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    Lohr

    (K)Ein Licht am Ende des Tunnels

    DDie Kritik an den Zuständen am Lohrer Bahnhof riss 2019 nicht ab. Mittlerweile hat die Bahn zumindest kalkuliert, was es kosten würde, die Station barrierefrei zu machen. In der Liste der Maßnahmen ist auch ein?Kürzen der Bahnsteige aufgeführt. Doch dazu gibt es sogleich eine warnende Stimme. Das Bild zeigt die Unterführung, in die laut Machbarkeitsstudie der Bahn Aufzüge eingebaut werden müssten.  Foto: Johannes Ungemach

    Eine Demo, ein Krisengipfel, eine Machbarkeitsstudie – über die von vielen als untragbar empfundenen Zustände am Lohrer Bahnhof wurde im zu Ende gegangenen Jahr viel diskutiert und geschrieben. Groß geändert hat sich auch 2019 nichts.

    Der Lohrer Bahnhof bietet noch immer keine Toilette, keine Barrierefreiheit und auch keinen Ticketshop, stattdessen ein Gefühl des Niedergangs, mitunter auch Uringeruch. Der Lohrer Bahnhof ist weiterhin kein Ort, an dem man sich wohlfühlt.

    Doch zumindest ist etwas Bewegung in die Sache gekommen: Die Bahn hat gegen Ende des Jahres ein Schreiben an die Stadt geschickt.

    Darin listet sie immerhin das auf, was ihrer Meinung nach am Lohrer Bahnhof getan werden müsste, um ihn auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen. Das war es dann aber auch schon wieder. Ein Rück- und Ausblick auf einen Lohrer Schandfleck.

    150 Demonstranten im Juli

    Kampfeslustig war sie, die Schar der rund 150 Demonstranten, die im Juli mit Trillerpfeifen und Transparenten am Lohrer Bahnhof für Verbesserungen protestierte: "Service statt Saustall" – dieses Plakat brachte wohl am besten auf den Punkt, was viele Bahnfahrer an der Lohrer Station stört. Bürgermeister Mario Paul empfing an jenem Tag drei Vertreter der Bahn, die für Immobilien, Service und Ticketverkauf zuständig zeichnen. Ziel des Krisengipfels war es, einen Weg zu Verbesserungen am Lohrer Bahnhof zu finden.

    Gleich bei der Ankunft hatte der für die Bahnhöfe Zuständige allerdings die Hoffnungen deutlich gedämpft. Er sehe "definitiv momentan keine Perspektive" für einen barrierefreien Umbau des Lohrer Bahnhofs, so seine Aussage. Der Zustand des Lohrer Bahnhofs sei schlicht noch zu gut, so der Bahnvertreter im kleinen Kreis zu Paul, der diese Aussage als "nicht nachvollziehbar" einstufte.

    Kosten: rund acht Millionen

    Auf die Demonstration am Bahnhof folgte ein internes Gespräch im Rathaus. Dass auch dabei kein wirklicher Durchbruch gelang, offenbarte im Anschluss eine Aussage des Bürgermeisters. Paul sprach vom "Beginn einer sich abzeichnenden Perspektive". Im Klartext: Es gibt nichts Konkretes. Allerdings sicherte die Bahn bei dem Treffen zu, zumindest mal aufzulisten, was am Lohrer Bahnhof überhaupt alles gemacht werden müsste. Das Schreiben traf im November im Rathaus ein. Es enthielt eine grobe Kostenschätzung für den barrierefreien Umbau des Lohrer Bahnhofs: rund acht Millionen Euro.

    Die Liste der Einzelmaßnahmen, so verriet ein Bahnsprecher auf Anfrage der Redaktion, umfasst unter anderem eine Erhöhung oder gar einen Neubau des direkt am Bahnhofsgebäude gelegenen "Hausbahnsteigs" auf einer Länge von 210 Metern. Auch das Dach über dem Hausbahnsteig müsste eventuell erneuert werden, so die Bahn.

    Der nächste Posten auf der Liste ist ein wohl deutlich größerer Brocken: Da der Mittelbahnsteig zu schmal für den Einbau eines Aufzugs wäre, müsste ein neuer, breiterer her, so der Bahnsprecher. Um den breiteren Bahnsteig unterzubringen, müssten die Gleise 2aufgespreizt", sprich verlegt werden. Erst dann wäre die Voraussetzung geschaffen für die "barrierefreie Erschließung der Bahnsteige mit Aufzügen", wie es die Bahn nennt.

    Idee: Sparen durch Kürzen

    Offenbar spielt das Unternehmen auch mit dem Gedanken, im Falle eines Umbaus die Bahnsteige am Lohrer Bahnhof zu kürzen. Derzeit sind die Bahnsteige an Gleis 1 sowie 2/3 gut 350 Meter lang. Im Zuge eines Umbaus könnten sie eventuell auf eine Länge von 210 Metern zurückgebaut werden, so der Bahnsprecher.

    Die Verkürzung erfolge, wenn keines der den Lohrer Bahnhof anfahrenden Eisenbahnverkehrsunternehmen oder die Bayerische Eisenbahngesellschaft längere Bahnsteige verlange. Der Grund für ein mögliches Einkürzen der Bahnsteige liegt auf der Hand: Weniger Fläche bedeutet geringere Kosten für Reinigung, Winterdienst und Instandhaltung.

    Derzeit handelt es sich bei der Auflistung der Bahn nur um eine Machbarkeitsstudie. Auf die Frage, ob es zeitliche Pläne zur Umsetzung gibt, ist die Antwort des Bahnsprechers deutlich: "Nein."

    Stadt soll in Vorleistung gehen

    Es gebe derzeit weder für die Planung noch für den Umbau eine Finanzierungsgrundlage. Es stehe jedoch "der Stadt anheim, gegebenenfalls zumindest die Planung zu finanzieren". Dann hätte man für ein womöglich kommendes späteres Ausbauprogramm "schon etwas in der Hand", so der Bahnsprecher.

    Bernd Rützel warnt davor, die Bahnsteige zu kürzen, weil so keine Fernzüge halten könnten. Foto: Heinz Scheid

    Zur Frage, ob der Lohrer Bahnhof Aussicht hat, in das sogenannte 1000-Bahnhöfe-Programm der Bundesregierung aufgenommen zu werden, um an Fördergelder für einen Umbau zu kommen, sagt der Sprecher, dass die Bahn dies "nicht verbindlich beantworten" könne. Kein Wunder. Denn zu den Kriterien, wer in das Programm gelangt, gebe es "noch keine abschließende Festlegung". Auch die Frage, wie das Programm finanziell überhaupt ausgestattet ist, sei "noch nicht abschließend festgelegt".

    Videokabine für 2020 geplant

    All diese Formulierungen lassen befürchten, dass sich auch 2020 am Lohrer Bahnhof nichts Gravierendes verändern wird. Auf zumindest eine Verbesserung aber dürfen die Bahnreisenden hoffen: das Video-Reisezentrum. Nachdem der Betreiber des früheren Ticketshops diesen mangels wirtschaftlicher Perspektive im Februar 2019 geschlossen hatte, kündigte die Bahn im November an, eine Video-Kabine zu installieren. In ihr kann man sich via Mikrofon, Kamera und Bildschirm mit einem Bahn-Kundenberater in Schweinfurt verbinden und beim Fahrkartenkauf beraten lassen.

    SPD-Bundestagsabgeordneter Rützel warnt vor Gleisverkürzung
    Die Bahn hat in ihrer Machbarkeitsstudie zum barrierefreien Umbau des Lohrer Bahnhofs die Überlegung ins Spiel gebracht, die Bahnsteige von derzeit rund 350 Meter auf rund 210 Meter zu kürzen. Dadurch könne man Kosten für Reinigung und Instandhaltung sparen, so das Argument. Der Gemündener Bundestagsabgeordnete Bernd Rützel (SPD) warnt in einer Stellungnahme vor einer solchen Verkürzung. Damit, so der ehemalige Eisenbahner, würde man sich für den Lohrer Bahnhof die Option nehmen, dass dort künftig eventuell doch Fernverkehrszüge halten könnten.
    Solche Züge brauchten lange Bahnsteige. Zwar sei der Halt von Fernverkehrszügen in Lohr "aktuell und auf kurze Sicht kein Thema", so Rützel. Jedoch solle man sich die Möglichkeit nicht verbauen. Der Bundestagsabgeordnete ist sich sicher, dass die Bahn als Verkehrsmittel an Bedeutung gewinnen wird. "Wer weiß, ob im Rahmen der Verkehrswende nicht auch der Fernverkehrshalt in Lohr realisierbar werden kann". Aus Rützels Sicht wäre es schade, wenn durch das Verkürzen der Bahnsteige "dann Tatsachen geschaffen sind, die die Umsetzung mindestens erschweren oder unmöglich machen".
    Wie ein Bahnsprecher auf Anfrage der Redaktion erklärte, könnten bei einer Verkürzung der Bahnsteige auf 210 Meter einteilige ICEs am Lohrer Bahnhof halten. Derzeit sei ein ICE-Halt nicht möglich, weil die Höhe der Bahnsteige nicht passe. (joun)

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