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    Karlstadt

    Karlstadt im Corona-Modus

    Geschlossene Eisdielen, geschlossene Geschäfte, und immer wieder neue Maßgaben. Wie das Virus das Leben in Karlstadt lahmlegt.
    Die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren. Diese Schilder wurden in mehreren Grünanlagen aufgestellt.
    Die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren. Diese Schilder wurden in mehreren Grünanlagen aufgestellt. Foto: Karlheinz Haase

    Wo sonst bei diesem Wetter die Menschen in Scharen vor den Karlstadter Eisdielen sitzen würden, herrscht jetzt Ruhe. Noch am Sonntag tummelten sich die Menschenmassen am Maintor. Das ist jetzt anders. Stühle sind in der Hauptstraße aufgestapelt oder gar nicht rausgestellt. Die Vorsichtsmaßnahmen angesichts des Coronavirus sind in Karlstadt deutlich sichtbar. Und es gibt einen neuen Gruß: "Bleib gesund!"

    Schilder wie dieses finden sich bei den Einzelhändlern in Karlstadt zuhauf.
    Schilder wie dieses finden sich bei den Einzelhändlern in Karlstadt zuhauf. Foto: Karlheinz Haase

    Klar, dass alle Einzelhändler, die keine Waren des täglichen Bedarfs führen, geschlossen haben. Davon künden Schilder wie "Aufgrund der aktuelllen Situation ist unser Geschäft geschlossen". Stadtmarketing-Geschäftsführerin Susi Keller weiß: "Viele kleine Betriebe beantragen jetzt Soforthilfe." Der Markttag am Donnerstag soll stattfinden. Dort gibt es Lebensmittel. Susi Keller schränkt ein: "Das ist Stand Mittwoch, 12 Uhr." Welche Anordnungen im Laufe des Tages kommen, wisse man derzeit nicht. Schon länger abgesagt ist hingegen der Ostermarkt. Dort stehen Dinge im Vordergrund, die nicht zum Überleben nötig sind. 

    Liegengebliebenes wird aufgearbeitet

    Oft nutzen Gewerbetreibende die Gelegenheit, liegengebliebene Dinge zu erledigen. Beim Fitnesscenter FIZ in der Altstadt beispielweise schaut eine Mitarbeiterin zur Tür raus: "Wir machen jetzt Frühjahrsputz."

    Im Modehaus Koch sagt Inhaber Martin Krause: "Wir haben Kurzarbeit angemeldet." Geschlossen ist seit Mittwoch – nach jetziger Erkenntnis voraussichtlich bis 30. März. Vormittags sei eine kleine Notbesetzung da, um beispielsweise Pakete anzunehmen. Aufzuarbeiten gebe es nichts. Krause: "Wir sind immer auf dem Stand."

    Claudia Benkert frisiert im Salon Bonetti mit Mundschutz.
    Claudia Benkert frisiert im Salon Bonetti mit Mundschutz. Foto: Karlheinz Haase

    Geöffnet haben am Mittwoch unter anderem Kioske, auch solche, in denen es keine Lebensmittel gibt. Und offen hat auch das EP-Medienland. Im selben Raum sind die Post und die Postbank. Inhaber Manfred Burkard berichtet, er habe am Dienstag mit der Post telefoniert. Da die Kunden den Laden ohnehin betreten müssen, können auch Medienartikel gekauft werden. "Es waren aber am Vormittag nicht mehr als zehn Kunden da", berichtet Burkard. Telefonisch ist seine Werkstatt erreichbar. Dort wird gearbeitet. Und auch der Außendienst ist unterwegs.

    Geöffnet hat auch das Fotostudio Müller. "Weil bei uns Passbilder gemacht werden", erklärt Ute Müller. Die Zukunft sei freilich ungewiss. Es werde überlegt, Kunden individuelle Einzeltermine anzubieten.

    Wohl dem, der auch übers Internet handelt. Dominik Forstner vom gleichnamigen Uhrengeschäft und der Goldschmiede sagt, auch wenn der Laden geschlossen ist, läuft der Internetverkauf weiter. In der  Werkstatt und im Büro wird gearbeitet.

    Reparaturen ohne Kundenkontakt

    Volker Rosenberger sagt: "Wir Fahrradhändler sind eine Grauzone." Bei Autowerkstätten wird gearbeitet. Aber sind Fahrräder unabdingbar für die Mobilität? Rosenberger ist über Facebook in Kontakt mit 300 anderen Fahrradhändlern in Deutschland und hat mit ihnen folgende Lösung gefunden: Reparturen werden kontaktfrei ausgeführt. Kunden können ihn anrufen, ihr Rad vor dem Geschäft abschließen und den Schlüssel in den Briefkasten einwerfen. Ist das Rad fertig, wird wieder telefoniert und dabei vereinbart, ob das Geld eingeworfen oder überwiesen wird. Dann stellt er das reparierte Fahrrad abgeschlossen vors Geschäft. Den Kunden sagt er, wo der Schlüssel ist, oder er benutzt ein Zahlenschloss.

    Überhaupt sind Facebook und Co. in diesen Tagen das Medium für die schnellen Informationen. Wer einen Betrieb im Intenet aufruft, findet dort meist noch den Hinweis "Geöffnet" und die Grafik mit den stärksten Besuchszeiten. Auf Facebook und Instagram dagegen posten die Geschäftsleute, dass wegen Corona geschlossen ist.

    Desinfektionsmöglichkeit in der Mohren-Apotheke.
    Desinfektionsmöglichkeit in der Mohren-Apotheke. Foto: Karlheinz Haase

    Die großen Lebensmittelmärkte außerhalb der Karlstadter Altstadt weisen ihre Kunden darauf hin, tunlichst Abstand zu halten und bitten um Kartenzahlung. Weshalb gibt es an den Ein- und Ausgängen nicht die Möglichkeit, die Hände zu desinfizieren? Spender wären schon zu bekommen,  das Problem seien die Desinfektionsmittel, die inzwischen knapp sind, heißt es aus der Pressestelle von Tegut. Sie sollen den Krankenhäusern oder der Gesundheitsbranche vorbehalten bleiben. Die Mohren-Apotheke beispielsweise hat einen solchen Spender aufgestellt. 

    Friseure und Zahnärzte

    Wie steht es um Branchen mit engem Kundenkontakt? Im Friseurgeschäft Bonetti in der Rathausgasse arbeiten die Friseurinnen mit Mundschutz. Stefanie Kohlmann gibt Fußpflegekunden nicht mehr die Hand. "Hygienemaßnahmen waren hier ja vorher schon üblich."

    Plexiglasscheibe in der  Aral-Tankstelle.
    Plexiglasscheibe in der  Aral-Tankstelle. Foto: Karlheinz Haase

    Darauf verweist auch Zahnarzt Stefan Scherg. Risikopatienten werden vor der Praxis an die besondere Situation erinnert. Planbare Behandlungen können verschoben werden. Die Zahnklinik Würzburg habe auf Notbetrieb umgestellt, berichtet Scherg. Die niedergelassenen Zahnärzte seien für den "normalen Sicherstellungsauftrag" zuständig. Das aber könne am Donnerstag schon wieder anders aussehen. Die Kammer habe eine Richtlinie angekündigt.

    Eine Maßgabe der Staatsregierung hat Karlstadt umgesetzt: In allen Grünanlagen stehen Schilder mit dem Hinweis: "Halten Sie bitte 1,5 Meter Abstand!" Genau das tun die Rentner beim Plausch auf dem Marktplatz und zeigen dies mit ausgebreiteten Armen an. 

    Ideenreichtum hat Stefanie Rakowski, Pächterin der Aral-Tankstelle, bewiesen. Sie hat an den Kassen Plexiglasscheiben aufgebaut – zum gegenseitigen Schutz von Kunden und Beschäftigten. Die Mohren-Apotheke tut gerade selbiges.   

    Marktplatz Karlstadt: Rentnertreff auf Abstand.
    Marktplatz Karlstadt: Rentnertreff auf Abstand. Foto: Karlheinz Haase
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