• aktualisiert:

    Karsbach

    Karsbach kontert Kritik: Firmen im Kampf gegen Borkenkäfer überlastet

    Die Borkenkäferbekämpfung war auch auf der Karsbacher Bürgerversammlung ein Thema.
    Die Borkenkäferbekämpfung war auch auf der Karsbacher Bürgerversammlung ein Thema. Foto: Helmut Hussong

    Es gebe aktuell wieder vereinzelt Kritik an der Art der Borkenkäferbekämpfung und daran, dass zu viele Biotopbäume im Wald ausgezeichnet würden, informierte Bürgermeister Martin Göbel in der Karsbacher Bürgerversammlung. Das habe er erst vergangene Woche erfahren. Um hier zu aufzuklären, wurde deshalb zusätzlich kurzfristig das Thema Holzeinschlag, Borkenkäfer und Biotopbäume im Gemeindewald auf die Tagesordnung genommen.

    Die Gemeinde hat insgesamt 605 Hektar Waldfläche, von denen rund 380 Hektar in der Gemarkung des Ortsteiles Karsbach liegen. Auf dem überwiegenden Teil dieser Fläche sind Brennholzrechte vorhanden. "Doch ist der Brennholzanfall aktuell nicht so üppig, weil vielfach auf Grund der Zusammensetzung der Bestände bei Einschlag und Pflege wenig Brennholz anfällt", berichtete Göbel.

    Firmen hatten zur Holzaufarbeitung keine Zeit

    Einen starken Borkenkäferbefall gab es im Herbst 2018 im Bereich Ölgrund, erläuterte Revierleiterin Elke Breitenbach. Die rechtzeitig mit der Aufarbeitung beauftragte Firma konnte wohl aus Kapazitätsgründen nicht zeitnahe antreten. Jedoch wurden dann Ende Februar 2019 alle befallenen Bäume durch das Unternehmen aufgearbeitet. Bei den Konsolen danach wurde nur noch vereinzelter Befall festgestellt.

    Ein zweiter Ereignis im Sommer 2019 zeigte einen Borkenkäferbefall mit einer Größenordnung von rund 300 Festmeter Stammholz. Hier sei die beauftragte Firma leider gar nicht angetreten, erläuterte Breitenbach. Mit dem Gemeindearbeitern wurden deshalb schließlich im August diese Flächen durchgearbeitet. Aus Kapazitätsgründen konnten hier nur die Bäume entnommen werden, bei denen akut eine Borkenkäfergefahr bestand. Bäume, die wegen Trockenheit abgestorbenen und Stämme bei denen die Borkenkäfer bereits ausgeflogen waren, wurden nicht gefällt. Diese sollten dann heuer im Januar verwertet werden, sagte die Revierleiterin den anwesenden Bürgern.

    Abgestorbene Bäume lässt man aus Naturschutzgründen stehen

    Viele Vögel, Tiere, Käfer, Kleinstlebewesen und Pilze sind auf Totholz angewiesen. Deshalb weist man vermehrt bei der Waldbewirtschaftung aus Naturschutzgründen meist abgestorbene Stämme als sogenannte Biotopbäume aus. Da zudem der stehende Bestand und die Bodenfruchtbarkeit von Totholz profitiere, sei eine moderate Anreicherung mit Totbäumen erforderlich und gewünscht, erläuterte die Elke Breitenbach zu diesem Thema.

    Mit 45,5 Hektar sind nur knapp zwölf Prozent der Flächen in der Karsbacher Gemarkung für dieses Naturschutzprogramm gemeldet, ergänzte Martin Göbel. Dafür habe man immerhin 39000 Euro Fördermittel erhalten. "Es ist geduldet und erlaubt auch auf diesen Flächen zur Förderung des Waldbestandes, Brennholzeinschlag durchzuführen", erklärte der Bürgermeister.

    Kritik: falsch und zu langsam reagiert

    Als unzureichend kritisierte dagegen einzig und allein Matthias Haut mit einer Wortmeldung in der Bürgerversammlung diese durchgeführte Borkenkäferbekämpfung und präsentierte einige Fotos von den Waldbeständen. Man hätte anders und schneller reagieren müssen, so seine Grundaussage: "Der Käfer hatte Zeit sich auszubreiten." Teilweise sei zudem unentrindetes Fichtenholz im Wald gelagert worden. Das könnte wiederum zur Verbreitung des Borkenkäfers geführt haben. Eine verspätete Reaktion sei mit Geldstrafen belegt und würde damit zu finanziellen Nachteilen für die Kommune führen.

    "Es gibt auch zu viele Rückegassen", äußerte Haut weitere Kritik an der Waldbewirtschaftung in Karsbach. Dies führe zur Bodenverdichtung, höherer Verdunstung und damit zum schnelleren Austrocknen der Waldböden. Mit der zweckgebundenen Förderung der Waldbewirtschaftung und deren Auflagen zum Naturschutz begebe man sich in eine Abhängigkeit, die die Nutzung des Waldes einschränkt. "Unser Wald soll unser Wald bleiben", so sein Wunsch auch für die Rechtler.

    Bürgermeister: Firmen überlastet

    "Wegen der deutschlandweiten Schäden, sind die Aufarbeitungsfirmen überlastet", stellte der Bürgermeister fest. Die vier Gemeindearbeiter hätten aber trotz eigener Kapazitätsengpässe alles Erforderliche getan. Mit der Kritik hätte man nicht bis zur Bürgerversammlung warten müssen, Wenn das Thema so bedenklich gesehen wurde, hätte man ihn oder die Gemeindeverwaltung bereits das ganze vergangene Jahr über ansprechen können.

    Zahlreiche Spechtlöcher kennzeichen diese 'Todholzeiche' als Biotopbaum.
    Zahlreiche Spechtlöcher kennzeichen diese "Todholzeiche" als Biotopbaum. Foto: Helmut Hussong

    "Das ist ein Gemeindewald und wird durch die Kommune bewirtschaftet", machte Göbel deutlich. Die Holzrechtler hätten nur Anspruch auf das bei der Pflege anfallende Brennholz. Nur weil vielleicht der einzelne Holzrechtler zwei oder drei Ster mehr Brennholz haben will, lasse er sich nicht nachsagen, dass sich die Kommune durch Fördergelder bereichert und bei der Bewirtschaftung einschränken lässt.

    Die Forstverwaltung habe im vergangenen Jahr eine Überprüfung des Holzeinschlages durchgeführt. Die Vorgehnsweise, deutlich weniger Holz als in der langjährigen Forsteinrichtung festgelegt, einzuschlagen, sei dabei eindeutig abgesegnet worden. Man habe zudem seit Jahren Borkenkäferflächen aufwändig wieder aufgeforstet. "Jetzt die Nadel im Heuhaufen zu suchen kann ich nicht akzeptieren", sagte Göbel abschließend. Zu diesem Thema gab es keine weiteren Wortmeldungen.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Main-Spessart-Newsletter!

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!