter Podewitz an.

    Ziemlich derb und wenig einfühlsam waren die Beiträge von Bernhard Reider. Foto: Günter Roth
    Nur ganz knapp konnte sich Jakob Heymann in der dritten Vorrunde um den Fränkischen Kabarettpreis in der Arnsteiner Stadthalle behaupten. Foto: Günter Roth

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