• aktualisiert:

    Thüngen

    Kandidat und Amtsinhaber Strifsky: Habe Spaß am Organisieren

    Der Umzug nach Thüngen sei die schwerste Entscheidung seines Lebens gewesen, sagt Lorenz Strifsky. Jetzt ist er dort Bürgermeister.
    Lorenz Strifsky ist der SPD-Bürgermeisterkandidat für Thüngen. Foto: Karlheinz Haase

    "Ich bin manchmal vielleicht ein bisschen sehr spontan", sagt Lorenz Strifsky, der Bürgermeisterkandidat der SPD in Thüngen und derzeitige Amtsinhaber. Das aber habe schon öfter zu einem schnellen Erfolg geführt. So beispielsweise bei der Thüngener "Glüh-Weihnacht", die er 2013 initiierte.

    Dass er diese Veranstaltung in seiner Wahlwerbung ausdrücklich als Erfolg aufführt, mag auf den ersten Blick verwundern. Doch sie sei beispielhaft für sein Handeln. Zwei Wochen vor dem Termin sei offenbar geworden, dass kein Weihnachtsmarkt in Thüngen zustandekommt. Als er meinte: "Wir kriegen da trotzdem was hin", sei er  von einigen für verrückt erklärt worden. Er habe eine Gruppe Jugendliche zusammengetrommelt, um etwas auf die Beine zu stellen. Ergebnis: Zum angepeilten Termin gab es 20 Stände.     

    "So etwas macht mich glücklich", sagt Strifsky. Wenn ihm jemand auf die Schulter klopfe oder "Zugabe" gerufen werde wie am Ende der Thüngener Musik-Sommernacht. Die Idee dafür habe er bei einer Einladung an die Musikschule Arnstein gehabt. Dort seien unter anderem Thüngener aufgetreten. Am Ende kam es zu der Sommernacht mit jungen Musikern aus Thüngen und der Region.

    Anerkennung sei der Lohn für seine Mühen. Was ein Bürgermeister brauche, seien Organisationstalent, Entscheidungsfreude, diplomatisches Geschick, eine soziale Einstellung und Führungsfähigkeiten. Strifsky: "Auch wenn das Eigenlob etwas komisch klingt, aber all diese Eigenschaften habe ich."

    Vereine als Familienersatz

    Er beschreibt sich als Vereinsmensch. Da sein Vater schon starb, als Lorenz erst ein dreiviertel Jahr alt war, seien die Vereine für ihn immer wie eine zweite Familie gewesen. Das begann in der Fußballjugend beim TSV in seinem Heimatort Retzbach. Dort wurde er als 21-Jähriger der Gründungsvorsitzende des Carnevals-Clubs.

    1981 folgte der  Umzug nach Thüngen – "die schwerste Entscheidung meines Lebens". Er sei Gartenliebhaber. Und in Thüngen war das 860 Quadratmeter große Baugrundstück erschwinglich. In Thüngen gab es keinen Faschingsverein wie in Retzbach. Da fehlte etwas in der Infrastruktur der Gemeinde. Also gründete Lorenz Strifsky schon zwei Jahre nach seinem Umzug die Carneval-Abteilung des FC. Er war fast zehn Jahre lang deren Sitzungs- und Gesellschaftspräsident.

    Ein Herz für die Jugend

    Als Vertreter, der  80 000 Kilometer im Jahr für den Großhändler Osma-Werm bei Ein-Euro-Shops unterwegs war, habe er in vielen Orten nach Ideen gesucht, habe sich das Ortsbild, Aktionen und Spielplätze angeschaut.

    Die Jugend liegt ihm am Herzen. Vor jeder Wahl sei davon geredet worden, etwas für die Jugend zu tun. Doch dann folgte nichts. "Ich wollte nicht mehr warten und habe Jugendliche von der Straße eingeladen und entgegen vieler Vorbehalte einen Jugendtreff gegründet." Zunächst wurde eine Vorstandschaft gewählt. Ein Raum fand sich im Untergeschoss des Sportheims. Nach der Sanierung der Schule könnte der Treff dorthin verlagert werden. Auch eine Tagesbetreuung für die Älteren könnte dort unterkommen.

    Als Erfolg betrachtet der amtierende Bürgermeister auch die Einrichtung der Kneippanlage in der Wern. Gleich nebenan steht das Backhäusle, in dem sich die Senioren treffen. Ein paar Schritte weiter gibt es jetzt die Kneippstube, in der sich Kartrunden zusammenfinden und in der Fahrradtouristen rasten können. Alles zusammen wurde zu einer Art Mehrgenerationentreff.

    Kein Erfolg für einen Dorfladen

    Gerade für Ältere sei es bedauerlich, dass es nicht gelungen ist, in Thüngen einen Dorfladen zu etablieren. Das sieht Strifsky als größten Misserfolg seiner Amtszeit. "Ansonsten habe ich alles gehalten, was ich vor sechs Jahren versprochen habe."

    Thüngen sieht er als Wohnort für den erweiterten Speckgürtel Würzburgs. Neben der Ausweisung neuer Bauplätze will die Gemeinde auch das Wohnen im Innenort fördern. Wer ein unbewohntes Haus umbaut, erhält 10 000 Euro Zuschuss. "Aber es gibt kaum Leerstand im Altort."        

    Sein Elternhaus sei der CSU nahe gewesen. Doch er kandidierte 2002 für die SPD. "Ich habe die Politik nie durch die Parteibrille gesehen." Damals allerdings zog er gegen Klaus Enzmann den Kürzeren.

    Bürgermeisterkandidat Lorenz Strifsky
    Lorenz Strifsky ist 66 Jahre, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Einer Lehre zunächst als Koch ("Arbeitszeiten waren ungünstig für einen Fußballer") folgte dann eine als Bäcker. 40 Jahre war Strifsky Verkäufer im Außendienst, davon die längste Zeit bei Osma-Werm; jetzt ist er  Rentner. Seit 2002 gehört er dem Gemeinderat in Thüngen, seit 2014 ist er Bürgermeister.     

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!