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    Karlstadt

    Karlstadter Jugendliche fliegen mit ihren Mountainbikes

    Sie springen über Treppen und fahren nur auf dem Hinterrad. Doch die Suche nach einem Übungsterrain ist in Karlstadt schwierig.
    Ein junger Mountainbiker setzt an zum Flug - über eine Treppe am Karlstadter Gymnasium.
    Ein junger Mountainbiker setzt an zum Flug - über eine Treppe am Karlstadter Gymnasium. Foto: Karlheinz Haase

    Seit einiger Zeit fallen auf Karlstadts Straßen Radfahrer einer besonderen Art auf: Jungs mit hochwertigen Mountainbikes, die scheinbar ziellos durch die Straßen kurven, dabei gelegentlich das Vorderrad hochlupfen und ein Stück nur auf dem Hinterrad fahren. "Wheelie" nennt sich diese artistische Einlage. Manche haben Befestigungsmöglichkeiten für eine Kamera an den Helmen.

    Mehr als 20 Jungs im Alter um die 14 Jahre haben sich nach und nach zusammengefunden, um Kunststücke auf ihren Mountainbikes zu machen. Beim Gespräch "mit der Zeitung" sind sie zunächst zurückhaltend. Denn nicht überall seien sie gerne gesehen. Für ihren Sport brauchen sie zum Beispiel Treppen, wie es sie in Karlstadt bei den Schulen gibt.

    Sprünge über Treppen

    Mit ihren vollgefederten Rädern, den Fullys, fahren sie die Stufen hinunter. Mehr noch: Sie springen über die komplette Treppe und landen erst wieder auf der Ebene dahinter. Besonders stylisch ist es, dabei in der Luft mal kurz den Lenker einzuschlagen. Noch krasser wird es, wenn sie eine Treppe und eine Zwischenplattform überspringen und erst wieder mitten auf einer weiteren Treppe landen.

    Gut ausgerüstet sind die Mountainbiker von Karlstadt.
    Gut ausgerüstet sind die Mountainbiker von Karlstadt. Foto: Karlheinz Haase

    Hierfür eignen sich größere Radgrößen als die üblichen 26er besser. Felgen mit 27,5 oder gar 29 Zoll rollen über die Stufen besser ab. Und einer von ihnen hat eine Federgabel mit beachtlichen 18 Zentimetern Federweg. Im Schnitt legen sie 1500 bis 2000 Euro für ihre Maschinen hin, berichten die Jungs. Das Geld kommt über Geschenke und kleine Jobs herein.  

    Anfänge im Basketball-Käfig

    Der 14-jährige Fabian Salja ist so etwas wie der Gründer oder Sprecher der Gruppe. Vor knapp drei Jahren haben er und sein gleichaltriger Kumpel Tom Wörner mit den Kunststücken begonnen. Im Basketball-Käfig an der Grundschule gab es die ersten Versuche, nur auf dem Hinterrad zu fahren. Irgendwann klappte es.

    Da Mountainbikes – anders als Kunsträder oder Einräder – einen Freilauf haben, kommt es beim "Wheelie" auf die Koordination zwischen der Kurbel und der Hinterradbremse an. Erst wer das beherrscht, kann auch die Vorwärts-Rückwärts-Balance halten.

    Luftsprung mit dem Mountainbike vor der Halle am Karlstadter Gymnasium.
    Luftsprung mit dem Mountainbike vor der Halle am Karlstadter Gymnasium. Foto: Karlheinz Haase

    Inzwischen ist eine feste Gruppe entstanden. Über Whatsapp rufen sich die Jungs etwa dreimal pro Woche zusammen. Jeweils drei Stunden gemeinsames Training sind da keine Seltenheit. Mehr und mehr kommt dabei der Wunsch nach einer Übungsstrecke auf. Solche haben die Jugendlichen schon gezielt besucht: in Eibelstadt, Dettelbach oder in Osternohe bei Nürnberg. Letztere wird mitsamt Lift privat betrieben. 

    In Karlstadt fehlt eine Übungsstrecke 

    Mehrere Versuche, bei Karlstadt eine Strecke anzulegen, scheiterten bislang. Unter anderem hatten sie auf einem Privatgelände schon kleine Sprungschanzen angelegt. Doch dann wurde das Vorhaben gestoppt. Schließlich hatten sich die Jugendlichen auch per E-Mail an Bürgermeister Paul Kruck gewandt.

    In dem Dialog mit ihm ging es um das Gelände nördlich des Feierplatzes am Hammersteig. Der Bürgermeister antwortete: "Wir hatten vor Jahren schon einmal Bestrebungen, einen BMX-Kurs am Rande des sogenannten Feierplatzes am Hammersteig zu errichten. Das ist damals an den fehlenden Verantwortlichkeiten gescheitert. In der Zwischenzeit wird der fragliche Bereich als Zwischenlager für Erdaushub genutzt. Die Rücksprache bei meinen zuständigen Fachbereichen hat ergeben, dass wir leider keine andere geeignete städtische Fläche zur Verfügung stellen können."

    Wheelies in Formation.
    Wheelies in Formation. Foto: Karlheinz Haase

    Derzeit wird die Fläche neben dem Feierplatz nicht als Zwischenlager genutzt. Ein Problem sei die Staubentwicklung in direkter Nachbarschaft zu den Autohäusern, sagt der Bürgermeister. Die Stadt suche nach einer Lösung, wie die Staubbelastung verringert werden kann, um dann dort wieder Erdaushub zu lagern. Für eine Bike-Strecke steht der Platz also nicht zur Verfügung.

    Bikeparks und Trails
    In Dettelbach bietet die Stadt seit August 2016 den Bikepark so ähnlich wie einen Spielplatz an. Verschiedene Kurse mit Steilwandkurven, Erdhügeln oder Baumstämmen für Geschicklichkeitsübungen stehen zur Verfügung – für alle Altersgruppen vom Kleinkind mit Laufrad bis zum Profi. Das 1,6 Hektar große Gelände gehört der Stadt. Die Streckenpflege übernehmen die "Dirtbiker" selbst. Der Bauhof mäht den Umgriff und inspiziert die Strecke regelmäßig. Erscheint sie als zu gefährlich, weil sie etwa verschlammt ist oder ein großer Stein herausschaut, wird sie vorübergehend gesperrt.
    Angesiedelt ist der Bikepark bei der örtlichen Jugendpflege. Sozialpädagogin Anna Kreisel trifft sich einmal monatlich mit den Bikern und klärt mit ihnen, ob an dem Gelände etwas zu tun ist. Die jungen Leute haben den Schlüssel zu einem Container, in dem Schaufeln aufbewahrt werden. Abgesichert ist der Platz über die kommunale Haftpflichtversicherung.
    In Eibelstadt sind der 1,6 Kilometer lange "Flowtrail" mit seinen 80 Metern Höhenunterschied und eine 400 Meter lange "Fun-Line" im Wald nahe des Terroir f ebenfalls in städtischem Eigentum, wird aber vom TSV betreut. Es wurde eigens eine Radsportabteilung gegründet. Trotz Unterstützung durch Bürgermeister Markus Schenk berichtet der Hauptverantwortliche Lars Kraus von "190 E-Mails, 15 Behördengängen und zehn Präsentationen im Stadtrat". Zudem mussten Sponsorengelder eingetrieben werden. Er schätzt, dass alleine er rund 2000 ehrenamtliche Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt hat.
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