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    Thüngen

    Kampfabstimmung um Hundesteuer in Thüngen

    Eine knappe Entscheidung gab es zur Frage um die künftige Höhe der Hundesteuer in Thüngen bei der Sitzung des "Jugendgemeinderats" mit Schülern der vierten Klasse der Grundschule mit Bürgermeister Lorenz Strifsky. Foto: Günter Roth

    So viele junge "Gemeinderatsmitglieder" hat der Sitzungssaal im Rathaus der Marktgemeinde Thüngen wohl noch nie erlebt: Bürgermeister Lorenz Strifsky hatte die Kinder der beiden vierten Klassen der Grundschule zu einem Besuch eingeladen, bei dem sie vor Ort und hautnah sehen konnten, wie in der Gemeinde Entscheidungen gefunden werden. Schließlich durften zwölf von ihnen auch als "Jugendgemeinderäte" über einige Fragen diskutieren und abstimmen.

    Wieso ist die Hundesteuer in Thüngen für den zweiten Hund doppelt so hoch wie für den ersten? Diese Logik erschloss sich den jungen Ratsmitgliedern wirklich nicht sofort. Bürgermeister Strifsky aber hatte eine einleuchtende Erklärung dafür parat: Wenn sich jemand im Dorf einen Hund hält, um Gesellschaft zu haben oder weil er sich dann sicherer fühlt, wird das von der Gemeinde gerne unterstützt, sagte Strifsky. Ein zweiter oder gar ein dritter Hund aber würde diese Vorteile nicht wesentlich steigern. Andererseits machten diese Hunde auch Dreck in der Öffentlichkeit, welchen die Halter leider nicht zuverlässig beseitigten. Von der immensen Steuer in Höhe von 1000 Euro jährlich auf Kampfhunde konnten die jungen Räte schnell überzeugt werden.

    Kontrovers aber ging es bei der Frage nach einer Neugestaltung der Hundesteuer zu. Eine Gruppe der Schüler tendierte zu einer deutlichen Erhöhung, andere wollten die Steuer sogar senken. Bei der Abstimmung zeigte sich, dass die jungen Leute beim vorbereitenden Unterricht in der Schule gut aufgepasst hatten. Sechs Stimmen gab es für eine neue Steuer von 30 Euro, sechs waren dagegen. Was jetzt? Da fiel einem Viertklässler der Zählfehler auf: Ein Patt kann es normalerweise im Gemeinderat nicht geben, weil mit den zwölf Vertretern auch der Bürgermeister stimmberechtigt ist und daher im Zweifelsfall den Ausschlag gibt. Also musste neu abgestimmt werden. Diesmal waren sieben "Räte" gegen eine Steuersenkung.

    Dass schon Viertklässler differenziert denken und nachhaltige Gedanken in gemeindliche Entscheidungen einfließen lassen können, zeigte sich beim nächsten Tagesordnungspunkt "Baugebiete in Thüngen". Ja, weil dann mehr Menschen in den Ort ziehen und weil dann junge Leute einen Bauplatz finden. Aber auch nein, weil es schon jetzt Leerstände im Altort von Thüngen gibt und nochmal nein, weil durch jeden weiteren Bauplatz der Flächenfraß fortschreitet. Nach einigem Hin und Her einigte man sich auf eine vorsichtige Entwicklung der Bauplatzsituation.

    Vor "Jugendgemeinderatssitzung" beantwortete Bürgermeister Strifsky seinen jungen Gästen eine ganze Reihe von vorab gestellten Fragen: Ja, er sei gerne Bürgermeister von Thüngen und es mache ihm auch viel Spaß für andere da zu sein und neue Ideen weiterzuführen. Eigentlich wollte er als Junge lieber Schauspieler oder Fußballstar werden. Seine Aufgaben in der Gemeinde sind dreifach gegliedert. Er ist der Vertreter der Gemeinde nach außen, er ist der Chef der Verwaltung und der 25 Gemeindemitarbeiter und er ist der Leiter der Gemeinderatssitzungen. Ein hohes Gehalt bezieht der Bürgermeister nicht, denn für seine ehrenamtliche Tätigkeit in Thüngen erhält er nur eine Aufwandsentschädigung.

    Etwas mehr als fünf Millionen Euro kann die Gemeinde jährlich einnehmen und ausgeben. Der größte Brocken ist zurzeit die Sanierung der Grundschule, die rund sieben Millionen Euro kosten wird. Zuletzt interessierte sich eine Schülerin, wie viele Unterschriften der Bürgermeister schon geleistet habe. Die knappe Antwort: bestimmt mehr als 5000.

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