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    Karlstadt

    Karlstadter Orgelsommer startete mit barocker Abendmusik

    Mit ihrer Abendmusik erinnerte die Kantorei St. Andreas nicht nur an den Komponisten Dieterich Buxtehude, sondern auch an die Anfänge öffentlicher Konzerte, die sich erst im späten 17. Jahrhundert in der bürgerlichen Gesellschaft etablierten. Foto: Nicole Feser

    Auf musikalischen Gleisen fahren, die noch nicht so befahren sind. Dieser Wunsch brachte die Kantorei St. Andreas in Karlstadt zu dem weniger bekannten, dänisch-deutschen Komponisten Dieterich Buxtehude (1637 - 1707). Seine Musik präsentierten Chor, Orchester und Collegium Vocale von St. Andreas zum Auftakt des zweiten Karlstadter Orgelsommers am Samstagabend.

    Kantaten und Instrumentalwerke Buxtehudes brachten sie zu Gehör - mal klanggewaltig und getragen auf der großen Orgel, mal lebendig und fast beschwingt im Zusammenspiel von Orchester und Chor. Auch wenn noch mehr Zuhörer in St. Andreas Platz gefunden hätten, freuten sich die Akteure über die gelungene Abendmusik und das Publikum durfte ganz besondere musikalische Momente erleben.

    Dieterich Buxtehude sei ein unverdientermaßen weniger bekannter Komponist, betonte Regionalkantor Bernhard W. Seelbach. Doch machte sich Buxtehude, der als einer der gebildetsten Organisten seiner Zeit gilt, nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Orgelspiels einen Namen. Nach dem Tod des Lübecker Organisten der Marienkirche Franz Tunder führte Buxtehude ab 1667 die von Tunder initiierten "Abendmusiken" weiter und unter seiner Leitung fanden so an den fünf Sonntagen vor Weihnachten großangelegte, adventliche Konzerte in Lübeck statt, die Musiker von nah und fern anzogen.

    Im Oktober 1705 unternahm so auch der jugendliche Johann Sebastian Bach seine berühmte Fußreise nach Lübeck, um den großen Meister Buxtehude zu hören und dessen Kunst zu studieren. Von dieser Reise habe Bach ganz neue Stile und Harmonien für seine Musik mitgenommen, so Seelbach.

    Von der Bandbreite der Schaffenskraft Buxtehudes konnten sich auch die Besucher der Abendmusik in St. Andreas überzeugen. Die Reise in die musikalische Welt des Barocks eröffnete Regionalkantor und Dirigent des Abends, Bernhard Seelbach, mit dem Praeludium in fis-Moll, bevor das Orchester mit "Ciacona" und "Befiehl dem Engel, dass er kommt" zwei weitere Werke Buxtehudes erklingen ließ. Mit der Choralkantate "Wär Gott nicht mit uns diese Zeit" brachten Chor und Orchester Buxtehudes Vertonung des gleichnamigen Luther-Liedes zu Gehör.

    Die ursprünglich für Sopran, zwei Violinen und Basso continuo geschriebene Kantate "Herr, wenn ich nur dich habe" erklang in St. Andreas als reines Instrumentalstück mit den Solisten Martina Friedemann und Sonja Drechsler (beide Violine), Hans Weber (Oboe) und Stefan Kautzsch (Cello). Nach der Toccata in G bildete die Kantate "Alles was ihr tut", vorgetragen von Orchester, Chor und Collegium Vocale den krönenden Abschluss des einstündigen Konzertes, das vom Publikum mit verdientermaßen langanhaltendem Beifall honoriert wurde.

    Barocke Klänge sind auch an diesem Samstag, 20. Juli, bei der zweiten Veranstaltung des Orgelsommers zu hören. Um 19 Uhr spielt Bernhard Seelbach im Bischöflichen Orgelzentrum, Kirchplatz 16, an der Heissler-Orgel "Barocke Orgeltoccaten" von Frescobaldi bis Bach.

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