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    LOHR

    Karfreitagsprozession: Das Leiden Jesu

    In der Prozession, in der lebensgroße Figuren mitgetragen werden, wird das Leiden und Sterben Jesu Christi in 13 Bildern dargestellt. Vom letzten Abendmahl bis zum toten Christus im Grab reichen die Szenen. Die letzte Figur, die des Propheten Jona im Bauch eines Walfisches, weist symbolisch auf die Auferstehung Jesu hin. Betreut und getragen werden die Figuren von Angehörigen verschiedener Berufsgruppen.

    Die älteste gesicherte Nachricht über die Lohrer Karfreitagsprozession stammt aus dem Jahre 1656. Bis ins 18. Jahrhundert gab es ähnliche Prozessionen in vielen Städten im süddeutschen Raum. Fast alle wurden aber im Zuge der Aufklärung durch weltliche oder geistliche Instanzen abgeschafft.

    Dass die Lohrer Prozession bis heute existiert, hängt mit der Hartnäckigkeit des damaligen Lohrer Stadtpfarrers zusammen, der im Jahre 1818 die bayerischen Behörden mit dem Argument überzeugte, eine Abschaffung der Prozession würde unter anderem zu wirtschaftlichen Nachteilen für Lohr führen.

    Karfreitag war damals noch Werktag und wurde vor allem als Einkaufstag genutzt. Außerdem warnte der Pfarrer vor Unruhen in der Bevölkerung, wenn die Prozession verboten würde. Bilderprozessionen wie die Lohrer Karfreitagsprozession waren ursprünglich umfangreicher als heute; sie stellten in Figuren und lebenden Personen das gesamte biblische Heilsgeschehen dar.

    Am stärksten kommt diese barocke Symbolik, neben dem Jona im Wal im großen Kreuz zum Ausdruck. Von den Wunden des Gekreuzigten gehen „Gnadenströme“ aus, dargestellt durch blutrote Bänder. Sie enden in Kelchen, die von weiß gekleideten Mädchen getragen werden.

    Die letzte größere Umgestaltung der Stationen erfolgte 1937. Seit 1960 begleiten die Menschen nicht mehr singend und betend die Leidensfiguren, sondern schweigend, nur von Trauermusik begleitet.

     

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