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    Arnstein

    Jüdische Geschichten und Musik in der ehemaligen Synagoge

    Kerstin Lauterbach und Marcel Largè präsentieren jüdische Weisheitsgeschichten und Musik in der ehemaligen Synagoge von Arnstein. Foto: Günter Roth

    Während im Normalfall Konzerte und Vortragsreihen in der ehemaligen Synagoge von Arnstein viele Zuhörer anlocken und den kleinen Saal gut ausfüllen, kamen bei der letzten Veranstaltung dieses Jahres kaum mehr als ein Dutzend Besucher zu dem ausgezeichneten Programm der Erzählerin Kerstin Lauterbach und dem Musiker Marcel Largè mit jüdischen Weisheiten und traditioneller Klezmermusik. Dabei war allein schon Kerstin Lauterbach einen Besuch wert.

    Die Sozialpädagogin ist in der Tat eine begnadete Erzählerin. Sie erzählt eigentlich nicht, sie lebt ihre Geschichten mit jeder Faser ihres Körpers. Da sind die Gestik, wenn sie imaginäre Formen nachzeichnet, hektische oder bedächtige Bewegungen und dann wieder ein energisches oder gar ärgerliches Stampfen mit dem Fuß, das den Zuhörer aufhorchen lässt. Dazu kommt die fein abgestimmte und punktgenau gesetzte Mimik: ein gefährliches Funkeln im Auge, Verzweiflung, Angst, aber auch Hoffnung und Fröhlichkeit. Kurzum, Kerstin Lauterbach schlägt ihre Zuhörer augenblicklich in ihren Bann und lässt sie nicht mehr los.

    Wiederkehrende Träume von einem vergrabenen Schatz

    Natürlich hat sie auch heimische Geschichten im Programm, deutsche Märchen und Erzählungen, aber an diesem Abend stellte sie jüdische Weisheitsgeschichten vor. Nachdenklich stimmend, aber mit einem fröhlichen Augenzwinkern war da der ständig wiederkehrende Traum des Rabbis Eisik Ben Jekel aus Krakau von einem vergrabenen Schatz unter einer Brücke von Prag. Dort greift ihn ein Soldat auf, der seinerseits von einem geträumten Schatz unter dem Herd eines Krakauer Rabbis berichtet. Tatsächlich gab es so ein Happy End.

    Mit feinem Humor gewürzt war auch die Geschichte des Schneiders, der sich einen besonders schönen Mantel schneidert. Als der nach Jahren arg abgewetzt ist, rät ihm seine Frau, eine Jacke daraus zu machen. Später wird es eine Weste, eine Fliege... Und zu guter Letzt eine schöne Geschichte daraus.

    Passend zu den Episoden hatte Marcel Largè jiddische Lieder und Klezmer-Musik parat, die er virtuos und mit viel Temperament auf der Gitarre und der Mandola zu Gehör brachte. Neben dem bekannten "Yidl mitn Fidl" gab es auch das Stück "Bin ikh mir a schnayder" und das witzige Lied vom versoffenen Pferdekauf "Shprayz ihk mir.."

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