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    Gemünden

    Kanalsanierung in Gemünden geht weiter: Autos mussten weichen

    Die Kanalsanierung in der Gemündener Ortsdurchfahrt (B26) wird aktuell fortgesetzt und heuer abgeschlossen (Archivfoto). Dafür wird ein mit viel Eis gekühlter Kunststoffschlauch in den Kanal gezogen, dann mit Wasserdruck verpresst und durch Erhitzen ausgehärtet. Foto: Björn Kohlhepp

    Mit Verzögerung hat am Dienstag die Sanierung des Abwasserkanals in der Gemündener Ortsdurchfahrt begonnen. Es handelt sich um den letzten Teil der seit Jahren laufenden Kanalsanierung; Ende Oktober will das Kommunalunternehmen Stadtwerke Gemünden die Ortsdurchfahrt komplett fertig haben. Doch bevor am Dienstag die Baufahrzeuge auf den Parkstreifen gegenüber dem Bahnhof gestellt werden konnten, mussten erst 13 dort geparkte Autos entfernt werden. Die Fahrer hatten die Sperrschilder missachtet. Ein Abschlepper setzte die Autos um.

    Während am Dienstag die Baustelle eingerichtet wurde, begannen die eigentlichen Arbeiten am Mittwoch. Stadtwerke-Vorstand Hans Schneider, der Technische Leiter Henry Bürgermeister und Abwassermeister Jörg Fella luden wegen der Bedeutung der Maßnahme zum Pressetermin. Immerhin werden heuer noch einmal rund 600 000 Euro verbaut und soll der dann komplett erneuerte Kanal samt Schächten weitere 50 Jahre halten. Eine gute Nachricht vorweg: Die Arbeiten erfolgen von den seitlichen Einläufen aus, der Straßenverkehr wird nicht behindert.

    An der Kanalbaustelle in der Gemündener Bahnhofstraße (von links): Henry Bürgermeister, Hans Schneider, Timo Breitenbach, Gianvito Pasciucco und Jörg Fella. Mit einer mobile Pumpe (rechts im Bild) und Schläuchen wird das Abwasser während der Sanierung eines Kanalstücks um dieses umgeleitet. Foto: Michael Fillies

    Der schwierigste Bauabschnitt

    Möglich wird das durch ein sogenanntes grabenloses Verfahren, für das sich das Kommunalunternehmen (KU) entschieden hat. Wie in den bisherigen Bauabschnitten seit 2014 kommt das Schlauchlining-Verfahren zum Einsatz. Diese Technik ist bewährt (wir berichteten). Anspruchsvoll nennt Bauleiter Timo Breitenbach vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Laudenbach (Lkr. Miltenberg) die Aufgabe in Gemünden dennoch. Weil: Gleich der erste Bauabschnitt von den Längsparkplätzen gegenüber dem Bahnhof bis zur Einmündung des Baumgartenwegs, der am heutigen Donnerstag erledigt sein soll, ist mit 250 Metern der längste und auch der schwierigste, zum einen wegen des vorbeifließenden Verkehrs auf der Bundesstraße und zum anderen wegen des Verlaufs des Kanals. Der wechselt an der Einmündung der Friedenstraße in einem Bogen zur gegenüberliegenden Straßenseite und wieder zurück.

    Grundlage der Reparatur ist eine Kamera-Befahrung des gesamten Kanals, die Aufschluss über die in Jahrzehnten entstandenen Schäden an den Betonrohren ergeben hat. Ingenieur Breitenbach empfahl für die Sanierung das Schlauchlining (Inlining), mit dem sich die Schäden billiger und schneller beheben lassen, als wenn aufgegraben werden müsste. Der Kanal liegt in der Bahnhofstraße bis zu drei Meter tief.

    Von 0 bis 80 Grad

    Das Schlauchlining ist schnell beschrieben: Ein 250 Meter langer Kunststoffschlauch mit 25 Tonnen Gewicht, der mit Eis gekühlt wird, damit er geschmeidig bleibt, wird in den schadhaften Kanal eingezogen und sodann mit Wasser aufgepumpt und an die Kanalwand gepresst. Anschließend wird das Wasser auf etwa 80 Grad erhitzt, was den Kunststoffschlauch härtet. Über sieben bis acht Stunden hinweg muss das Wasser dann langsam abgekühlt werden. Das Aufheizen, Aushärten und Abkühlen kann mehrere Tage dauern.

    Zu Beginn fährt ein Roboter durch den Kanal, beseitigt Hindernisse und Ablagerungen und verschließt Löcher und Risse. Der Roboter kommt auch am Ende wieder zum Einsatz, dann bindet er die Hausanschlüsse wieder an den Kanal an. Während der Arbeiten werden die Abwässer provisorisch um die zu sanierenden Kanalabschnitte herumgeleitet.

    Keine Verteuerung seit 2016

    Die Arbeiten erledigen wie schon 2014 und 2015 die Fachfirmen Diringer & Scheidel sowie Aarsleff Rohrsanierung GmbH im Verbund. Die jetzigen Sanierungsabschnitte hätten schon 2016 erledigt werden sollen, waren aber wegen des Mainbrückenbaus verschoben worden. Die Stadtwerke heben hervor, dass dennoch die Preise der damaligen Auftragsausschreibung gehalten werden – immerhin drei Jahre danach.

    Kanalsanierungen werden die Stadtwerke weiter beschäftigen. Als nächstes, aber noch nicht terminiertes Projekt steht die Renovierung in der Gemündener Bergstraße (Abzweig der B26 in Richtung Hammelburg) an.

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