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    Karlstadt

    "Karlsburg sanieren": Die Partei macht Spaß und will in den Karlstadter Stadtrat

    Satire-Partei stellt Stadtratsliste und Bürgermeisterkandidaten auf. Nur wenn genügend Unterschriften zusammenkommen, werden sie auch auf dem Wahlzettel stehen.
    Jakob Schreiner, Janik Havla und Benedikt Scheiner von Die Partei wollen ins Rathaus. Foto: Markus Rill

    Im Europaparlament sorgt der frühere Titanic-Chefredakteur und heutige Abgeordnete Martin Sonneborn mit seinen hintersinnigen Reden zuweilen für Aufmerksamkeit. Eine ähnliche Rolle will Die Partei nun auch im Karlstadter Stadtrat einnehmen, der 20-jährige Janik Havla will sogar als Bürgermeisterkandidat antreten. "Wenn der Karren schon an die Wand fährt, wollen wir selbst am Steuer sitzen", erklärt der Ortsverbandsvorsitzende Jakob Schreiner.

    Flotte Sprüche kommen Schreiner und Havla leicht über die Lippen. "Viel schlechter als die anderen können wir's auch nicht machen", sagt Schreiner grinsend. Und Havla tönt: "Mein Wahlversprechen: Ich werde wieder blaue Haare haben!" Zurzeit sind seine Haare schwarz, weil er in der Gerbergasse im Stück "Warte, bis es dunkel wird" Theater spielt. 

    Erste Aufgabe: Unterschriften sammeln

    Benedikt Scheiner, der Dritte im Bunde, ist ruhiger. Dem 30-jährigen Mechatroniktechniker kam die Aufgabe zu, sich durchs Parteiengesetz zu wühlen. "Es wird einem nicht einfach gemacht, sich einzubringen", sagt er. Die Partei hat acht Kandidaten für die Stadtratsliste nominiert. Aber wenn nicht mindestens 180 Erwachsene ins Rathaus gehen und dafür unterschreiben, dass Die Partei antreten soll, wird sie gar nicht zugelassen. Für die Zulassung von Havlas Bürgermeisterkandidatur sind ebenfalls 180 Unterschriften nötig. 

    Die Vertreter der Partei lavieren zwischen Ernst und Unfug. "Im Stadtrat wird vieles durchgewunken, da wird zu wenig diskutiert", meint der 30-Jährige Schreiner, Redakteur beim Würzburger Vogel-Verlag. "Es kann nicht schaden, wenn wir da mitwirken, auch weil wir die einzig wirklich junge Partei sind." Als frühere Mitglieder im Jugendbeirat fühlten sich Schreiner und Scheiner häufig übergangen. "Die haben uns manchmal angehört, aber nicht wirklich ernst genommen."

    "Lokalkompetenz" der besonderen Art

    Je nach Thema behalten sich die Partei-Vertreter vor, sich auch mal produktiv einzubringen, sollten sie es in den Stadtrat schaffen. "Wählt uns einfach mal und schaut, was passiert", sagt Havla spitzbübisch. Aber grundsätzlich sei das Mitwirken in der Partei "ein Spaß". "Sonst würden wir's nicht machen", erklärt Jakob Schreiner. Auch die Idee von Havlas Bürgermeisterkandidatur sei anfangs ein Scherz gewesen. Aber weil der Biologie-Student in der Liesl jobbt, könne man mit seiner "Lokalkompetenz" wuchern.

    Ein Zehn-Punkte-Programm für Karlstadt will Die Partei noch aufstellen zu Themen wie "Bau, Verkehr und Remilitarisierung", sagt Schreiner. Ein großes Anliegen ist es ihnen, den Namen des Schwimmbad-Kiosks "Agua Rondello" zu "optimieren". "Das Gebäude ist oval, warum heißt es dann Rondello? Und warum Agua mit g?" Diese und andere Fragen will Havla im Stadtrat einbringen. "Die Sanierung der Karlsburg und der Wiederaufbau der Mauer" seien weitere Themen, für die sich Die Partei einsetzen wolle.

    Zunächst mal ist die Zulassung zur Wahl eine große Hürde. Sabine Zabl wird als Karlstadter Wahlleiterin am 17. Dezember zur Einreichung von Wahlvorschlägen auffordern. Zeit dazu bleibt bis 23. Januar. Die nötigen Unterschriften müssen bis spätestens 3. Februar gesammelt werden. "Leicht wird das nicht", meint Scheiner. "Wenn jeder der acht Listenkandidaten zehn Leute motiviert, haben wir erst 80 Unterschriften und brauchen weitere 100."

    Lokale Partei-Prominenz unterstützt

    Die CSU klagte gegen das Wahlplakat der Partei mit Kandidatin Andrea Kübert vor dem Würzburger Dom. Foto: Thomas Obermeier

    Womöglich können die Partei-Leute auf Unterstützung aus dem Umsonst & Draußen-Umfeld hoffen. Zum einen, weil sie sich dort engagieren, zum anderen, weil die früheren Lesungen der Titanic-Redakteure um Martin Sonneborn beim Festival in gewisser Weise den Grundstein für den heutigen Karlstadter Ortsverband der Partei gelegt hätten. Gegründet wurde der übrigens im Oktober 2018. Andrea Kübert, aus Karlburg stammende Partei-Vertreterin, die in Würzburg mit umstrittenen Plakaten für Furore gesorgt hat, leitete die Versammlung und ist auch heute erste Ansprechpartnerin der Karlstadter in Partei-Fragen.

    Damit die nötigen Unterschriften zusammenkommen, appelliert Jakob Scheiner an alle potenziellen Wähler: "Wir versprechen alles, aber erwartet nix."

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